Zum Inhalt springen

Schweiz Bundesrat lässt Kapitalgewinnsteuer fallen

Der Bundesrat verzichtet auf eine Kapitalgewinnsteuer auf Wertschriften. Eine solche wollte er mit der Unternehmenssteuerreform III einführen, um einen Teil der Einnahmeausfälle auszugleichen. Nach Kritik in der Vernehmlassung krebst der Bundesrat zurück.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bundesart verzichtet auf Kapitalgewinnsteuer
  • Auch die Gewinnsteuer auf hohem Eigenkapital lässt der Bundesrat fallen
  • Kantone sollen Gewinnsteuern generell senken können
  • Weiter will der Bundesrat Lizenzboxen, die eine tiefere Besteuerung von Erträgen aus geistigem Eigentum wie Patenten erlauben
  • Die Kosten der Reform sollen von Bund und Kantonen je zur Hälfte getragen werden
  • Die Reform kostet den Bund 1,1 Milliarden Franken, ohne Berücksichtigung der Abwanderung von Firmen

Lizenzboxen und tiefere Gewinnsteuern sollen kantonale Steuerprivilegien für Holdings und Sitzgesellschaften ablösen. Diese Eckwerte der Unternehmenssteuerreform III verfolgt der Bundesrat weiter. Doch andere Vorschläge lässt er wegen der Kritik in der Vernehmlassung fallen.

Verzichten will der Bundesrat insbesondere auf die Kapitalgewinnsteuer auf Wertschriften. Eine solche hätte dem Bund geschätzte 300 Millionen Franken Mehreinnahmen gebracht, den Kantonen 800 Millionen Franken.

Der Bundesrat werde den Vorschlag aber nicht weiter verfolgen, sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. Grund dafür ist die breite Ablehnung in der Vernehmlassung. Gegen die Kapitalgewinnsteuer haben sich die Kantone, die Wirtschaft sowie SVP, FDP und CVP ausgesprochen. Eine politische Mehrheit für den Vorschlag war damit ausser Reichweite.

Die Unternehmenssteuerreform kostet uns etwas. Aber es stellt sich auch die Frage, was es uns kostet, wenn wir nichts machen.
Autor: Eveline Widmer-SchlumpfBundesrätin

Weiter verzichtet der Bundesrat auf die zinsbereinigte Gewinnsteuer auf überdurchschnittlich hohem Eigenkapital. Die meisten Kantone haben sich dagegen ausgesprochen. Auch die vorgeschlagenen Änderungen beim Beteiligungsabzug und bei der Verlustverrechnung lässt der Bundesrat fallen.

Andere Elemente hingegen werden weiter verfolgt. Dazu gehört die Möglichkeit für die Kantone, bei der Kapitalsteuer gezielte Erleichterungen einzuführen. Die Teilbesteuerung von Dividenden soll einheitlich auf 70 Prozent festgelegt werden. An der Abschaffung der Emissionsabgabe auf Eigenkapital und an der vorgeschlagenen Regelung zur Aufdeckung stiller Reserven will der Bundesrat ebenfalls festhalten.

Der Bund ist bereit, 50 Prozent der Ausfälle mitzufinanzieren, den wir wollen eine Opfersymmetrie für die neue Besteuerung der Unternehmen.
Autor: Eveline Widmer-SchlumpfBundesrätin

Er bleibt auch dabei, dass die Kosten der Reform von Bund und Kantonen je zur Hälfte getragen werden. «Der Bund ist bereit, 50 Prozent der Ausfälle mitzufinanzieren, den wir wollen eine Opfersymmetrie für die neue Besteuerung der Unternehmen», sagte Wider-Schlumpf.

Um die Verluste der Kantone teilweise auszugleichen, will der Bundesrat deren Anteil an der direkten Bundessteuer von 17 auf 20,5 Prozent anheben. Die Kantone möchten, dass der Bundesrat 60 Prozent der Kosten übernimmt und fordern mindestens 21,2 Prozent der Bundessteuer. Das habe sie nicht überrascht, sagte Widmer-Schlumpf.

Stossrichtung stimmt

In der Vernehmlassung mehrheitlich unterstützt worden ist die Stossrichtung der Unternehmenssteuerreform III. Diese hat die Abschaffung der international nicht mehr akzeptierten kantonalen Steuerprivilegien für Holdings und andere Spezialgesellschaften zum Ziel. Heute können solche Gesellschaften im Ausland erzielte Gewinne zu tieferen Sätzen versteuern als im Inland erzielte.

Damit die Schweiz als Standort trotzdem attraktiv bleibt, sollen die Kantone die Gewinnsteuern senken können. Wie tief, sei Sache der Kantone, betonte Widmer-Schlumpf. Zudem schlägt der Bundesrat so genannte Lizenzboxen vor. Das würde eine tiefere Besteuerung von Erträgen aus geistigem Eigentum wie Patenten erlauben.

Lizenzboxen anders ausgestaltet

Gegenüber der Vernehmlassungsvorlage werden die Lizenzboxen jedoch enger definiert: Gemäss der OECD dürfen nur jene Erträge privilegiert besteuert werden, die auf Forschung und Entwicklung im Inland entfallen. Ausländische Erträge dürften nur sehr beschränkt entlastet werden.

Um dies zu kompensieren, möchte der Bundesrat den Kantonen erlauben, höhere Abzüge für Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen zu machen. Widmer-Schlumpf zeigte sich überzeugt, dass dies international akzeptiert wird. Auch andere Länder griffen auf diese Möglichkeit zurück, sagte sie.

Schliesslich will der Bundesrat die Einführung einer so genannten Tonnage Tax prüfen. Diese Regelung würde nur wenige Transport-Unternehmen in der Schweiz betreffen. Bei der Tonnage Tax wird der Gewinn anhand des Schiffsraums von Hochseeschiffen ermittelt, und nicht anhand der Fracht, die sie transportieren.

Legende: Video Unternehmenssteuerreform: Widerstand gegen Kapitalgewinnsteuer abspielen. Laufzeit 5:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.04.2015.

Einsparungen nötig

Mit den geplanten Änderungen rechnet der Bundesrat mit jährlichen Mehreinnahmen von 100 Millionen Franken. Diese stammen aus der Vereinheitlichung der Teilbesteuerung von Dividenden. Dem gegenüber stehen Mehrbelastungen von 1,2 Milliarden Franken. Unter dem Strich rechnet der Bundesrat mit Kosten von 1,1 Milliarden Franken.

Diese sollen mit Einsparungen im Bundeshaushalt aufgefangen werden. Der Bundesrat hatte angekündigt, die Ausgaben des Bundes 2016 um mindestens 1,1 Milliarden zu kürzen.

Ich bin überzeugt, dass die Vorlage bei einem Referendum auch an der Urne Bestand haben kann.
Autor: Eveline Widmer-SchlumpfBundesrätin

«Die Unternehmenssteuerreform kostet uns etwas», sagte Widmer-Schlumpf. «Aber es stellt sich auch die Frage, was es uns kostet, wenn wir nichts machen.» Der Schweiz droht wegen der kantonalen Steuerprivilegien eine schwarze Liste.

Eine Botschaft zur Unternehmenssteuerreform III will der Bundesrat im Juni 2015 vorlegen. «Wir sind der Auffassung, dass es grosse Chancen auf Mehrheiten gibt. Ich bin überzeugt, dass die Vorlage bei einem Referendum auch an der Urne Bestand haben kann", zeigte sich Widmer Schlumpf optimistisch.

Unter Zugzwang

Die attraktiven steuerlichen Bedingungen für Holdings haben wesentlich zum Wohlstand der Schweiz beigetragen. OECD und EU machen aber Druck: Steuerprivilegien für Gesellschaften müssen abgeschafft werden. Nun präsentierte der Bundesrat die Reformvorschläge. Wie die Mehrbelastung von 1,1 Mrd. Franken aufgefangen werden soll, ist noch offen.

Verlierer sind die Linken

Während sich die Bürgerlichen mehrheitlich zufrieden zur Vorlage äussern, reagiert die SP mit einer Drohung: Die Partei will das Referendum gegen die Unternehmenssteuerreform III ergreifen, wenn die Unternehmen und Aktionäre nicht vollständig für die Steuerausfälle aufkommen. Die Reaktionen aller Parteien hier.

73 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Einfach pervers, ich als Immobilienkaufmann darf die Grundstückgewinnsteuer bezahlen und die, die nichts tun, die keinen Mehrwert am Bau schaffen, sondern nur spekulieren gehen frei aus! Dazu kommt bei jedem Häuslebesitzer der Eigenmietwert welcher nicht EMRK konform dem gesamten Europa wiederspricht ! Zeit auszuwandern oder für eine gesetzliche Gleichstellung. Frau BR. WS von mir werden Sie abgewählt wegen Unehrlichkeit!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Ich spreche es ohne Heuchelei aus , bis auf wenige Ausnahmen , werden die Gutgläubigen und weniger Schlauen arm bleiben . Die Anderen holen es von den Naiven, den Säufern, den über die Verhältnisse Lebenden und am meisten von den Billiglohn-Empfängern . Gibst du Heute allen Gleichviel , hat Morgen der Schlauere schon das Doppelte , so ist der Lauf dieser Welt und wäre nur durch rigorose Ehrlichkeit zu ändern , wenn das Böse nicht so salonfähig dem Teuflischen dienen würde .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Man will die Wirtschaft fördern, aber lässt es gleich zu dass durch übermässige Gewinne den Kunden das Geld aus der Tasche gezogen wird und diese sich nicht weiteres anschaffen können. Wirtschaftsförderung by Bundesrat. Echte Wirtschaftsförderung sieht meines Erachtens anders aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen