CSU-Politiker Seehofer: «Bayern hätte gleich abgestimmt»

Der Schweizer Ständeratspräsident Hannes Germann fühlte bereits den eisigen Wind um die Nase wehen, als er zu seinem Besuch nach Berlin reiste. Empfangen wurde der SVP-Politiker aber durchaus freundlich – trotz des Jas zur Masseneinwanderungsinitiative.

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Ständeratspräsident in Berlin

2:11 min, aus Tagesschau vom 11.4.2014

Bayern und Baden-Württemberg – die beiden deutschen Nachbar-Bundesländer sind für die Schweiz höchst wichtige Handelspartner. Wichtiger noch als die USA. Über 40 Milliarden Franken beträgt das Handelsvolumen.

Nach dem Ja zur Zuwanderungs-Initiative ist Ständeratspräsident Hannes Germann deshalb mit gewissen Befürchtungen nach Berlin gereist. In Berlin hat er sich mit den Ministerpräsidenten der beiden Länder getroffen.

Statt eines eisigen Windes herrschte dann aber fast eitel Sonnenschein. Zur Begrüssung gab es für den Gast aus der Schweiz einen Bayrischen Löwen aus Porzellan – und wohlwollende Worte des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer: «Ich denke, in Bayern hätte die Bevölkerung nicht anders gestimmt.»

Im Notfall ein Schluck Gin

Wenn ein Volk abstimme, dürfe man das Ergebnis nicht so behandeln, wie die EU dies tue, sagte Seehofer im Interview mit der «Tagesschau». Man dürfe nicht die Bevölkerung kritisieren und Massnahmen gegen die Schweiz treffen.

Etwas kritischer sprach dagegen Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg. «Ich halte die Entscheidung für falsch. Aber wir müssen sie akzeptieren.» Man müsse jetzt die nächsten Jahre schauen, was die Schweiz daraus mache.

Doch auch er hatte ein Geschenk für Hannes Germann parat; eine Flasche Gin. Aus diesem wolle er gerne einen Schluck nehmen, wenn «die Deutschen uns mal ärgern», scherzte Germann. Ja, den eisigen Wind habe er vor seinem Besuch erwartet. Er habe jetzt aber viel Verständnis gespürt. Auf die Vorschläge der Schweiz sei man gespannt. Doch die freundschaftlichen Beziehungen hätten weiterhin eine gute Basis.