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Die neuen Schnelltests sind in der Kritik
Aus 10vor10 vom 20.11.2020.
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Coronatests Kritik an den Schnelltests von allen Seiten

Testen, testen, testen: Das BAG betont erneut, man solle sich bei Symptomen wie Husten oder Fieber unbedingt testen lassen. Um die Corona-Fallzahlen besser in den Griff zu bekommen, war in der Strategie des BAG der Schnelltest ein grosser Hoffnungsträger. Seit drei Wochen sind die Schnelltests in der Schweiz im Einsatz – genutzt werden sie aber wenig, und die Kritik an ihnen wird immer lauter.

Seit zehn Tagen bietet das Kantonsspital Aarau Schnelltests an. In nur 15 Minuten erfahren die Patienten, ob sie positiv sind. Was schnell tönt, bedeutet hinter den Kulissen aber viel Arbeit. «Wir haben relativ viel Bürokratie zu machen. Sicher mehr als mit dem bisherigen PCR-Test, wo die Laborresultate direkt vom Labor kommuniziert und digital übermittelt werden», sagt der Leiter des Covid-Testzentrums am Kantonsspital Aarau, Sebastian Haubitz.

Hausärzte können diesen Aufwand nicht stemmen

Bei den bisherigen PCR-Tests sind einige grosse Labors zuständig für die Übermittlung der Resultate ans Bundesamt für Gesundheit – eine Schnittstelle, die funktioniert. Bei den Testzentren der Kantonsspitäler übernehmen die Mitarbeitenden des Spitals diese Arbeit. Das heisst: Fall für Fall, Adresse für Adresse, Symptom für Symptom müssen von Hand erfasst werden. «Das bedeutet für uns einfach mehr Personal, das wir einstellen und beschäftigen müssen», erklärt Haubitz. Es sei aufwändiger, als es sein müsste.

Auch Hausärzte können diesen zusätzlichen Aufwand kaum stemmen, sagt der Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes, Jürg Lareida. In den Praxen werden die Schnelltests nur zurückhaltend eingesetzt. «Man arbeitet mit infektiösem Material. Man muss aufpassen, dass man sich oder das Personal nicht ansteckt, wenn man den Test macht», so Lareida. Man müsse den ganzen Raum desinfizieren und gut lüften. Ein Zimmer sei eine Dreiviertelstunde besetzt für nur einen einzigen Test.

Bereitschaft zum Testen nimmt ab

Dabei wäre der Einsatz von Schnelltests wichtig, um auch die Test-Kapazität zu erhöhen. Seit zwei Wochen nimmt die Bereitschaft, sich testen zu lassen, sukzessive ab – das zeigen die neusten Zahlen des BAG. Während die Positivitätsrate nahezu unverändert bei 22 Prozent bleibt. Ein Zeichen, dass zu wenig getestet wird.

Ein Trend, den auch der Chefarzt der Infektiologie am Kantonsspital in Aarau, Christoph Fux, feststellt. Nur im Kanton Aargau habe die Bereitschaft, sich testen zu lassen, um 20 Prozent abgenommen. «Die Botschaft muss jetzt sein: Wir haben kürzere Turnaround-Zeiten. Wir sind schneller mit testen, auch mit Schnelltests können wir dafür sorgen, dass man schnell weiss, wenn man ansteckend ist und sofort Konsequenzen ziehen kann.»

BAG muss Prozedere vereinfachen

Das BAG bestätigt, dass Spitäler und Hausärzte bei der Anwendung von Schnelltests Mühe bekunden. «Die Ärzte müssen die Möglichkeit haben, die Tests nicht mehr einzeln zu vermitteln, sondern blockweise. Wir müssen ihnen ein Formular zur Verfügung stellen, das sie direkt dem BAG übermitteln können», so Virginie Masserey vom BAG.

«Alles, was uns hilft, den Test schneller und einfacher anzuwenden, heisst dann auch, dass wir mehr anbieten können und das würde es nachher für den Konsumenten besser machen», erklärt Fux. Werden die Hürden tiefer, bieten Schnelltests ein grosses Potenzial. Sie sind schnell verfügbar und günstig und helfen, die Infektionskurve zu senken.

10vor10, 20.11.20, 21:50 Uhr;

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    @Corrodi: Damit sind DNA-Sequenzen des Virus gemeint. Viren mutieren sehr schnell und damit ändert sich auch das Genom und damit auch einzelne DNA Sequenzen. Damit man eine DNA Sequenzierung machen kann, muss die Viren-RNA erst umgewandelt werden. Diese Datenbank dient nicht der Speicherung menschlicher DNA, sondern soll Wissenschaftlern eine zentrale Plattform bieten um am Virus zu forschen und auf die Arbeiten & Erkenntnisse Anderer zurückgreifen zu können.
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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Gerade war in SRF 1 NZZ Standpunkte, zu Gast war die emeritierte Prof. Karin Mölling. Sie war u.a. Professorin und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich (1993–2008) und Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin (1976–1993). Die Sendung sollte man sich ansehen, besonders empfehlenswert für panische Hysteriker.
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  • Kommentar von Bernhard Roos  (roosbe)
    Man weiss seit Januar, dass Asymptomatische SARS-COV-2 verbreiten, aber man testet nur Symptomatische. Die Schnelltests reagieren auf zwei verschiedene Oberflächenproteine und geben zuverlässig bei hohen Viruslast an (also Personen die Virus verbreiten). Seit Sommer gab es Abbott Schnelltest. Man hätte Möglichkeit gehabt mit Backward Tracing und Schnelltests Infizierte zu finden, und hat es nicht gemacht und wundert sich jetzt über 2. Welle. Entscheidung für mich nicht nachvollziehbar.
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