Bringt gesponserte Forschung gekaufte Resultate?

Universitäten werden in immer grösserem Ausmass gesponsert. Doch wie frei kann diese Forschung noch sein? 26 Professoren sehen die Unabhängigkeit der Wissenschaft in Gefahr und starten einen Appell. Aber nicht alle Gelehrten teilen diese Meinung.

Schweizer Universitäten finanzieren sich teilweise mit Geld, das sie von Unternehmen und Stiftungen bekommen. 26 Professoren sind der Meinung, dass dies die Forschung beeinflusst. In der «Zeit» veröffentlichen sie ihre Kritik. Manche ihrer Kollegen sehen das anders. Die Hochschulen seien auf Sponsorengeld angewiesen. Ihre Autonomie bewahrten sie trotzdem.

Fürstliches Geschenk der UBS

Letztes Jahr erhielt die Universität Zürich von der UBS ein fürstliches Geschenk: Die Bank finanziert für 100 Millionen Franken ein ökonomisches Institut.

Für die Hochschule war dies ein Grund zur Freude. Für den Staatsrechtsprofessor Markus Müller ist es genau das Gegenteil: «Dieser krasse Fall war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.» Er erkennt eine schleichende Problematik: «Die Universitäten verändern sich immer mehr in Richtung privatwirtschaftliche Unternehmen.»

Die Universitäten seien immer weniger Hort unabhängigen Denkens, sondern vielmehr Profitcenter in der Wissensindustrie, davor warnen Müller und die Philosophin Ursula Pia Jauch in ihrem Appell. 24 weitere Persönlichkeiten haben ihn mitunterzeichnet und eröffnen damit eine heisse Debatte.

Ein Transparent der Juso gegen den Verkauf der Wissenschaft an die UBS.

Bildlegende: Im April 2012 demonstrierte die Juso gegen das Sponsoring der UBS an der Uni Zürich. Nun stört es auch Professoren. Keystone/Archiv

Nicht der einzige Fall

Das «UBS International Institute for Economics in Society» ist nicht der einzige Fall von Wissenschafts-Sponsoring. Der Agrokonzern Syngenta finanziert der ETH Zürich einen Lehrstuhl für «nachhaltige Agrarökosysteme» und die Versicherung Mobiliar der Uni Bern einen für Klimafolgenforschung.

Trotzdem sieht der Rektor der Zürcher Universität, Andreas Fischer, keine Gefahr. Schliesslich kommen weniger als zehn Prozent des Budgets aus privaten Mitteln. Den Appell hält er deshalb für unnötig.

Die Sponsoren könnten weder bei der Besetzung gestifteter Lehrstühle mitreden, noch die Forschungsergebnisse beeinflussen, sagt Fischer. Dies stellten die Sponsorenverträge sicher.

UBS als einziges Beispiel

Allerdings sind die meisten dieser Verträge geheim. Dies ist mehrfach kritisiert worden: Wenn diese Verträge so harmlos seien, warum könne man sie denn nicht offenlegen? Gerade im Fall des Sponsoringvertrags für das neue UBS-Center wurde eine Offenlegung gefordert.

In dem Appell der Professoren wird das erwähnte Center der UBS als einziges Beispiel angeführt. Kritisiert wird, dass die 100-Millionen Spende der UBS den Ruf der Uni Zürich beschädigen könnte. Ernst Fehr, der Direktor des UBS-Centers, sagt dazu: «Problematisch an diesem Aufruf ist, dass mehr oder weniger explizit gesagt wird, die UBS ist eine unethische Organisation und mit einer unethischen Organisation dürfe man keine Geschäfte abschliessen.»

Doch eine Institution könne sich wandeln, sagt Fehr. Und er selbst habe die Bank um Unterstützung ersucht.

Andere Ergebnisse gesponserter Forschung

Auch die Initianten des Appells behaupten nicht, dass Sponsoren unterstützten Forschern direkt vorschreiben, was sie zu forschen haben. Aber sie warnen vor unbewusster Rücksichtnahme.

Es gibt Untersuchungen, die nahelegen, dass in manchen Disziplinen gesponserte Studien zu anderen Resultaten kommen als unabhängig finanzierte. Im Weiteren befürchtet Appell-Autor Müller, dass das Sponsoring die Forschung verändert.

Untersucht werde zunehmend, was die Wirtschaft will, nicht die Wissenschaft. Die Grundlagenforschung könne mittelfristig zu kurz kommen. Als Ausweg schlägt Müller vor, Sponsoren sollten keine Lehrstühle einrichten, sondern die Hochschulen als Ganzes unterstützen.

Top-Unis brauchen Geld

Weltfremd sei das, kritisiert Ökonom Fehr, denn an Europas Universitäten tobe zurzeit ein Konkurrenzkampf. «Wer die meisten Geldmittel anzieht, hat die besten Chancen, eine Top-Universität zu etablieren.»

Die Schweizer Universitäten möchten zu diesen Top-Hochschulen gehören. Und das hätte auch die Politik gerne. Sie belohnt die Hochschulen per Gesetz dafür, wenn sie Sponsorengelder hereinholen.

Aber gerade in diesem Konkurrenzkampf, sagen die Initianten des Appels, sollte sich die Schweiz gut überlegen, was für Universitäten sie wolle. Darüber brauche es mehr denn je eine offene Debatte. Sie ist jetzt eröffnet.