Bund regelt Abschuss von Rudelwölfen

Das neue Wolfskonzept des Bundes regelt erstmals den Abschuss von Rudelwölfen, wie Recherchen der «Tagesschau» zeigen. Der Bauernverband zeigt sich in einer ersten Reaktion enttäuscht und übergangen.

Video «Neues Wolfskonzept regelt Abschuss» abspielen

Neues Wolfskonzept regelt Abschuss

2:02 min, aus Tagesschau vom 8.2.2014

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) geht in dem zehnseitigen Konzeptentwurf von einer «flächigen Ausbreitung und regelmässigen Reproduktion» der Wölfe in der Schweiz aus und rechnet mit einem Populationszuwachs von 20 bis 30 Prozent jährlich. Heute leben in der Schweiz rund 20 Wölfe. Der Wolf komme zukünftig wohl nicht mehr nur aus Italien und Frankreich in die Schweiz, sondern auch vom Balkan, aus Deutschland und aus Polen.

Gemäss Konzept soll der Wolf auch im Rudel trotz der erwartet grossen Ausbreitung streng geschützt bleiben, so wie es das internationale Vertragswerk der «Berner Konvention» vorsieht. Ausnahme: Das Rudel reisst trotz allen zumutbaren Herdenschutzmassnahmen Nutztiere.

Bauernverband will wolfsfreie Zonen

Ein regulativer Eingriff soll dann möglich sein, wenn das Rudel mehr als 15 Nutztiere innert vier Monaten reisst. Ein Abschuss darf aber nur erfolgen, wenn sich das Rudel in dem Jahr erfolgreich fortpflanzt, und wenn die maximale Anzahl der zum Abschuss freigegebenen Wölfe der Hälfte der geborenen Jungtiere desselben Jahres entspricht.

Der Schweizerische Bauernverband forderte in der bundesinternen Anhörung wolfsfreie Zonen. «Wir sind in mehreren Punkten enttäuscht vom Konzept. Wir wollen, dass der strenge Schutz des Wolfes gelockert wird und das es wolffreie Zonen in der Schweiz gibt», so Ritter in der «Tagesschau».

Ritter wirft dem Bafu vor, den parlamentarischen Willen zu missachten. 2010 beschloss das Parlament mit der Annahme der Motion Fournier Vorbehalte gegenüber der internationalen Berner Konvention, um so den strengen internationalen Wolfsschutz zu lockern. Sollte dies nicht möglich sein, solle die Schweiz aus der Berner Konvention austreten, fordert die Motion.

Als Gegenvorschlag präsentiert das Bundesamt für Umwelt nun das neue Wolfskonzept. Der strenge Schutz gilt zwar weiterhin, aber Rudelregulierung und Abschüsse sind in den neu definierten Ausnahmefällen möglich.

Der Wolfsexperte von WWF Schweiz, Gabor von Bethlenfalvy, nannte das neue Wolfskonzept im Fernsehbeitrag als das kleinere von zwei Übeln. Ein Austritt der Schweiz aus der Berner Konvention hätte gravierende Folgen für mehrere geschützte Arten in der Schweiz.

Am Dienstag berät erstmals die Urek Ständerat in Anwesenheit von Vertretern des Bafu über das brisante Papier. Das neue Regelwerk für die Regulierung von Wolfsrudeln in der Schweiz soll im Herbst in Kraft treten.