Bürokratie hemmt unbürokratische Flüchtlingshilfe

Millionen von Syrern sind auf der Flucht. In so einer Situation müsse man helfen, sagte die Flüchtlingshilfe im letzten Herbst und viele Schweizer haben sich auch bereit erklärt, Flüchtlinge privat unterzubringen. Aber die unbürokratische Hilfe stockt.

Felix Meiner

Bildlegende: Felix Meiner verweist auf ausländische Beispiele wenn er mehr Unterstützung für private Hilfe anmahnt. Keystone

Das Echo sei gross gewesen, sagt Beat Meiner, der Generalsekretär der Flüchtlingshilfe. 150 Angebote in wenigen Wochen. «Da gibt es Leute, die haben eine Einliegerwohnung, die sie uns überlassen wollen für Flüchtlinge. Da gibt es Bauern, die eine Wohnung haben auf ihrem Bauernhof. Wir haben sogar aus der Innerschweiz ein Kloster, das sich gemeldet hat und Plätze anbietet.»

Aber das Projekt, dass Privatpersonen Bürgerkriegsflüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen, kommt nicht vom Fleck. In keiner Gemeinde, wo es hilfsbereite Privatpersonen gibt, liegt bisher eine Bewilligung vor.

Angst vor den Kosten

Denn es stellen sich viele Fragen. Zum Beispiel in Basel-Stadt. Renata Gaumann leitet dort die Asyl-Koordination: «Wer bezahlt das Geld für Essen, für Bekleidung, für medizinische Versorgung? Wer macht das? Da landet man ganz schnell bei der Sozialhilfe und bei der Verwaltung, die ja vom Bund auch Pauschalen bekommt.» In den einen Gemeinden herrscht die Angst davor, viel Geld für die privat untergebrachten Flüchtlinge ausgeben zu müssen.

In anderen ist es eher die Angst um das Wohlergehen der Flüchtlinge. Denn längere Zeit eine traumatisierte Flüchtlingsfamilie zu beherbergen, das sei keine leichte Aufgabe, sagt Gaumann. Zudem könnten die Flüchtlinge auch in eine problematische Abhängigkeit von ihren Gastgebern geraten.

Es braucht sorgfältige Vorbereitung

Gaumann findet zwar wie andere Asylexperten den Vorschlag der Flüchtlingshilfe sympathisch, aber «es ist nicht kurzfristig umsetzbar. Es braucht Zeit und sorgfältige Vorbereitung».

Meiner von der Flüchtlingshilfe ist enttäuscht und traurig, wie er sagt, dass das alles so lange geht. Denn die Menschen aus dem Bürgerkriegsgebiet, die bräuchten doch jetzt Hilfe. Im Ausland funktioniere die private Hilfe: «In Dänemark zum Beispiel oder in Holland habe ich das gesehen, dass tausende von Freiwilligen gibt, die sich engagieren im Asylbereich». Meiner bleibt aber zuversichtlich, dass das bald auch in der Schweiz so wird.