600 Jahre Niklaus von Flüe «Bruder Klaus hat für Vertrauen und gegen Misstrauen gewirkt»

Bundespräsidentin Doris Leuthard hat an der Gedenkfeier in Sarnen (OW) für Niklaus von Flüe die Werte des Glaubensmannes hervorgehoben. Sie ist überzeugt, Bruder Klaus würde der Gesellschaft auch heute noch guttun.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bundespräsidentin Doris Leuthard hat an der Gedenkfeier zum 600. Geburtstag in Sarnen Niklaus von Flüe geehrt.
  • Bruder Klaus sei der rechte Mann zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen, so die Bundespräsidentin.
  • Auch der Obwaldner Landammann Franz Enderli ehrte Bruder Klaus. Er betonte, von Flües Leben weise auf die Tiefe und Mitte des Menschen hin.
«  Bruder Klaus hat für Vertrauen und gegen Misstrauen gewirkt. »

Doris Leuthard
Bundespräsidentin

Die Bundespräsidentin fügte in ihrer Rede vor rund 300 geladenen Gästen aus Politik, Justiz, Wirtschaft und Kirche sowie an die Bevölkerung hinzu, Vertrauen beflügle, bewege und führe zu konstruktiven Lösungen.

Bruder Klaus habe mit seinen Wertvorstellungen das vorgelebt, was er von den anderen erwartete. «So wurde er glaubwürdig», so Leuthard weiter.

Der Literaturwissenschaftler Peter von Matt hielt in seiner Rede am Festakt fest: Bruder Klaus habe keine Jünger um sich gesammelt, er habe keine Gemeinschaft gegründet, er sei nicht als Führer und Prophet aufgetreten. Die Rolle des Sehers, der wisse, was in der Not zu tun sei, sei ihm zugewachsen.

Man habe ihm geglaubt, weil niemand, der ihm persönlich begegnete, ihm misstrauen konnte, sagte von Matt. Wer sich mit ihm befasse, habe zu tun. Auch heute noch.

Dies sieht auch der Obwaldner Landammann Franz Enderli so. Er betonte, von Flües Leben weise auf die Tiefe und Mitte des Menschen hin:

«  So bleibt er für uns bis heute eine Herausforderung: als radikaler Gottsucher und engagierter Mittler. »

Franz Enderli
Landammann Kanton Obwalden

Niklaus von Flüe lebte von 1417 bis 1487. Er gehörte zum Führungszirkel Obwaldens, verliess aber Frau und Kinder und lebte als Eremit in Flüeli-Ranft. Die Klause ist noch heute eine wichtige Pilgerstätte.

Historisch verbürgt ist seine Rolle als Ratgeber. 1481, am Tag des «Stanser Verkommnis», vermittelte er im Streit zwischen den Stadtkantonen Zürich und Bern und den Urschweizer Landkantonen. Gefeiert wird er als Vermittler und Mystiker.

In der heutigen Zeit «mehr Ranft»

Im Kanton Obwalden ist die 600-Jahr-Feier ein eminent wichtiges Ereignis. Der Regierungsrat möchte die Gelegenheit nutzen, die Bedeutung von Bruder Klaus der Bevölkerung näher zu bringen.

Für das Jubiläumsjahr schlossen sich der Kanton, die Gemeinde Sachseln, die Bruder-Klausen-Stiftung sowie die katholische und reformierte Kirche zu einem Trägerverein zusammen. Die Botschaft, die im Jubiläumsjahr verbreitet werden soll, lautet «Mehr Ranft». Sie soll die Frage nach dem Wesentlichen im Menschsein ins Zentrum stellen.