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Schweiz Bund verbietet Streptomycin – und erntet Kritik von den Bauern

Gegen Feuerbrand bei Obstbäumen gibt es ein wirkungsvolles, aber umstrittenes Mittel: Streptomycin. Jetzt hat das Bundesamt für Landwirtschaft dessen Einsatz für dieses Jahr untersagt – zum Unmut der Obstbauern.

Eine von Feuerbrand befallene Pflanze.
Legende: Feuerbrand ist eine gefährliche Pflanzenkrankheit. Sie befällt vor allem Kernobst und kann sich seuchenartig ausbreiten. Keystone

Die Schweizer Obstbauern dürfen im Kampf gegen den Feuerbrand kein Streptomycin mehr einsetzen. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat die Verwendung für dieses Jahr untersagt. In den vergangenen acht Jahren hatte das BLW Streptomycin jeweils befristet und mit Auflagen zugelassen. Allerdings sei die Anwendung keine ideale Lösung, da wie bei allen Antibiotika die Gefahr von Resistenzbildung bestehe.

Jürg Jordi, Mediensprecher des BLW, begründet den Schritt gegenüber SRF News: «In der Forschung und der Zulassung von alternativen Mitteln ist man jetzt soweit, dass in diesem Jahr auf den Einsatz von Streptomycin verzichtet werden kann.»

Für das Bundesamt sei es letztlich eine Frage der Abwägung: «Was ist schlimmer: Müssen wir ein solches Antibiotikum auf die Bäume sprühen oder müssen wir gewisse Einschränkungen beim Obstbau hinnehmen?» Schliesslich sei ein Verzicht auch im Sinne einer nachhaltigen Produktion im Obstbau.

«Doppelter Gewinn» für die Konsumenten

Auch wenn sich dieses Jahr lokal der Feuerbrand ausbreiten sollte – um die Obstproduktion brauche man sich keine Sorgen zu machen, sagt Jordi: «Und das im doppelten Sinne: Denn Sie können nun auch sicher sein, dass keine Rückstände von Streptomycin mehr auf den Äpfeln sind.»

Das BLW setzt nun auf andere Massnahmen. In der Saison 2016 habe man fünf andere Pflanzenschutzmittel als Alternativen regulär zugelassen; die seien zwar insgesamt etwas weniger wirksam als Streptomycin, könnten aber dafür mehrmals angewendet werden. «Und die Forschung hat alternative Sorten gefunden, die resistenter und widerstandsfähiger gegen Feuerbrand sind», so Jordi.

Zudem gebe es «sehr gut ausgearbeitete Präventivmassnahmen», die funktionierten – sofern sie richtig angewendet würden. Hier stünden auch die Produzenten in der Pflicht: «Wir hatten den Eindruck, dass die Situation nicht mehr ganz so ernst genommen wird wie noch vor ein paar Jahren.»

Befürchtungen bei den Obstbauern

Mit dem Verbot ist man beim Schweizer Obstverband unzufrieden. Der Entscheid sei rein fachlich nicht nachzuvollziehen, sagt Georg Bregy vom Schweizer Obstverband: «Man hätte Streptomycin weiterhin als letztes Mittel zulassen sollen und den Einsatz wie bisher nur unter Einhaltung von strengen Auflagen bewilligen können.»

Die Obstbauern seien verantwortungsvoll mit dem Einsatz des Pflanzenschutzmittels umgegangen. Deshalb bedauert Bregy den Entscheid und befürchtet je nach Witterung und Infektionsbedingungen während der Blüte grosse Schäden an den Kulturen.

Alternativen, die keine sind?

Die Alternativen alleine seien zurzeit noch kein Ersatz, so Bregy: «Die neuen Sorten sind noch im Versuchsstadium und im Anbau noch kaum verbreitet», sagt er. «Und mit den alternativen Pflanzenschutzmitteln haben wir noch zu wenig Erfahrung.»

Mit dem mittelfristigen Ausstieg aus Streptomycin sei man an sich schon auf dem richtigen Weg. «Nur ist der Zeitpunkt jetzt noch zu früh», betont er. Den Entscheid des BLW müsse man akzeptieren, man werde jedoch das Gespräch nochmals suchen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (Future)
    Erschreckende, beschämende Bilanz für BLW, CH-Bauernverband und öko-logisch NICHT nachhaltig wirtschaftender Bauernstand: 2015 wiederum an 1. Stellen im Chemieverbrauch = gesundheitsschädigend für Natur, Tier und Mensch, als letztem Glied in der Nahrungskette!! Steuergeldverschwendung (Subventionen) an diese "Gesellschaft"!!? Und niemand kümmerts von den zuständigen Verantwortlichen und sehr gut bezahlten: BundesräteInnen, PolitikerInnen, etc mit lukrativen VR-Mandaten in der Pharma-Lobby ...?
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Auf der der anderen Seite des Bodensees und des Rheins darf soviel gegiftet werden wie's braucht, nur in der "heilen Schweiz" lässt man die Obstproduzenten im Regen stehen.-Der Amtsschimmel ist wieder mal in Hochstimmung!
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    1. Antwort von Simon Wälchli (ccr)
      Leider haben Sie recht. In EU Ländern wird mit Antibiotika teilweise sehr fahrlässig umgegangen. Ich bin aber froh, dass das in der Schweiz nicht so ist. Es geht ja nicht nur um uns Menschen, sondern auch um all die Insekten, die vom Streptomycin hinweggerafft werden. Fragen Sie mal einen Imker, was er von diesem Gift hält. Wie so oft gibt es zwei Seiten...
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    2. Antwort von Cornelius Jaschko (politically correct player)
      Um die die Produktion zu erhöhen wollen Sie lieber Gift in ihren Körper einnehmen welches Sie später durch Medikamente in Form von Krebs bekämpfen werden , jetzt denken Sie mal und danken Sie der Schweizer Regierung dass sie ihre Bürger schützt ...
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    3. Antwort von H Gemperle (HGA)
      @Heim. Lieber dem Menschen und Tieren schaden, nur der Geldgierigkeit willen. Könnt ja dann in einigen Jahren die Blüten mit dem Pinsel bestäuben. Vielleicht gibt es dann auch Bundesbern Subventionen für Pinselbestäubungsmaschinen oder die Bauern bestäuben dann auch noch Chemisch. Ist doch sehr erstaunlich, dass es Menschen gibt, die der Kohle Willen auf Mensch und Tier keine, aber auch gar keine Rücksicht nehmen wollen.
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