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Schweiz Brunner: Lehrer verkommen zu «Classroom-Managern»

Die SVP hat an ihrem Sonderparteitag die Volksschule heftig kritisiert. Frontalunterricht sei passé und heute verkomme der Lehrer zu einem «Classroom-Manager», kritisierte SVP-Präsident Toni Brunner.

Toni Brunner vor eine Schweizer Fahne
Legende: SVP-Präsident Toni Brunner vermisst die alten Schulzeiten mit Frontalunterricht, Drill und Vollstopfen von vorne. Keystone

SVP-Parteipräsident Toni Brunner hat kritisiert, dass die Volksschule die Schüler immer weniger auf die Berufswelt vorbereite. Die Volksschule sei ein beliebtes Tummelfeld für Reformen und Experimente geworden, sagte Brunner am Sonderparteitag der SVP Schweiz in Würenlos (AG).

Frontalunterricht mit dem Klassenlehrer vor seiner Klasse sei passé. Die Lehrerperson unterrichte nicht, sondern sei voll beschäftigt mit dem «Classroom-Management», sagte Brunner. Es gebe kein Drill, kein Vollstopfen von vorne, sondern die Schüler sollten kreativ arbeiten und gestalten.

Der Lehrer als «Zeitablaufmanager im Class-Room» habe weder Zeit noch sei es seine Überzeugung, das Gelernte einzuüben. Denn das selbstständige Entdecken sei wichtig. Das Einüben könne zu Hause bei stundenlangen Hausaufgaben erledigt werden.

Gehörschutz aufsetzen

Schülern, die sich im Durcheinander und Chaos nicht mehr konzentrieren könnten, werde empfohlen, sich einen Pamir, also ein Militär-Hörschutzgerät, aufzusetzen, hielt er fest. Es gebe Schulen, wo das zum Alltag geworden sei. Brunner sprach von einer «Pamir-Schule» – und zog sich unter Applaus der Parteibasis einen Pamir an.

Die Folgen solcher Bildungsideale würden langsam aber sicher spürbar. Bei einfachsten Kopfrechnungen oder beim Verstehen eines gelesenen Textes, stünden heute schon viele an. Noch schlimmer seien die grossen Lücken beim konzentrierten, vorsichtigen und sauberen Arbeiten.

Die SVP beschäftigt sich an ihrem Sonderparteitag in Würenlos mit dem Thema «Volksschule und Berufswelt». Im April hatte die Partei dazu ein 75-seitiges Positionspapier vorgestellt.

Gegen «Behinderten-Konvention»

Der Parteipräsident kritisierte auch das UNO-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die SVP lehne das Übereinkommen ab. Dieses mache auch den Kantonen und den Arbeitgeberverbänden grosse Sorgen.

Das Übereinkommen fordere die Integration, auch von Schwerstbehinderten, in das Regelschul- und Arbeitssystem. Die Umsetzung führe beim Werkplatz zu einem massiven Eingriff. Mit dieser Hintertür solle für Behinderte indirekt ein «Recht auf Arbeit» eingeführt werden.

Die Übereinkunft habe auch Folgen auf den Bereich Bildung. Brunner erinnerte daran, dass er selber einen schwer behinderten Bruder habe. Sein Bruder habe das Down-Syndrom.

Dieser habe damals eine passende Schule, eine sogenannte Heilpädagogische Schule besucht, und nicht die Regelklasse. «Man hätte nämlich weder ihm, noch dem Gleichaltrigen einen Gefallen getan, hätte er denselben Schulstoff lernen müssen, wie alle anderen Kinder», sagte er.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Elmar Hutter, Bad Ragaz
    Frontalunterricht gehört wie Gruppen- und Einzelarbeit zu einem zielgerichteten, interessanten Schulunterricht. Eine Fremdsprache in der Primarschule genügt. Werkunterricht ist im Sinne von Pestalozzi: Bildung von "Kopf, Herz und Verstand." SFR 2 kann einen effizienten Sprachunterricht mit dem Verzicht von Synchronisation englischer bzw. franzö- sicher Filme unterstützen. Durch die deutschen Untertitel werden die Leseleistungen - auch von Erwachsenen - verbessert.
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  • Kommentar von Thomas Binder, Baden
    In Pakistan schiessen die Taliban mit Blei auf Mädchen, welche sich bilden wollen, in der Schweiz tut dies die SVP mit Worten. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, da hatte man in schwierigen ein historisches und ein Spezialwissen erfordernden Belangen ganz zuletzt und im Jux auch noch den Bauern und den Gipser gefragt "und was meinst Du denn noch dazu?". Heute ist dieser Jux trauriger realer Alltag und haben die kompetenten Spezialisten offenbar nichts mehr zu sagen!
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  • Kommentar von David Siems, Dübendorf
    Wenn der Bruder nie in einer Regelschule war, woher will Brunner denn dann wissen, dass er von dieser Erfahrung nicht profitiert hätte? Was wurde aus dem Bruder? Ist er heute integriert oder lebt er in einem Heim? Und wie denkt der Bruder selber über das alles? Als Angehöriger erdreistet Brunner es sich genau zu wissen, was das Beste für seinen Bruder ist und unterstreicht damit lediglich, dass die Bevormundung behinderter Menschen endlich beendet werden muss. Die UNO-BRK könnte dabei helfen.
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