Wie gut sind Kitas? Das Qualitätslabel hat es schwer

  • Der Dachverband der Kindertagesstätten hat vor vier Jahren ein Qualitätslabel für Kitas eingeführt.
  • Heute zeigt sich, dass nur ein Bruchteil der Kindertagesstätten zertifiziert ist.
  • Für viele Kitas ist der Aufwand schlicht zu gross, sich zertifzieren zu lassen.
  • Die Eltern sorgen sich vor allem, ob sie überhaupt einen Platz für ihr Kind finden.

1300 Kindertagesstätten in der Schweiz gehören dem Dachverband Kibesuisse an. Doch von diesen schmücken sich bloss 61 mit dem Label «Qualikita», das vom Dachverband und der Jacobs Foundation getragen wird. «Qualikita» steht für gute Qualität in jeder Hinsicht und eine Betreuung, die das Kind im Zentrum sieht.

Vielerorts knappes Kita-Angebot

Programmleiter Marcel Fierz erklärt sich das geringe Interesse der Kitas am Label damit, dass die Eltern in der Schweiz noch immer vor allem interessiere, ob sie überhaupt einen Kita-Platz für ihr Kind fänden. «Wie nahe ist die Kita, wieviel kostet sie, gibt es subventionierte Plätze – gibt es überhaupt einen freien Platz?» – diese Fragen stünden für die Eltern im Zentrum. Denn: «Noch immer ist das Angebot vielerorts sehr knapp», so Fierz.

Von einem gescheiterten Versuch will er dennoch nicht sprechen. Im Gegenteil ist er davon überzeugt, dass das Qualitätsbewusstsein im Kita-Markt jetzt erst erwache, und die Qualität eine immer grössere Rolle spiele – dies vor allem in den grösseren Städten, wo der Markt langsam gesättigt sei.

Für viele Kitas zu aufwendig

Die ursprüngliche Absicht war es, dass sich dank dem Label die vorbildlichen Kitas mit pädagogischem Konzept und gut ausgebildetem Personal von den weniger guten abheben sollen und das für die Eltern transparent wird. Doch wenn sich eine Kita zertifizieren lassen will, braucht das Zeit und Geld.

Für viele Tagesstätten seien diese Hürden zu hoch, findet Fabian Haindl von der Geschäftsleitung der Kita «Small Foot», die rund 20 Kitas in der Zentralschweiz und im Raum Aarau betreibt. Er geht davon aus, dass die verschiedenen Kita-Betreiber eigene Labels einführen könnten.

Viele Kitas beschäftigt der ständige Personalwechsel und die Diskussionen darum, ob sie noch Praktikumsstellen für ein ganzes Jahr besetzen dürfen, viel stärker als das «Qualikita»-Label. So gesehen ist es fraglich, ob sich «Qualikita» tatsächlich durchsetzen wird. Es könnte sogar sein, dass eine Vielzahl von Labels entsteht, was nicht zu mehr Transparenz führen würde.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Kürzere Praktika in Kinderkrippen

    Aus 10vor10 vom 17.7.2017

    Viele Jugendliche machen vor einer Lehre in der Kinderbetreuung ein einjähriges Praktikum in einer Kita. Im Kanton Bern soll dieses Praktikum ab August nur noch 6 Monate dauern dürfen. Diese Regelung bereitet den Kitas wie auch den Eltern der Kinder grosse Sorgen.

  • Kinderkrippen im Wettbewerb

    Aus ECO vom 6.10.2014

    Bis vor Kurzem führten Kinderkrippen lange Wartelisten. Das ist in einigen Regionen der Schweiz Vergangenheit. Dort müssen einzelne Krippen sogar abbauen, weil sie ihre Plätze nicht mit Kindern füllen können. Es herrscht neu Wettbewerb auf dem Krippen-Markt. Der Kita-Boom in der Schweiz ist verantwortlich für diese Entwicklung. Ausgelöst hat ihn das Impulsprogramm des Bundes. Viele Krippen wandeln sich nun von sozialen Einrichtungen zu Unternehmen – und schliessen sich zu Ketten zusammen, um zu überleben.

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