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Schweiz Bundesbern regelmässig im Visier von Hackern

Spezialisten des Bundes kümmern sich um die Sicherheit der Handys und Computer von Bundesräten. Die Bundesverwaltung ist immer wieder Ziel von Angriffen, die Abwehr nicht gezielt auf spezifische Bedrohungen ausgerichtet.

Legende: Video Sicherheit für Bundesratshandys abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.10.2013.

Die Bundesverwaltung und die Departemente seien regelmässig Ziel von Angriffen verschiedener Seiten auf ihre Computersysteme. Das für die Informatik und Telekommunikation zuständige Bundesamt habe keinen Anlass, sich speziell auf einen potentiellen Angreifer zu konzentrieren. Das sagt eine Mediensprecherin zur Frage, ob es wie im Fall von Merkels Handy Hinweise auf gezielte Angriffe des US-Geheimdienstes NSA gäbe.

Auch US-Firmen involviert

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) überwacht den Datenverkehr des Bundes und schützt dessen Systeme. Wie das geschieht bleibt geheim. Das sei Teil der Sicherheitsmassnahmen, heisst es. IT-Infrastrukturen beziehungsweise Handys sind jedoch immer nur so sicher wie sie auch bis ins Detail unter eigener Kontrolle stehen. Da mag es erstaunen, dass das für die Sicherheit zuständige Bundesamt auch auf Dienstleistungen von amerikanischen Firmen zurückgreift.

Bei seinen Beschaffungen müsse sich der Bund eben an das entsprechende Gesetz halten, sagt die BIT-Sprecherin dazu. Das ermögliche auch US-Anbietern, einen Auftrag zu erhalten. Und sie bestätigt: «Für das BIT sind auch US-Firmen als Dienstleister tätig.»

Zur Frage, ob dies ein Sicherheitsrisiko darstelle, sagt sie: «Die Frage stellt sich in der Realität nicht, da die Anbieter der IT-Komponenten international sind.» Für kritische Daten nutze der Bund jedoch keine Cloudlösungen von US-Anbietern.

Nicht nur technische Schutzmassnahmen

Der Schutz vor Hackerattacken und Lauschangriffen sei aber nicht nur von technischen Massnahmen abhängig, hält das BIT weiter fest. Auch Verhaltensregeln trügen dazu bei.

So ist etwa der Laptop mit den Protokollen der Bundesratssitzungen nie mit dem Internet verbunden, wie Bundesratssprecher André Simonazzi der «Tagesschau» von SRF sagte. Das Gerät wird ausserhalb der Sitzungen in einem Tresor aufbewahrt.

Schwächstes Glied entscheidend

Damit die Bundesräte nicht so einfach abgehört werden können, telefonieren sie mit einer speziellen App namens «Janus». Diese ist aber nicht geeignet für wirklich geheime Gespräche oder Kurzmitteilungen, denn gegen Abhörangriffe von Geheimdiensten macht sie Smartphones nicht sicher.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass weder die Handys selbst noch deren Betriebssysteme in der Schweiz und damit gleichsam unter Kontrolle hergestellt wurden. Damit könnten ausländische Geheimdienste schon bei der Produktion Zugriffsmöglichkeiten einbauen. Ob die Bundesräte ausser mit ihren gesicherten Smartphones auch mit abhörsicheren Handys (Krypto-Handys) telefonieren, wollen weder der Bundesratssprecher noch das BIT sagen.

Absolut abhörsicher ist möglich

Wie Ueli Maurer, ETH-Dozent für Informatik und Kryptologie, der «Tagesschau» erklärte, lassen sich zwar absolut abhörsichere Handys bauen. Doch dann müsse ein System von Grund auf eine Eigenentwicklung sein und dürfe nicht auf Komponenten oder einem Betriebssystem aus dem Ausland beruhen.

Datenschützer kontaktiert EU

Datenschützer Hanspeter Thür ist machtlos gegen die Spionage-Aktivitäten der NSA im Internet. Diese hat Whistleblower Eduard Snowden enthüllt, die US-Regierung bestreitet sie weitgehend. Um gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen, ist das Beratungsgremium für Datenschutz der EU-Kommission aktiv geworden. Thür steht in regelmässigem Kontakt mit diesem.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Machiavelli schrieb mal - wie wir sehen richtigerweise: «Es gibt Freunde, da braucht man daneben keine Feinde mehr.» Es ging um Staaten ... Wie Recht er hatte.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Allein der Hinweis, dass die Software von den Amis ist, sorgt für Erheiterung. Klar, logisch, womit den sonst - da sind wir alle in bester Gesellschaft. Was nun notwendig erscheint, ist eine geschlossene europäische Haltung. Schickt die US Botschafter mal nach Hause! Tarif durchgeben. Nun, das wird nicht passieren. Warum? Weil die aufgescheuchten Heuchler dies mit ihren Geheimdiensten auch machen. Wieder mal keine Taten, nur Worte, abhaken und Schluss mit dieser elenden gespielten Heuchelei!
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Das Schweizer Offiziersmesser in Form eines Betriebssystems. Schlicht und einfach, robust, kostengünstig und doch zu 99% das optimale Werkzeug, das gerade in der Nähe ist. Und erst noch ein grosser Werbeträger. Das wäre eine vernünftige Vision für unsere Wirtschaft!
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    1. Antwort von Mike Jader, Effretikon
      Äh, so einfach ist das nicht, ein Betriebssystem herzustellen. Besonders die Worte "schlicht" und "einfach" passen da nicht wirklich rein. Und schon gar nicht für die Wirtschaft (Microsoft und Apple als Konkurrenz, und daneben noch unzählige freie und gratis Linux)
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    2. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Sind Sie es sich nicht Leid, sich schon im Voraus das Verlieren einzureden? Ich jedenfalls bin voll auf Kurs und ihre Meinung finde ich höchstens amüsant :D
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    3. Antwort von Mike Jader, Effretikon
      Ich finde nur eine Neuentwicklung wird vermutlich schwierig, und eine Beteiligung an bereits existierenden Projekten wäre sinnvoller (Linux)
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    4. Antwort von A. Huber, Basel
      Das absolut abhörsichere Handy für Herrn und Frau Schweizer ist auch bloss eine grosse Illusion, da dessen Entwickler auch nur Menschen sind. Spätestens beim Erreichen der Massentauglichkeit ist es aus mit "absolut abhörsicher". Auch Schweizer überwachen Schweizer! Finden Sie sich mit der Gleichung "Moderne Informationstechnologie = Überwachungstechnologie" ab... Mehr Erfolg versprechen da ein eigenes Morse-Alphabet oder Rauchzeichen à-la selbstgemacht... Oder ein persönliches Gespräch...
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    5. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Ja ja, schon klar, wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten und so weiter. Ihre Gleichung ist zu simpel. Letztlich will man ja nicht nur etwas wissen, sondern man will auch mit diesem Wissen Macht ausüben, zum Beispiel definieren, wer mit wem telefonieren darf und bei wem eben immer das Besetzt-Zeichen kommt... Das alles ist nicht nur Überwachung - das alles ist gegen die Grundprinzipien der freien, aufgeklärten Welt! Das ist ein Katapult zurück ins Mittelalter!
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