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Schweiz Bund reagiert auf Missstände in Asylzentren

Die Zustände in den hiesigen Asylzentren sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Diese Woche etwa wurde bekannt, dass es im Neuenburger Asylzentrum Boudry zu sexuellen Übergriffen durch das Personal gekommen sein soll. Nun reagiert der Bund.

Asylzentrum Perreux in Boudry im Kanton Neuenburg
Legende: Asylzentrum Perreux in Boudry (NE). Der Bund reagiert nun auf Vorwürfe, in den Zentren laufe vieles falsch. Keystone

Besonders schlimm sind die Vorwürfe im Kanton Neuenburg: Dort läuft ein Verfahren gegen mehrere Sicherheitsleute des Asylzentrums Boudry. Sie sollen Asylsuchende – Frauen und Männer – zu Intimkontakten gezwungen haben.

Aber bereits in der Vergangenheit gab es verschiedene Vorfälle in Asylzentren: Letzten Frühling etwa äusserte eine ehemalige Angestellte schwere Vorwürfe gegen die Asylunterkunft Tschorren im Berner Oberland. Dort seien den Bewohnern teilweise die falschen Medikamente verabreicht worden und es habe an Frauenkleidern gemangelt.

Im vergangenen Herbst machte dann das Asylzentrum im luzernischen Eigenthal Negativ-Schlagzeilen: Ein krankes Kind habe dort über Tage keine ärztliche Betreuung erhalten.

Auch Denise Graf, Flüchtlingskoordinatorin von Amnesty International, spricht von miserablen Zuständen, die sie bei einem Besuch in dem Luzerner Zentrum vorgefunden habe. So hätten in Eigenthal zwar 25 Kinder gelebt, es habe aber weder genügend geeignete Nahrungsmittel für sie gegeben noch speziell für Kinder geschultes Personal.

Externe Firma in der Kritik

Verantwortlich für den Betrieb in Eigenthal war die Firma ORS. Sie gestand die Mängel ein und versprach, Verbesserungen umzusetzen. Die Asylsuchenden lägen seinem Unternehmen am Herzen, beteuert ORS-Firmensprecher Roman Della Rossa. «Für uns ist es wichtig, dass wir die Asylsuchenden menschlich korrekt und auch professionell betreuen können.»

Auch beim Bund hat man auf Fehler reagiert. Als Sofortmassnahme sei etwa ein besseres Controlling eingeführt worden, sagt Michael Glauser vom Bundesamt für Migration (BFM). So seien nun etwa Mitarbeiter des Bundesamtes regelmässig vor Ort und erstatteten schriftlich Bericht an die Zentrale. 

Die Skepsis bleibt

Die Vertreter der Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen bleiben dennoch skeptisch: Sie beklagen zu wenig Betreuung und fehlende Tagesstrukturen für die Asylsuchenden. Weiterbildung und Beschäftigung kämen zu kurz, Disziplin hingegen werde gross geschrieben. Kurz: Man setze falsche Prioritäten, findet Denise Graf von Amnesty.

Heute werde viel zu viel Geld für die Sicherheit ausgegeben, meint Graf. «Wenn dieses Geld in die Betreuung, den Ausbau der Tagesstrukturen und in Beschäftigungsprogramme investiert würde, wäre die Situation in den Zentren wesentlich ruhiger.»

Weniger Geld vom Bund

Teil des Problems sei, dass der Bund die Beiträge pro Asylbewerber in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt habe. Heute zahlt der Bund für jede betreute Person knapp 1500 Franken im Monat. «Wenn man mit diesen Beiträgen noch Profite erwirtschaften will, heisst das ganz klar: Abstriche bei der Betreuung und bei den Anforderungen an das Personal», sagt Denise Graf. Wolle man nämlich gut ausgebildetes Personal beschäftigen, müsse man dieses auch entsprechend bezahlen.

Auch Beat Meiner, Generalsekretär der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, hat Bedenken, dass private Firmen immer mehr Asylzentren führen. Diese wollten schliesslich Gewinn machen.

Meiner findet aber auch, man könne den Privaten nicht allein die Schuld zuschieben. «Es hat auch damit zu tun, wie der Auftrag an diese Firma vom Bundesamt für Migration formuliert wurde. Dort muss man ansetzen.» Beim BFM heisst es auf Anfrage, man sei daran, die Richtlinien zu überarbeiten.

Derzeit betreibt die Firma ORS alle Asylzentren des Bundes. Dieses Jahr schreibt der Bund die Aufträge neu aus. Amnesty International und die Flüchtlingshilfe wünschen, dass dann auch andere Firmen zum Zuge kommen. Mehr Konkurrenz für bessere Qualität, ist ihre Hoffnung. (krua)

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18 Kommentare

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  • Kommentar von J. Nehru, Solothurn
    Den artikle empfinde ich als sehr unangenem, ist schon richtig, nein notwändig dass sich der Bund darum bemüht. Regelrecht Schokierend empfinde ich hingegen was hier teilweise im Anhang geschrieben wird. Beim einen oder anderen Komentar muss man sich ja nicht nur seiner Staatsangehörigkeit, sondern auch der Gattung Mensch schämen.
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  • Kommentar von K.Ammann, Zur Zeit im Ausland
    Einmal mehr wurde ein Kommentar von mir nicht veröffentlicht! Warum das so ist entzieht sich meiner Kenntnis.Vielleicht hat es es damit zu tun,weil ich mir erlaubt habe eine andere Vorstellung der ganzen Asylproblematik zu haben als Frau Graf von Amnesty International.Für mich hat die Sicherheit der einheimischen Bevölkerung immer noch oberste Priorität.Dazu ist unsere Regierung vepflichtet und darum sind sie gewählte VOLKSVERTRETER.
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  • Kommentar von Frodo Beutler, Auenland
    Würde man nur schon Asylanten aus anderen Kontinenten ablehnen und zwar ohne Verfahren etc. (es gibt auf jedem Kontinent "sichere" Staaten), würden wir bereits Milliarden sparen an Betreuung, Abklärung, Löhnen, Bauten etc. etc. Diese ganze Soziinstrdie und unsere Frau Sommaruga (gratis Klavierunterricht geben z.b.) hätte dann evtl. wieder Geld und Zeit, sich um unsere internen bedürftigen Schweizer Bürger zu kümmern. Aber das bringt keine Publicity, nicht wahr?
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