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Schweiz Bundesrat: «Konjunkturprogramm kommt vorerst nicht in Frage»

Vor einer Woche hat die Nationalbank einen überraschenden Entscheid gefällt: Sie verteidigt die Euro-Untergrenze nicht mehr. Der folgenschwere Schritt war auch Thema an der Bundesratssitzung. Johann Schneider-Ammann hat Stellung genommen – und dem Ruf nach einem Hilfsprogramm eine Absage erteilt.

Legende: Video Johann Schneider-Ammann spricht SNB das Vertrauen aus abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.01.2015.

Der Bundesrat legt die Stossrichtung für die neue Wachstumspolitik fest – so lautete das Thema der heutigen Medienkonferenz von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Aufgrund der aktuellen Situation liess er es sich aber nicht nehmen, zum Entscheid der Nationalbank von letzter Woche, den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken aufzugeben, Stellung zu nehmen.

Dabei bekräftigte der Wirtschaftsminister das Vertrauen der Landesregierung in die Spitze der Nationalbank sowie den Respekt vor dem unabhängigen Gremium. Der Bundesrat habe sich am Mittwochmorgen von SNB-Präsident Thomas Jordan über die Gründe des Entscheids informieren lassen, sagte Schneider-Ammann. Gestützt darauf habe man eine erste Lagebeurteilung gemacht.

Fortwährende Analyse der Situation

«Die Abkehr von der Euro-Untergrenze hat zu einer massiven Aufwertung des Frankens und zu einer grossen Währungsunsicherheit geführt», hielt der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung fest. «Wie lange diese anhalten, kann zurzeit niemand sagen.» Der Bundesrat behalte die Lage im Auge.

Schneider-Ammann warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Der Bundesrat habe das Wirtschaftsdepartement beauftragt, zusammen mit dem Finanzdepartement vertiefte Analysen vorzunehmen, regelmässig Bericht zu erstatten und Vorschläge für das weitere Vorgehen zu unterbreiten.

«Die inländischen Produktionskosten sind nun deutlich gestiegen», fuhr der Bundesrat fort. «Die Planungssicherheit hat abgenommen.» Falls dies so bleibe, werde sich die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz verschlechtern – speziell im Tourismus, aber auch im Detailhandel. Schneider-Ammann verwies dabei auf den Einkaufstourismus.

Der Bundesrat ist allerdings der Auffassung, dass ein Konjunkturprogramm zurzeit nicht in Frage kommt. «Erst bei einer Rezession – und das ist überhaupt nicht der Fall.»

Ziel: Arbeitsproduktivität steigern

Der Bundesrat verabschiedete auch einen Bericht zur Wachstumspolitik. Dieser war allerdings vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses erstellt worden. Mit der jetzigen Situation habe der Bericht nichts zu tun, betonte Schneider-Ammann.

Legende: Video Die drei Pfeiler der Wachstumspolitik abspielen. Laufzeit 0:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.01.2015.

Der Bundesrat hält darin fest, dass er weiterhin das Wirtschaftswachstum fördern und die Arbeitsplätze und den Wohlstand sichern wolle. Es bleibe das Ziel des Bundesrates, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, so der Wirtschaftsminister weiter.

Daneben hat er zwei weitere Pfeiler festgelegt. Der Bundesrat will die Widerstandskraft der Volkswirtschaft stärken und problematische Nebenwirkungen des Wirtschaftswachstums mildern. Konkrete Massnahmen sollen die betroffenen Departemente bis Ende des Jahres vorlegen. Prüfen lassen will der Bundesrat etwa eine Korrektur der Anreize, die zur Verschuldung von privaten Haushalten führen.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Nun gilt es ,die Gelder die für die Eurostützungskäufe frei werden, so rasch wie möglich in die " Know How - Firmen" der CH zu lenken und nicht pleite gehen lassen ! Herr BR Schneider - Ammann und Team , dringendes Handeln ist angesagt und nicht leere Versprechungen .
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  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Eine Inflation kann sich um Jahre verzögern wenn sie aber zuschlägt meinen gewissen Politiker noch es herrsche eine Gledknappheit und glauben steigende Preise seien ein Zeichen des Aufschwungs dann werden sich die Dinge aber fast innerhalb von Stunden verändern. Nur die Chaoten wünschen sich so was. Dem Dollar könnte das bevorstehen.
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  • Kommentar von Tobias Müller, Bellach
    Man darf nicht vergessen, der liebe Budesrat Schneider-Ammann kommt vo der Industrie und macht einen solch fragliche Aussage. Sie vergessen die Industrie (Ihre Wurzeln) und erst zu reagieren, wenn viele Geschäfte bereits Konkurs sind finde ich mehr als fraglich. Ist zu hoffen, dass solch unfähige Leute nicht zu Wiederwahl aufgestellt werden!
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Würden jetzt Firmen vom Bund subventioniert, zahlen das alle Steuerzahler! Doch es kann ja nicht sein, dass Firmen, welche die Chance der letzten 3 Jahre mit der Anbindung an den Euro nicht gut genutzt, sie sich nicht abgesichert haben, wir alle sie jetzt unterstützen müssen. Da hat BR Schneider-Ammann richtig entschieden.
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