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Schweiz Bundesrat will Kindesschutz stärken

Die Meldepflicht bei Verdacht auf Kindesmissbrauch soll ausgedehnt werden: Alle Personen, die beruflich mit Kindern arbeiten, sollen neu Verdachtsfälle melden müssen. Der Bundesrat will so gewährleisten, dass die Kindesschutzbehörde rechtzeitig die nötigen Massnahmen treffen kann.

Ein kleines Mädchen in versteckt sich in einem Vorhang.
Legende: Bei Verdacht auf Kindesmissbrauch soll die Meldepflicht künftig für mehr Fachleute gelten. Keystone / Symbolbild

Professionelle Hilfe für Kinder bei sexuellem Missbrauch, Gewalt oder Vernachlässigung: Der Bundesrat will den Kindesschutz verbessern und schlägt eine entsprechende Gesetzesänderung vor. Er will den Kreis von Personen vergrössern, die bei einem Verdacht auf Kindesmisshandlung verpflichtet sind, die Behörden einzuschalten.

Bereits heute gibt es eine Meldepflicht für Lehrer und Sozialarbeiter. Diese müssen sich bei der Kindesschutzbehörde (Kesb) melden, wenn sie das Kindeswohl gefährdet sehen. Neu soll diese Meldepflicht auf alle Fachpersonen ausgedehnt werden, die beruflich Kontakt mit Kindern haben. Dazu gehören Fachpersonen aus Sport, Bildung, Betreuung und Religion.

Es gelte zu verhindern, dass Kinder alleine in einer Situation gelassen werden, die ihnen langfristig gravierende Schäden zufügen könnte, schreibt der Bundesrat in einer Medienmitteilung. Er verabschiedete die Botschaft für eine entsprechende Änderung des Zivilgesetzbuches.

Ehrenamtliche ausgeschlossen

Entgegen des Vernehmlassungsentwurfs sollen ausdrücklich nur Fachpersonen eine Meldepflicht haben, die beruflich mit Kindern arbeiten. Ehrenamtliche Sporttrainer oder andere Personen, die nur im Freizeitbereich tätig sind, will der Bundesrat davon ausnehmen.

Damit werde der Kreis der Meldepflichtigen auf Fachpersonen beschränkt, die in der Lage sein sollten, Kindeswohlgefährdungen einzuschätzen. Die Meldepflicht besteht zudem nur dann, wenn die Fachperson dem Kind nicht im Rahmen ihrer eigenen Tätigkeit helfen kann.

Melderecht auch bei Berufsgeheimnis

Personen, die dem Berufsgeheimnis des Strafgesetzbuches unterstehen, können Verdachtsfälle melden. Auf eine Meldepflicht für Ärzte, Psychologen oder auch Anwälte verzichtet der Bundesrat aber, «weil eine Meldung die Vertrauensbeziehung zum betroffenen Kind oder zu Dritten unnötig gefährden und somit kontraproduktiv wirken könnte».

6 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Ich gehe davon aus dass der Bundesrat es gut meint. Ein Problem dabei ist aber, dass es einen Gesetzesentwurf gibt, nachdem niemand auf Grund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf. Und Pädophilie ist gemäss US-Psychologen eine sexuelle Orientierung. Folglich darf dann zukünftig der Bundesrat Pädophilen den Kontakt mit Kindern leider nicht verwehren. Des weiteren braucht es wie beim NDB-Gesetz Mechanismen die ein falschen Missbrauch zu erschweren.
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  • Kommentar von Andrea Müller, Zürich
    Na ich hoffe mal dass es damit keine Probleme gibt. Wenn ich jetzt eine solche Person wäre, dann würde ich aber alles und jeden noch so kleinen Verdacht melden, nur damit ich rechtlich abgesichert bin. Im Notfall rufe ich einfach so mal jede Woche an und nenne alle Namen. Oder ich wechsle den Beruf.
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  • Kommentar von M. Fischer, Buchs
    Wen das so weiter geht kommt irgend wann der Punkt eo man Kinder nicht mal mehr ansehen darf. (darf ich das so überhaupt schreiben?). ..und von Männern ist ohnehin ein Sicherheitsabstand von 50m einzuhalten.
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    1. Antwort von Thom Germann, Luzern
      Gegen eine schärftere Meldepflicht gibt es überhaupt nicht das Geringste zu sagen. Wer es trotzdem tut, macht sich verdächtig (und hätte den Kommentar besser weggelassen).
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    2. Antwort von G.Scherrer, Walchwil
      Bin sehr für Kinderschutz,aber bitte nicht übertreiben.Ein Stiefvater z.B. wird ganz schnell wegen Kindsmissbrauchs oder Belästigung heranwachsender Kinder verdächtigt.In unserem Dorf haben wir aus diesen Gründen keinen Fussballjugendtrainer mehr, weil sie ständig unter Verdacht stehen.Die Kesb und ihre Anwälte wird's freuen.
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    3. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Thom Germann,das Problem ist ansich nicht die Meldepflicht,sondern wie beim NDB-Gesetz der Schutz vor missbräuchlichen falschen Meldungen und deren Folgen.Will man als Schüler einen Lehrer los werden muss man dann nur überall das Gerücht streuen dass er Phädophil sei.Und wer alles hat dann Zugriff auf die Datenbank mit den Vermutungen?Man kann durch ein solches falsches Gerücht einen anständigen Menschen zugrunde richten.Und die Schweiz ist klein.Man kann nicht wie in der USA einfach weg zügeln.
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