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Schweiz «Das Projekt hat wichtige Erkenntnisse gebracht»

Das Geothermie-Projekt in St. Gallen wird beendet. Roland Wyss vom Interessenverband Geothermie Schweiz glaubt trotzdem an eine Zukunft der Geothermie, trotz möglicher Gasvorkommen.

Legende: Video «Geothermie – das Ende?» abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.05.2014.

SRF: Was bedeutet das für die Geothermie in der ganzen Schweiz wenn das grösste Projekt beendet wird?

Roland Wyss: Für uns ist das natürlich nicht das Ende des Projektes. Das Projekt hat wichtige Erkenntnisse gebracht. Nebenbei hat es offensichtlich sehr viel Energie gefunden. Zwar nicht Geothermie, aber Gas. Das ist zwar nicht CO2-frei, aber auch einheimische Energie.

Aber es war doch das grösste Projekt der Geothermie. Was ist das für ein Zeichen?

Die Geothermie ist im Moment in einer Entwicklungsphase. Es braucht eine grössere Anzahl von Projekten, zehn oder zwölf, um zu schauen in welche Richtung sich die Technologie entwickeln wird. Und in einer solchen Technologie-Entwicklung kommt es zu Misserfolgen und Erfolgen. Vor allem aber kommt es zu Erkenntnissen, die die Technologie-Entwicklung wegweisen wird. Da ist St. Gallen ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Tiefen-Geothermie.

Was heisst es denn für die Unternehmen, die die Geothermie finanziell unterstützen sollen, wenn sich die Misserfolge häufen?

Ich sehe natürlich, dass die Zurückhaltung der Stromproduzenten und Stromvermarkter in der Schweiz gross ist, nicht in die Geothermie zu investieren, da dass mit gewissen Risiken behaftet ist. Ausserdem ist Strom im Moment in Europa sehr günstig einzukaufen. Das hindert die Stromproduzenten daran, in unsichere Technologien zu investieren.

Was heisst das für die Zukunft der Geothermie?

Es ist natürlich schwieriger zu argumentieren und die Leute zu überzeugen, dass man diesen Weg gehen soll – zu zeigen, dass die Geothermie mittel- oder langfristig eine mögliche Energiequelle für die Schweiz ist.

Es ist im Moment aber noch genügend Geld vorhanden, um Versuche in der Geothermie durchzuführen.

Die Stromproduzenten sind aber im Moment sehr zurückhaltend mit ihren Investitionen. Das hat drei Gründe. Der erste Grund ist die Unsicherheit, die in der ganzen Energieszene herrscht. Man weiss nicht so recht, in welche Richtung die Energiestrategie gehen wird. Zweitens gibt es wie gesagt sehr günstigen Strom in Europa, den man einkaufen kann. Das ist vor allem Strom aus Kohle. Drittens ist für die Energieversorgungsunternehmen das Geschäftsmodell des Verkaufs von teurem Mieterstrom zusammengebrochen, weil der Markt in Europa durch sehr günstigen Strom von Wind und Sonne überschwemmt ist

In St. Gallen wird jetzt kein heisses Wasser mehr gefördert, sondern Gas. Könnte Gas zur Konkurrenz der Geothermie werden?

Das sehe ich eigentlich nicht als Konkurrenz. Möglicherweise hat der Schweizer Untergrund nicht nur Geothermie zu bieten als einheimische Ressource, sondern auch Gas. Wenn man das als einheimische Ressource betrachte, wäre das durchaus wie ein Zwischentechnologie, denn Gas ist keinen erneuerbare Enegrie. Langfristig könnte man dann die Geothermie nutzen, wenn man bessere Erkenntnisse vom Untergrund hat.