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Schweiz Bundesrat gegen automatische Organspende

Der Bundesrat spricht sich gegen die automatische Organspende aus. Stattdessen soll ein Aktionsplan Menschen zum Spenden animieren. Wegen fehlender Organe sterben in der Schweiz 100 Personen pro Jahr.

Weil jährlich Hunderte von Organen fehlen, lanciert der Bundesrat einen Aktionsplan. Ziel: 160 statt wie heute 100 Spender pro Jahr. Mit diesem Vorgehen orientiere man sich an Spanien, Österreich und Australien. Diese Länder hätten die Zahl der Organspenden erhöhen können.

Absage an Widerspruchslösung

Mit seinen Vorschlägen erteilt der Bundesrat der automatischen Organspende eine Abfuhr. Damit werden auch künftig in der Schweiz nach dem Tod nicht automatisch Organe entnommen, sofern der Patient dies nicht anders gewünscht hat. Unter anderem kennen Frankreich und Italien eine solche sogenannte Widerspruchslösung. Dort ist die Spenderquote doppelt so hoch wie in der Schweiz.

Gesundheitsminister Alain Berset sagte dazu gegenüber SRF, man müsse realistisch sein. Mit dem Aktionsplan wolle man die Zahl der Spender um 50 Prozent steigern, das sei schon ziemlich viel. Ausserdem sei das Thema heikel: «Wir müssen mit viel Fingerspitzengefühl arbeiten», so der Gesundheitsminister weiter.

Für den Aktionsplan will der Bundesrat mit den Kantonen und den Akteuren im Gesundheitswesen die Schwerpunkte definieren. Die Umsetzung soll bis 2017 erfolgen. Man habe gesehen, dass vor allem Länder, die Aktionspläne umgesetzt hätten, mehr Organspender hätten, sagte Berset weiter. Eine Einführung der Widerspruchslösung löse nicht alle Probleme.

Verbände sind nicht zufrieden

Dass die Widerspruchslösung nicht in der Botschaft des Bundesrats enthalten ist, hat bei Trix Heberlein, Stiftungsratspräsidentin von Swisstransplant, für Enttäuschung gesorgt. Ausserdem hätte sie sich gewünscht, dass man verstärkt auf eine Förderung der Organspende setzt – anstatt lediglich neutral zu informieren, wie sie gegenüber SRF sagte.

Auch Margrit Kessler von der Stiftung Patientenschutz ist nicht vollends zufrieden. Ihr ist die Möglichkeit von operativen Eingriffen bei lebenden Patienten zur Vorbereitung von Organspenden ein Dorn im Auge, wie sie zu SRF sagte.

Teilrevision des Transplantationsgesetzes

Unabhängig vom Aktionsplan legte der Bundesrat die Botschaft zur Teilrevision des Transplantationsgesetzes vor. Künftig sollen Grenzgänger bei der Zuteilung von Organen nicht mehr benachteiligt werden. Zudem sollen die engsten Angehörigen wegen einer Organentnahme angefragt werden dürfen, sobald entschieden ist, dass die lebenserhaltenden Massnahmen abgebrochen werden.

Derzeit warten in der Schweiz rund 1100 Personen auf ein Spenderorgan – Tendenz steigend. Jährlich sterben bis zu 100 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhalten. Laut der Organisation Swisstransplant ist die Warteliste seit 2005 um 71 Prozent gewachsen.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Kontinentaleuropa
    Will hier etwa die Mafia ihren illegalen Organhandel mit verwerflicher Organbeschaffung legitimieren? Ich bezweifle dass jedes Spenderorgan mit jedem Empfänger kompatibel ist. Durch eine automatische Organspende muss man als potentieller Empfänger nur dem potentiellen Spender ein wenig "nachhelfen". Und wie, mit welchem Anreiz haben Spanien, Österreich und Australien die Anzahl der "freiwilligen" Organspender erhöht? Etwa durch Geldzahlungen?
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  • Kommentar von Frank Müller, Zürich
    Genauso wie man niemanden zwingen würde, verbietet man heute niemandem, zu spenden. Man kann sich genauso noch wie heute entscheiden, einfach wenn man sich nicht entscheidet, wird davon ausgegangen, dass man damit einverstanden ist. Das ist eine genau gleichwertige Ausgangslage wie davon auszugehen, dass man damit nicht einverstanden ist - mit dem Unterschied dass halt mehr Menschen gerettet werden.
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    1. Antwort von Michel Koller, Emmenbrücke
      Es ist nicht gleichwertig. Hat man sich nicht informiert oder will sich damit nicht befassen ist dies etwas anderes, als wenn man sich bewusst dafür oder dagegen entscheidet. Die Widerspruchslösung zwingt Menschen sich damit zu befassen und eine Entscheidung zu treffen. Das ist keinesfalls gleichwertig zur bisherigen Lösung.
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    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Obdachlose,Strassenkinder,Papierlose,nicht Sprachgewandte,geistig Benachteiligte,Kriminelle,freiwillige Minderbemittelte usw,sie alle werden in andern Ländern zu regelrechter Ausschlachtung benutzt.Alles Menschen auf dem Abstellgleis,die es auch bei uns zuhauf gibt.Skrupellose Abzockmentalität in gewissen Kreisen "hochentwickelter" Industriestaaten haben wir nun kennengelernt.Wer mag denn daran glauben, dass unsre abgehobenen Götter in Weiss nicht auch geschickt dazu fähig sein können?
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    3. Antwort von Frank Müller, Zürich
      Die Widerspruchslösung zwingt niemanden sich damit zu beschäftigen und eine Entscheidung zu treffen, genauso wie jetzt niemand dazu gezwungen wird, sich damit zu beschäftigen. Wenn man persönlich sich nicht entscheidet, wird einfach von einer anderen Grundhaltung ausgegangen.
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    4. Antwort von Michel Koller, Emmenbrücke
      Ach so. Einfach eine andere Grundhaltung... Von den Organentnahmen haben gerade mal 2% der Spender vor dem Tod zugestimmt. Meistens stimmten Angehörige zu aber man kann die Grundhaltung von 2% nicht einfach zum Standard machen. Dazu bräuchte es zuerst einen gesellschaftlichen Konsens. Vorher wäre es eine Sauerei den Menschen einfach eine Grundhaltung einer Minderheit aufzuzwingen. Soweit kommts noch!
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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Ohne voherige Einwilligung (Freiwillig) darf es unter gar keinen Umstaenden erhaubt werden, dass Organe Automatisch genommen werden duerfen. Das ist das gleiche wie die Problematik in Deutschland. Die Adress Daten der Einwohner darf das Buergeramt verkaufen und jedem Weitergeben, ausser, man erhept Einspruch, allerdings ist dieser sehr beschraenkt. Wo bitte ist hier das Menschenrecht? Oder geht es wieder mal nur ums Geld? (Krankenkassen, Spitaeler, etc.). Unglaublich was uns wieder droht...
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