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Schweiz «Dann gewinnt die Scheinheiligkeit in unserer Kirche»

Der Streit um die Segnung eines lesbischen Paares in Bürglen (UR) offenbart Gräben innerhalb der katholischen Kirche. Der Engelberger Abt Christian Meyer greift den Churer Bischof Vitus Huonder in der «Rundschau» frontal an.

Legende: Video «Scheinheilig»: Abt Meyer greift Bischof Huonder an abspielen. Laufzeit 9:41 Minuten.
Aus Rundschau vom 18.02.2015.

Weil er ein lesbisches Paar gesegnet hat, soll Pfarrer Wendelin Bucheli seine Gemeinde in Bürglen (UR) verlassen. So will es der Churer Bischof Vitus Huonder. Nachdem sich bereits die Menschen in Bürglen hinter ihren Pfarrer gestellt hatten, bekommt dieser nun weitere Rückendeckung. Bischof Huonder muss heftige Kritik aus den eigenen Reihen einstecken.

In der «Rundschau» griff der Engelberger Abt Christian Meyer Huonder frontal an: «Es ist für mich nicht akzeptabel, wie man mit einem Seelsorger, der gute Arbeit geleistet hat, umgeht und ihm wie im Fussball einen Tritt gibt. Das hat mir den Deckel gelupft.»

Wäre ein Ärgernis über die Landesgrenze hinaus ein Argument, hätte der Bischof schon mehrmals zurücktreten müssen.
Autor: Christian MeyerAbt Benediktinerkloster Engelberg

Die Kommunikation des Bistums Chur bezeichnet Meyer als peinlich und lächerlich. Bischof Huonders Sprecher Giuseppe Garcia hatte in einem Interview gesagt, die Lesben-Segnung habe über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregt und bei vielen Gläubigen Ärgernis ausgelöst. Wäre dies ein Kriterium, hätte Huonder bereits mehrfach zurücktreten müssen, meint Meyer: «Mit seinen Hirtenschreiben und Personalentscheiden hat er selbst Ärgernis über die Landesgrenzen hinaus ausgelöst, das ist ganz klar.»

Kirchenrechtlich sei die Segnung eines lesbischen Paares tatsächlich nicht zugelassen, räumt der Abt des Benediktinerklosters von Engelberg ein. «Es gibt aber auch das Kirchenrecht, das vom Seelenheil redet, wo ein Seelsorger auch über das Gesetz hinausgehen darf.» Er selbst habe schon homosexuelle Paare auf einem Weg begleitet und gesegnet.

Im Bezug auf das Bild von homosexuellen Menschen müsse ein Wandel stattfinden, fordert Meyer: «Wir stellen uns vor, Homosexuelle liegen den ganzen Tag im Bett und machen irgendwas miteinander».

Für den Ausgang der Affäre Bürglen hofft Abt Meyer, dass es keine Verlierer geben wird. Dafür müsse Bischof Huonder mit Pfarrer Wendelin Bucheli reden und eine Versöhnung ermöglichen. Müsse Bucheli dagegen tatsächlich demissionieren, gebe es nur Verlierer: «Dann gewinnt wieder die Scheinheiligkeit in unserer Kirche».

53 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Müller, Zürich
    Ich verstehe nicht ganz was die Aufregung soll - bei der katholischen Kirche ist ja punkto Homosexualität sowieso alles verloren. Der Pfarrer hat völlig Kirchen-atypisch gehandelt. Wer sich irgendwas anderes von der Kirche erhofft hat, wird nun hoffentlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Für die kath. Kirche gibts in dem Bereich nichts zu retten, da hilft nur austreten, und hoffen das der Verein irgendwann zu Ende ist.
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  • Kommentar von R. Graf, SO
    Die Menschen wollen eine Kirche, die ihnen das predigt, was sie gerne hören möchten. Sie soll ihnen vom lieben Gott erzählen, der sich der jeweilige Zeit anpasst, der homosexuelle Beziehungen segnet, obwohl er sie in seinem Wort verbietet, ein Gott der Abtreibungen toleriert, weil er ja ein Gott der Liebe ist. Stimmt, Gott ist ein Gott der Liebe, er ist die Liebe, er ist aber auch heilig und der Bischof wäre ein Narr, wenn er dem Druck der Medien nachgibt und Gottes Wort missachtet.
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    1. Antwort von G.Beretta, Bern
      mit erstaunen höre ich immer wieder vom LIEBEN gott, der aber zb homo-Beziehungen verbietet und gleichzeitig die Pädophile in der Kirche toleriert, ein gott der eifersüchtig ist und bestraft; aber er ist ein gott der liebe ! Wo steckt die Logik am ganzen? Ein Zitat, passend zum Thema: Der Mann hat gott nach seinem Ebenbild erschaffen: Intolerant, sexistisch, homophob und gewalttätig. Amen (Marie de France)
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    2. Antwort von Daniel, Bern
      @R. Graf Danke vielmals für die klaren Worte! Und @Beretta: Ihre Ansicht in allen Ehren, aber niergens in der Bibel, an keinem Konzil oder in keinem Bekenntnis der Kirche wird Pädophilie gutgeheisen, verteidigt oder angeortnet. Ihre Aussage entbehrt jeglicher Grundlage.
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    3. Antwort von G.Beretta, Bern
      @Daniel ich habe kein Wort über die Bibel geschrieben, "sondern" über den "imaginären?" "lieben?" "gott?"…und meine war eine Antwort auf Graf's Kommentar...
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  • Kommentar von Christoph Ansermot, Zürich
    Solange die Kirchen sich weiterhin weigern all die "intern erledigten" Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen vollständig aufzuarbeiten und alle Opfer angemessen zu entschädigen - sind sämtliche Aussagen von Kirchen und deren Mitglieder zum Thema Homosexualität und dergleichen ohnehin nach /dev/nil zu verschieben. Da ist Scheinheiligkeit noch das kleinste Problem, es ist vielmehr das die Glaubwürdigkeit von Kirchen zu diesen Themen nach den Skandalen nun einfach 0.0 beträgt.
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