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Shutdown drückt den Konsum von Pommes Frites
Aus Tagesschau vom 23.02.2021.
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Corona in der Landwirtschaft «Pommes-Stau» wegen geschlossener Restaurants

Weil die Restaurants geschlossen sind, werden weniger Pommes gegessen. Die Bauern müssen ihren Kartoffelanbau anpassen.

Die Nachfragen nach knusprigen Pommes frites ist derzeit im Keller. Die Lager sind voll von Pommes, die darauf warten, in die Fritteuse zu wandern. Und auch die Kartoffellager sind gut gefüllt. Der Grund: Weil die Restaurants seit dem Ausbruch der Pandemie immer mal wieder geschlossen sind, werden deutlich weniger Pommes, Pommes duchesse oder Kroketten gegessen. Die Hersteller wollen den Bauern im Herbst nun weniger Kartoffeln abkaufen. Das betrifft vor allem die Bauern in den Kantonen Bern und Freiburg – fast die Hälfte der Schweizer Kartoffeln stammen von hier.

Bauer Hans Perler vor einem Feld.
Legende: Hier wollte Bauer Hans Perler auch in diesem Jahr Kartoffeln setzen. Weil die Nachfrage einbrach, muss er umdisponieren. Sonja Mühlemann/SRF

Einer, der Kartoffeln für Pommes frites produziert, ist Hans Perler aus dem freiburgischen Guschelmuth. Dass er dieses Jahr weniger Kartoffeln an den Verarbeitungsbetrieb Frigemo verkaufen kann, treffe ihn «voll hart». «Mein Betrieb ist auf Kartoffeln ausgerichtet», sagt Perler und spricht die hohen Investitionen unter anderem für Maschinen an, die er in Vergangenheit getätigt hat. Er hofft, dass die Restaurants bald wieder uneingeschränkt Gäste bewirten können – und so der Bedarf nach seinen Kartoffeln für Frites wieder steigt.

Dass wir nun weniger Kartoffeln verkaufen können, trifft mich hart.
Autor: Hans PerlerBauer aus dem Kanton Freiburg

Bei der Frigemo AG läuft die Produktion der Pommes frites auf Hochtouren. Die Ernte im letzten Herbst war besonders gut, diese Kartoffeln müssen nun verarbeitet werden. Daniel Jenni, Mitglied der Geschäftsleitung, sagt: «Wir müssen die Kartoffeln verarbeiten, weil sie sonst faul werden.» Zusammen mit der eingebrochenen Nachfrage gibt es nun einen «Pommes-Stau».

20'000 Tonnen weniger bestellt

Insgesamt wollen die Pommes-Hersteller dieses Jahr bei den Bauern ein paar tausend Tonnen weniger Kartoffeln bestellen als in anderen Jahren. Der Geschäftsführer der Branchenorganisation Swisspatat, Christian Bucher, spricht von einer Reduktion im Rahmen von 10 bis 15 Prozent. Das sind rund 20'000 Tonnen weniger, denn es werden nicht nur weniger Pommes gegessen, betroffen sind auch andere verarbeitete Produkte wie Pommes duchesse oder Kroketten.

Schon gewusst? Woher die Pommes frites stammen

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Pommes frites in einer Fritteuse
Legende: Keystone

Es sind die beiden französischsprachigen Länder Frankreich und Belgien, die sich darum streiten, wer denn nun die frittierten Kartoffelstäbchen erfunden hat. Dabei scheint Belgien die Nase vorn zu haben. Zumindest dann, wenn man der Legende Glauben schenken will, dass die Pommes frites in besonders kalten Wintern als Ersatz für frittierte Fische gegessen wurden.

Diese Legende besagt, dass dieser Brauch um die Mitte des 17. Jahrhunderts entstand, als die Maas (ein Fluss im heutigen Belgien) im Winter zugefroren war. Deshalb konnten sich die Bewohner dieses Gebiets nicht mehr von den kleinen Fischen ernähren, die sie üblicherweise mit Kopf und Schwanz in heissem Fett brieten. Aus der Not machten sie eine Tugend und brieten statt der Fische in Streifen geschnittene Kartoffeln (so dass sie den Fischchen ähnlich sahen).
Auch wenn diese Erklärung umstritten ist, so steht doch fest, dass die Pommes frites nirgendwo so verehrt werden wie in Belgien und den Status einer Nationalspeise haben.

Der Geschäftsführer der Branchenorganisation Swisspatat betont, dass die Bereiche der Speise- und der Chips-Kartoffeln von der Kürzung nicht betroffen sind. Über alle Kartoffelprodukte gesehen mache die reduzierte Fläche der Pommes-Frites-Kartoffeln nur etwa 3 Prozent aus. Dennoch: Für die betroffenen Landwirte ist die Situation nicht einfach. «Wir versuchen, Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern, damit nicht einzelne Akteure auf Kartoffeln sitzen bleiben», sagt Christian Bucher. Diese Branchenlösung wurde im letzten Sommer ins Leben gerufen.

Die Branchenlösung

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Die Lagerhalter – als eigentliche Zwischenhändler – übernehmen alle mit den Bauern vertraglich vereinbarten Kartoffelmengen, auch wenn sie diese nicht den Herstellern, also den Pommes-Fabriken, weitergeben können. Überschüssige Kartoffeln werden zu Viehfutter. Die Viehhalter zahlen den Lagerhaltern aber nur 10 Prozent des Preises, den diese von einer Fabrik bekommen würden. Der fehlende Betrag wird durch einen sogenannten Verwertungsfonds entschädigt. In diesen Fonds haben Produzenten wie Hersteller oder Lagerhalter einbezahlt. So werden die Kosten so fair wie möglich verteilt, da niemand an der Situation Schuld trägt. Die Kartoffeln waren letztes Jahr zum Teil schon gesetzt, als die Pandemie ausbrach.

Die tiefgekühlten Pommes sind noch bis nächstes Jahr haltbar und werden bis dann wohl ihren Weg auf die Teller finden. Anders ist es bei den Kartoffeln, die auf die Verarbeitung warten. Die Lager sind noch immer voll. Sie können nicht ewig gelagert werden, weshalb voraussichtlich 9000 Tonnen davon in den Futtertrögen von Milchkühen und Rindern landet, deutlich mehr als in anderen Jahren. 9000 Tonnen sind rund 7 Prozent der Jahresproduktion oder das, was rund 60 Bauernhöfe an Kartoffeln produzieren.

Bauer Perler im freiburgischen Guschelmuth ist froh, weiss er schon jetzt, dass die Nachfrage nach seinen Kartoffeln dieses Jahr kleiner sein wird. So kann er – ein paar Wochen vor dem Start der Saison – anders planen. Er will dieses Jahr mehr Körnermais für Tierfutter anbauen. «Das gibt zwar weniger Verdienst, ist aber besser, als Kartoffeln zu produzieren, die dann niemand will.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 23.02.2021, 06:31 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schmid  (schmidanou)
    In Neuchatel hatten wir am Hafen einen Pommes-Stand.
    Obschon ich Pommes und Mayo nicht mochte, haben wir dort immer eine Tüte Pommes Frites geholt mit Mayo und Ketchup. Das sehe ich in keiner Stadt und ich könnte mir vorstellen, dass das auch sonstwo funktionieren könnte. Z.B. dort, wo sich die Marronihüsli sonst befinden... Es gibt so viele arbeitslose Köche, momentan und Restaurants, die einfach zu sind - warum nicht?... Ich würde mir wieder eine Tüte holen, z.B. vor dem Loeb in Bern :)
  • Kommentar von Fabian Munz  (famu)
    Ist so, dass in Restaurants allgemein ungesünder gegessen wird. Dabei kann man mit Kartoffeln durchaus gesunde Gerichte zubereiten.
  • Kommentar von Henri Duhamel  (Duhamel)
    Schön rötlich die Kartoffeln sind
    und weiß wie Alabaster!
    Sie däun sich lieblich und geschwind
    und sind für Mann und Frau und Kind
    ein rechtes Magenpflaster.

    Matthias Claudius (1740-1815)