Bund fordert Rücktritt des Vorstandes der Jenischen

In der Kasse des Dachverbandes der Schweizer Jenischen fehlen 120'000 Franken. Um weiter mit dem Verband zusammenarbeiten zu können, will der Bund den Vorstand auswechseln. Dieser wehrt ab.

Das Bundesamt für Kultur hat sich bereit erklärt, der Radgenossenschaft bei der Bewältigung der finanziellen Schwierigkeiten zu helfen. Allerdings nur, wenn der jetzige Vorstand zurücktrete.

«Wir stellen fest, dass es Dinge gibt, die sich ändern müssen, damit die Radgenossenschaft weiter als Partner des Bundes agieren kann. In diesem Sinne ist unser Hilfeangebot an gewisse Bedingungen geknüpft», sagt David Vitali vom Bundesamt für Kultur, der damit einen Bericht von Tages-Anzeiger und 20 Minuten bestätigt.

«Wir sind keine Betrüger»

Überrascht und enttäuscht reagiert Daniel Huber, der Präsident der Radgenossenschaft, auf diese Rücktrittsforderung. «Dass man uns jetzt das Messer an den Hals setzt und die 40‘000 Franken Unterstützung des Bundes an den Rücktritt knüpft, können wir nicht annehmen. Wir sind keine Betrüger.»

Dass es einen Fehlbetrag in der Buchhaltung gebe, ärgere auch ihn, sagt Huber. Aber dieser Fehlbetrag sei kleiner als behauptet werde und habe auch nichts mit seinem Lohn zu tun. Die Radgenossenschaft der Landstrasse habe eine externe Stelle mit einer Überprüfung beauftragt, und schon bald werde man genauer wissen, wo das Problem liege. Huber will jetzt versuchen, mit dem Bundesamt für Kultur das Gespräch suchen.

Dass die Radgenossenschaft in den letzten 40 Jahren viel geleistet hat, das anerkennt auch David Vitali vom Bundesamt für Kultur. «Sie hat sich nicht nur für die sehr schwierige Platzfrage eingesetzt, sondern für die Jenischen auch Beratungsleistungen erbracht und die Öffentlichkeit über ihre Belange informiert.»

Bund möchte die Zusammenarbeit weiteführen

Man würde gerne auch in Zukunft mit der Radgenossenschaft zusammenarbeiten, heisst es beim Bundesamt für Kultur. Aber dafür brauche es bessere Strukturen und mehr Transparenz, sagt Vitali. Und möglicherweise müsse sich die Organisation auf gewisse Aufgaben fokussieren, denn: «Wir sind dem Steuerzahler gegenüber verpflichtet dafür zu sorgen, dass unsere Mittel zielgerichtet eingesetzt werden. Daran gibt es in der Öffentlichkeit und in den Medien gewisse Zweifel.»

Und diese Zweifel müssten ausgeräumt werden. Auf die Frage, ob es noch Verhandlungsspielraum gebe, bei der Rücktrittsforderung an die Adresse des Vorstandes – darauf antwortet Vitali nicht direkt. Man warte zuerst auf die offizielle Antwort der Radgenossenschaft der Landstrasse. Der Präsident der Organisation hat bis nächste Woche Zeit, Stellung zu nehmen.