Bundesrat gibt Gas beim Klimaschutz

Der Bundesrat will bei der Reduktion von Treibhausgasen mit gutem Beispiel vorangehen. Bis 2030 sollen die Emissionen um 50 Prozent reduziert werden. Das ist deutlich mehr als bislang.

Rauchende Schornsteine.

Bildlegende: Der Bundesrat steckt beim Klimaschutz ambitionierte Ziele. Keystone

Soll die weltweite Erwärmung der Temperatur bis im Jahr 2100 unter zwei Grad gedrückt werden, dann sind rasch zusätzliche Massnahmen nötig. Das hat der Weltklimarat in seinem letzten Bericht festgehalten.

Ehrgeiziger als die EU

Die Schweiz will mit gutem Beispiel vorangehen und steckt sich bewusst ein hohes Ziel beim Klimaschutz. Der Bundesrat habe heute Morgen das Mandat der Schweizer Delegation für die UNO-Klimakonferenz Anfang Dezember in Lima verabschiedet, teilt die Landesregierung in einem Communiqué mit. Die Schweiz werde sich für ein neues globales Klimaabkommen einsetzen, das im Frühling des nächsten Jahres in Paris verabschiedet werden soll. Dann werde der Bundesrat auch sein neues Reduktionsziel für die Treibhausgase bekannt geben.


Ehrgeizige Klimaziele

3:17 min, aus Echo der Zeit vom 19.11.2014

Was der Bundesrat in seiner Mitteilung verschweigt: Er hat das neue Ziel bereits heute Morgen beschlossen. Wie Radio SRF aus zwei zuverlässigen Quellen erfahren hat, soll die Schweiz den Ausstoss von Treibhausgasen bis im Jahr 2030 um ganze 50 Prozent reduzieren – dies im Vergleich zum Jahr 1990. Die EU ist da viel bescheidener: Sie strebt bis 2030 eine Reduktion um 40 Prozent an.

20 Prozent der Reduktion wird ausgelagert

Der Bundesrat möchte somit deutlich weiter gehen als bisher. Zurzeit gilt in der Schweiz ein Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgasen bis im Jahr 2020. Nun soll es also nur gerade zehn Jahre später mehr als das Doppelte sein. Das ist ein Ziel, das mit Massnahmen im Inland allein nicht erreicht werden kann, ist sich der Bundesrat bewusst. Nur 30 Prozent der Reduktion soll deshalb in der Schweiz selbst erzielt werden, 20 Prozent hingegen im Ausland.

Die Schweiz würde zu diesem Zweck sogenannte Emissionszertifikate zukaufen, mit denen Massnahmen im Ausland finanziert werden. Umweltverbände kritisieren das heftig. Nur 30 Prozent Reduktion im Inland sei absolut ungenügend, sagt Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF Schweiz.

60 Prozent Reduktion im Inland fordere die Klimaallianz mit zahlreichen Verbänden und Organisationen, sagt Hofstetter. Halbwegs zufrieden ist dafür die Wirtschaft.

Kurt Lanz vom Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse ist erleichtert, dass der Bundesrat das Inlandziel nicht noch höher angesetzt habe. Lanz gibt zu bedenken, dass die Schweiz im internationalen Vergleich bereits sehr viel in den Klimaschutz investiert habe – und damit bisher gerade mal 8 Prozent Reduktion bei den Treibhausgasen erzielt. Eine Reduktion von 30 Prozent bis in 15 Jahren ist für den Vertreter von Economiesuisse deshalb nur sehr schwer zu erreichen.