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Schweiz Cannabis-Clubs in der Pipeline

Grosse Schweizer Städte machen vorwärts mit Cannabis-Versuchen. In Zürich, Basel, Bern und Genf sollen Pilotprojekte für entsprechende Vereine oder Clubs gestartet werden. Darauf haben sich gestern in Bern städtische Drogenfachleute geeinigt. Straffreier Cannabis-Konsum ist das erklärte Ziel.

Zwei Cannabis-Raucher
Legende: Cannabis-Konsumenten könnten künftig in vier Schweizer Städten straffrei bleiben. Keystone

Über eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer konsumieren mehr oder weniger regelmässig Cannabis; trotz Verbot und drohender Bussen.

Maximal 2'000 Kiffer dürfen ihren Joint aber wohl bald schon ganz legal anzünden. Im Rahmen von wissenschaftlich begleiteten Versuchsanordnungen: «Vier Städte haben sich bereit erklärt, auf ihrem Territorium Pilotprojekte aufzunehmen», sagt der Genfer Soziologieprofessor Sandro Cattacin und nennt die Pilot-Metropolen: «Zürich, Bern, Basel und Genf».

Nachteile des Schwarzmarktes

Also alles rot-grün regierte Städte und Stadtkantone. Das Verbot von weichen Drogen werde hier von vielen als teurer und gefährlicher Leerlauf empfunden, erklärt Cattacin, der den Kanton Genf in der städtischen Arbeitsgruppe vertritt.

In einem Schwarzmarkt könne man weder Steuern erheben, noch die Produkte kontrollieren, fügt er hinzu. «Und dann natürlich das dritte wichtigste Moment: Wir haben heute einfach zu wenig Mittel präventiv einzugreifen und die Produktqualität zu garantieren. Aber auch, um seriös Prävention zu betreiben.»

Verschiedene Projektstrukturen

Geplant sind nun verschiedene Pilotprojekte. So sollen in Zürich und Genf Jugendliche und Erwachsene, die wegen ihres Drogenkonsums schwere Probleme haben, kontrolliert Cannabis konsumieren dürfen. Zudem plant Genf versuchsweise Cannabis als Arznei abzugeben. Auch Basel testet den kontrollierten Cannabis-Konsum, aber nur mit erwachsenen Problemgruppen.

Die grösste Versuchsgruppe in allen vier Städten sind Erwachsene, die Cannabis als Freizeitdroge konsumieren: «Die Idee ist, bei diesen Freizeitkonsumenten ein vernünftiges Verhalten in Bezug auf Drogen helfen zu erlernen», erläutert Cattacin.

Start noch in diesem Jahr?

Die Pilotprojekte sollen vier Jahre dauern. Bis sie starten können, braucht es aber noch einiges: Zuerst arbeiten nun die Drogen-Fachleute der vier Städte die Details der Versuchsanordnungen aus. Dann braucht es die Zustimmung der jeweiligen Regierungen und schliesslich muss auch das Bundesamt für Gesundheit die Projekte noch genehmigen.

Noch dieses Jahr aber, so hofft Cattacin, soll kiffen für ein paar wenige Leute in vorerst vier Städten vorübergehend legal werden.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Mir stellt sich die Frage, was macht man mit dem Rauch der durch Kiffen auch besteht. Wird hier dann auch ein solches Verbot kommen, wo man in Öffentlichen Räumen, Restaurant, Konzerte usw. nicht Rauchen darf. Es ist ja sehr ungesund für nicht Raucher, wenn sie diesen Gestank einatmen müssen. Mist man dies mit gleichen Ellen. Es ist einfach nur so, eine Überlegung wie dies dann gehandhabt werden soll.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Habe auch immer gedacht - muss den jeder Blödsinn den Amerikanern nachgemacht werden -aber wenn ich den Alkoholkonsum bei uns betrachte, ist das Cannabis in der Tat das kleinere Übel und der Staat kann eine hohe Steuer darauf legen und Ruhe ist .
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  • Kommentar von markus kohler (nonickname)
    Leider wurde im Artikel gar nicht erklärt worauf sich die Clubs abstützen. Art. 8 Abs. 5 BetmG ist die Basis. Gemäss dieser Norm dürfen Ausnahmebewilligungen erteilt werden, wenn sie nicht im Widerspruch zu internationalen Abkommen stehen und medizinische Anwendung, Forschung oder Arzneimittelentwicklung bezwecken. Es braucht damit kein Gesetzesrevision, die Clubs haben eine rechtliche Grundlage, im Gegensatz zu den früheren Hanfshops (nur Opportunitätsprinzip).
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