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Schweiz Co-Pilot entführt Passagierflugzeug nach Genf

Ein Entführer hat eine Maschine der Ethiopian Airlines kurz nach sechs Uhr zur Landung in Genf gezwungen. Beim Entführer handelt es sich um den Co-Piloten der Maschine. Er wollte in der Schweiz Asyl beantragen.

Legende: Video «Der Mann muss mit langer Haftstrafe rechnen» abspielen. Laufzeit 1:11 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 17.02.2014.

Ein Äthiopier wollte es wissen: Offenbar wollte der Mann unbedingt Asyl in der Schweiz – und entführte zu diesem Zweck ein Flugzeug samt Passagieren.

Die Maschine der Ethiopian Airline war in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gestartet. Landen sollte das Passagierflugzeug in Rom. Dazu kam es nicht.

Während des Flugs brachte der Co-Pilot das Flugzeug in seine Gewalt. Als der Chefpilot auf die Toilette musste, schloss sich der Co-Pilot kurzerhand im Cockpit ein. Sein neues Ziel war fortan nicht mehr Rom, sondern Genf. Kurz vor Rom bog er deshalb Richtung Genf ab.

Legende: Video «SRF-Korrespondentin zur Flugzeugentführung» abspielen. Laufzeit 2:18 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 17.02.2014.

Erste Anfrage in Genf

Um vier Uhr morgens fragte der Äthiopier zunächst an, ob er die Maschine am Flughafen in Genf auftanken dürfe. Erst später gab er zu erkennen, dass es sich um eine Flugzeugentführung handelt.

Die Sicherheitsverantwortlichen reagierten schnell, schickten zwei italienische Kampfflugzeuge hoch. Die Jets vom Typ Eurofighter eskortierten die Maschine bis zum französischen Luftraum, ab da kamen zwei französische Mirage-Flugzeuge zum Einsatz. Die Schweizer Luftwaffe hat kein 24-Stunden-Dispositiv und hat daher einen Vertrag mit den Nachbarn für solche Fälle.

Kurs nach sechs Uhr landete das Passagierflugzeug in Genf. Die Polizei wartete mit einem Grossaufgebot am Flughafen.

Kein Widerstand geleistet

Der Entführer seilte sich aus dem Fenster des Cockpits auf den Boden ab. Er liess sich von der Polizei ohne Widerstand festnehmen.

Die rund 200 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten das Flugzeug verlassen, alle unverletzt.

Mann in Polizeigewahrsam

Der gab der Polizei an, sich in seinem Land in Gefahr zu befinden. Er wolle daher politisches Asyl in der Schweiz beantragen.

Auf Asyl kann der Mann wohl nicht hoffen: Der 31-Jährige muss mit einer Anklage wegen Entführung und Gefährdung der Luftfahrtsicherheit rechnen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Äthiopier in der Schweiz bis zu 20 Jahre Haft.

«Der Mann hätte es einiges einfacher haben können», sagt SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser. «Als Pilot, der Rom anfliegt, hat er offenbar ein EU-Schengen-Visum. Er hätte sich also einfach in den Zug setzen und in die Schweiz fahren können, und nicht gerade ein Flugzeug entführen müssen.»

Flugverkehr gestört

Die Flugzeugentführung legte den Flugverkehr am Flughafen Genf lahm. Wegen des aussergewöhnlichen Ereignisses durften zunächst keine anderen Flugzeuge starten oder landen. Ungefähr 15 Flüge mussten umgeleitet werden. Zahlreiche Flüge wurden annulliert.

Nachdem sich der Entführer festnehmen liess und die Passagiere in Sicherheit waren, wurde der Flugverkehr nach und nach wieder aufgenommen. Der Flugverkehr hat sich inzwischen normalisiert.

20 Kommentare

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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Wo sind die Armee-Basher? Immerhin mussten franz. und ital. Jäger das Flugzeug begleiten, weil - wegem Geldmangel - die militärische Luftraumüberwachung UND Luftpolizei längst eingestellt war... So traurig wie die Situation an sich ist. Aber just solche Vorfälle zeigen WARUM man mehr Geld in der CH halten sollte... Was ich mich aber frage, wie der Co-Pilot sein Asyl begründen will. Als Pilot wird es ihm in Äthiopien wohl nicht gerade schlecht gegangen sein?
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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Flugzeugentführung ... ist wohl ein Unterschied, ob jemand sich in's Cockpit einschliesst und wo anders landet, als wenn mit Waffengewalt ein Flugzeug entführt wird.
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    1. Antwort von Patrik Schaub, Zunzgen
      Für die Passagiere wird das Eine wie das Andere keinen Unterschied machen.
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    2. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Herr Schaub, in der Regel macht das sehr wohl einen gewaltigen Unterschied, insbesondere, wenn noch obendrein die Passagiere bedroht und ermordet werden.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Der Co-Pilot gefällt mir - echt, der Typ trifft den Nerv in diesem Forum. Spitzenleistung! Das schönste ist jedoch, dass die Italiener die Eskorte bildeten. Das lässt den Schluss zu, dass die dem Piloten einreden konnten, er möge doch nach Bella Svizzera weiterfliegen, obwohl Äthiopien mal italienische Kolonie war. Grandios!
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