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Schweiz Boni im Sinkflug – das schmerzt auch die Bundeskasse

Die Einnahmen aus der Einkommenssteuer waren ein verlässlicher Wert im Bundes-Budget – das ist vorbei, es herrscht Stagnation. Das Finanzdepartement hat die Sache jetzt analysiert. Und kommt zum Schluss: Die ganz Reichen verdienen nicht mehr ganz soviel.

Ein Mann mit Anzug und Aktenkoffer überquert eine Strasse.
Legende: Sind die fetten Jahre für die Kader vorbei? Jein, sagen Experten. Keystone

Jahrelang sprudelten beim Bund die Einnahmen aus der Einkommenssteuer, doch seit einigen Jahren herrscht Stagnation. Warum? Das Finanzdepartement hat kürzlich eine Analyse präsentiert – unter die Lupe genommen hat es insbesondere die Jahre nach 2012. Martin Daepp von der Eidgenössischen Steuerverwaltung: «Dabei hat sich gezeigt, dass bei den sehr hohen Einkommen – das heisst bei steuerbaren Einkommen von über eine Million Franken – jüngst ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen war.»

Um über 30 Prozent brachen die Löhne der Einkommensmillionäre in einzelnen Kantonen ein, hält der Bericht des Finanzdepartements fest. Wie gross die Ausfälle beim Bund sind, lasse sich nicht beziffern, denn die Zahlen beruhen auf Angaben aus sechs Kantonen.

Boni-Reduktionen bei Top-Verdienern

Und da nur knapp 2000 Personen eine Million und mehr im Jahr verdienen, können schon Einzelfälle rasch ein Loch in die Kasse reissen. Doch Daepp präzisiert: «Die Zahlen deuten auf einen generellen Rückgang der variablen Lohnkomponente hin – in den Rückmeldungen der Kantone wurden denn auch Boni-Reduktionen im Finanz- und Rohstoffsektor genannt.»

Einen Rückgang bei den Boni im Jahr 2013 stellt auch eine nicht-repräsentative Lohnumfrage des Schweizerischen Bankpersonalverbands fest. Insbesondere seit der Finanzkrise seien die Boni bei Bankern und Rohstoffhändlern zurückgegangen, beobachtet Stephan Hostettler, Vergütungsexperte bei der Strategieberatung HCM Hostettler und Company. «Die Boni speziell in diesen beiden Branchen sind unter Druck geraten. Die Performance der Firmen war sehr unterschiedlich», so Hostettler. In den Chefetagen habe man sich sehr gut überlegt, in welcher Form man Boni – und ob man sie überhaupt – auszahlen wolle.

«Langfrist-Boni» im Trend

Dazu gehört: Banken haben komplexere Bonusmechanismen entwickelt. Ein Bonus soll stärker vom längerfristigen Erfolg abhängen, statt kurzfristig gefährliche Anreize zu setzen. Der Vergütungsexperte spricht von Langfrist-Boni. «Beträge wurden immer mehr in die Zukunft verschoben, was natürlich bedeutet, dass zurzeit weniger versteuert wird», sagt Hostettler. Zum Schluss aber, wenn die Auszahlungen erfolgten, würden entsprechend mehr oder weniger Steuern bezahlt.

Für die Bundeskasse bedeutet das: Sind Banker und Rohstoffhändler über mehrere Jahre hinweg erfolgreich, könnten in Zukunft die Steuereinnahmen wieder kräftiger wachsen. Natürlich sind schmalere Boni nicht der einzige Grund für den Rückgang bei den Einkommenssteuern. Doch wie üppig die Lohnabrechnungen der Einkommensmillionäre ausfallen, hat durchaus einen Effekt: Die 2000 Top-Verdiener zahlten 2012 rund 500 Millionen Franken Steuern.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Eine gesunde Entwicklung. Ein finanzieller Bonus für eine Führungskraft beisst sich meines Erachtens mit den (fürsorge-) Pflichten einer Führungskraft.
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  • Kommentar von Andrea Müller, Zürich
    Also ich finde schon, das die reichen Bürger eine Portion Mitleid verdient haben, nicht? Ich meine sie sind schon so reich, dass sie erwarten, dass sie immer reicher werden! Wisst ihr wie schlimm es ist wenn das dann nicht eintritt? Ein Herz für Superreiche!
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  • Kommentar von Jürg Sand, Zürich
    Ich grinse, obwohl es traurig ist. Unsere Schildbürger sägen wütend an ihrem eigenen Ast und lamentierten, wenn sie unsanft fallen. Seien es hohe Saläre, Boni, Firmen- oder Grundstückgewinne, immer sind es der Fiskus und die Sozialkassen, die risikolos und ohne Anstrengung mit bis zu 70% profitieren. Den Schimpfnamen "Abzocker" hört man in dem Zusammenhang aber nie, nur das Gejammer wenn die Kohle fehlt.
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