Bund rechnet mit Flüchtlingsströmen aus Italien

Hunderte Flüchtlinge rettet die italienische Marine Tag für Tag aus dem Mittelmeer. Von Italien ziehen sie dann weiter in den Norden. In der Schweiz sind die Asylzahlen im Juni kräftig gestiegen. Und es dürfte so weitergehen.

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Warum Eritreer in die Schweiz wollen

3:13 min, aus 10vor10 vom 1.7.2014

Im Juni haben in der Schweiz rund 2100 Menschen um Asyl gebeten. Das ist ein Viertel mehr als im Mai. Der Trend nach oben könnte sich fortsetzen: «Wenn in Süditalien weiterhin so viele Menschen eintreffen, wie das aktuell der Fall ist, dann ist eine weitere Zunahme der Gesuche nicht auszuschliessen», sagt Martin Reichlin vom Bundesamt für Migration (BfM).


Der Bund rechnet mit mehr Eritreern

1:22 min, aus HeuteMorgen vom 02.07.2014

Verweigerung der Registrierung

Auffällig ist, dass im Juni fast doppelt so viele Eritreer in die Schweiz kamen als im Monat zuvor. Fast jeder zweite Asylsuchende stammt aus Eritrea. Das gab es bisher noch nie. Eine Rückschaffung nach Italien müssen sie immer seltener befürchten: «Nach den Angaben, die uns vorliegen, gibt es eine beträchtliche Anzahl von Personen aus Syrien und Eritrea, die sich bei der Ankunft in Süditalien weigern, sich registrieren zu lassen.»

Die italienische Küstenwache begleitet ein mit dutzenden afrikanischen Flüchtlingen überfülltes Schiff.

Bildlegende: Allein am letzten Wochenende wurden rund 5000 Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Keystone

Sie reisen weiter nach Deutschland, Skandinavien oder in die Schweiz und können von dort aus nicht mehr nach Italien zurückgeschickt werden, weil sie dort nicht registriert worden waren. Sie hätten bereits mit den italienischen Behörden über dieses Thema gesprochen, sagt Reichlin. Ob die Schweiz Druck mache in Italien, kommentierte er nicht.

Vorbereitung auf massiven Anstieg

Die Asylzahlen steigen zwar, insgesamt kommen aber immer noch weniger Menschen in die Schweiz als noch vor zwei Jahren. Dennoch reagiert das BfM jetzt schon und diskutiert mit den Kantonen, ob bereits geplante Unterkünfte des Bundes früher in Betrieb gehen könnten.
(aebn;heis)

Asylgesuche Vergleich der Anzahl von Januar bis Juni 2014

Asylgesuche nach Nationen Vergleich der Monate April und Mai

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Warum Eritreer in die Schweiz wollen

    Aus 10vor10 vom 1.7.2014

    Waren die Asylgesuche in der Schweiz in den letzten zwei Jahren stetig rückläufig, zeichnet sich seit letztem Monat eine Trendwende ab. In der Schweiz ersuchen wieder mehr Menschen um Asyl. Dabei sind die Eritreer die grösste Gruppe von Asylsuchenden in der Schweiz. «10vor10» will wissen, warum so viele Eritreer gerade in die Schweiz kommen.

  • Die Militärunterkunft auf dem Gubel in Menzingen im Kanton Zug. Sie soll ab Frühling 2015 als Bundesasylzentrum dienen.

    Bund stellt 5000 Plätze für Asylbewerber bereit

    Aus Echo der Zeit vom 28.3.2014

    Die Neustrukturierung des Asylbereichs in der Schweiz ist einen Schritt weiter. Bund und Kantone haben sich auf die Eckwerte für die Gesamtplanung vereinbart. Künftig wird der Bund Asylzentren in sechs Regionen betreiben. 5000 Unterkunftsplätze entstehen.

    Ziel der Neustrukturierung ist die Beschleunigung der Asylverfahren.

    Dominik Meier