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Schweiz Bund bricht Vorzeigeprojekt in Nigeria ab

Flop für die DEZA: Der Bund wollte mit 1.5 Millionen Franken die Ausbildung von Lehrlingen in Nigeria fördern. Jetzt bricht die DEZA das Projekt ab. Grund sind mangelhafte Resultate sowie ein erbitterter Verteilkampf um die Entwicklungshilfe-Gelder beim nigerianischen Projektpartner.

Nigerianische Mechanikerinnen sitzen um einen Tisch herum
Legende: Das Ausbildungsprojekt habe die gesetzten Ziele nicht erreicht, heisst es. Lady Mechanics Initiative

«Ich kann bestätigen, dass wir das Projekt nach 3 Jahren Zusammenarbeit stoppen mussten», sagt Markus Reisle von der DEZA gegenüber der «Rundschau». Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) sei «enttäuscht» über den vorzeitigen Projektabbruch. Die DEZA wollte mit NIDO, einem kleinen Verein von Exil-Nigerianern, ein 1,5-Millionen-Ausbildungsprojekt stemmen. Doch das Pilotprojekt erreichte die gesetzten Ziele nicht.

Kleiner Verein soll Millionenprojekt führen

Der Verein NIDO (Nigerians in Dispora Organisation) hatte zu Beginn des Projekts nur gerade ein Dutzend Mitglieder. «Wir haben ein sehr strenges Controlling aufgebaut», rechtfertigt die DEZA die Vergabe an den kleinen Verein. Der Bund hat den Vertrag diesen Sommer nun aufgelöst.

Der Rundschau liegt ein Treuhandbericht vom Dezember 2014 vor. Er fällt vernichtend aus: «Unserer Ansicht nach hat der Verein in seiner heutigen Form nicht die Kapazität, das Projekt wie vereinbart umzusetzen. Ein grosser Teil der Ressourcen wird von der Administration absorbiert.»

Kritik an Geldverschwendung

Die schärfste Kritik am Projekt kommt aus den Reihen der Exil-Nigerianer selber: «Das Projekt war sehr schlecht geführt», sagt Isaac Obodo gegenüber der «Rundschau». Das Hilfsgeld sei nicht effizient eingesetzt worden: «Ich war in Nigeria. Ich habe es mir vor Ort angeschaut. Aber es gibt praktisch keine Resultate in Nigeria», sagt Obodo. Er spricht für das grosse Lager der enttäuschten Exil-Nigerianer, die sich viel vom Projekt erhofft haben.

Heftiger Streit um Deza-Gelder

Das Hilfsprojekt mit dem Millionenbudget hat im kleinen Verein einen heftigen Verteilkampf ausgelöst. Eigentlich wollte die DEZA den Verein mit dem Projekt stärken und aufbauen. Stattdessen hat sich die Organisation nun in zwei zerstrittene Lager aufgespalten: «Das ist natürlich überhaupt nicht das, was wir wollten mit diesem Projekt und wir bedauern das auch», so Markus Reisle. Bis zum Abbruch hat das Projekt rund 340'000 Franken gekostet.

Rückschlag für die Migrationspartnerschaft

Das Projekt war in Zusammenhang mit der 2011 geschlossenen Migrationspartnerschaft lanciert worden. Der einseitige Projektstopp durch den Bund ist ein Rückschlag für die Zusammenarbeit mit dem westafrikanischen Land.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Jeannette Kjaer (Anonym)
    Ich hoffe nur, dass sich die arbeitsamen, ergebnisorientierten und konstruktiv Denkenden finden, dass ein anderes Projekt aus den Erfahrungen schöpfen kann, und dass sich somit ein konstruktives Ergebnis längerfristig zeigt! Das hätten alle die verdient, die sich offensichtlich jahrelang genau dafür eingesetzt hatten!
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  • Kommentar von Jeannette Kjaer (Anonym)
    DEZA hat völlig richtig gehandelt, in dem sie die Notbremse zog. Und zwar, weil zu viele Vereinsmitglieder im Geld-Verteilungs-Kampf wohl völlig vergassen, dass sie vom Staat in dem Land in dem sie leben, unterstützt wurden, damit SIE SELBER IM EIGENEN HEIMATLAND Entwicklungshilfe leisten können.
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  • Kommentar von Jeannette Kjaer (Anonym)
    Hut ab für diesen Remi Alao, der es schafft, hier in der Schweiz Karriere zu machen; ein Taxi-Unternehmen zu führen, gleichzeitig ein solches Projekt zu leiten und dann noch zusehen muss, wie die eigenen Leute das Projekt zugrunde richten.
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