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Schweiz Das Risiko vorsätzlicher Flugzeugabstürze auf AKW

Wie gut sind schweizerische Atomkraftwerke vor Flugzeugabstürzen geschützt, auch solche mit terroristischer Absicht? Dazu laufen Untersuchungen der Aufsichtsbehörde ENSI, aber auf die Ergebnisse wird seit längerem gewartet. Wie gross ist die Gefahr tatsächlich?

Legende: Video Das Risiko von Flugzeugabstürzen auf AKW abspielen. Laufzeit 0:05 Minuten.
Aus 10vor10 vom 30.05.2016.

Ein Verkehrsflugzeug als Terrorwaffe, das von den Piloten im Sturzflug auf ein Reaktorgebäude gesteuert wird: Ein solches Szenario hält der ehemalige Swissair-Pilot Max Tobler nach «9/11» flugtechnisch durchaus für realistisch. Er flog selber 22 Jahre als Flugkapitän und arbeitet heute als Flugsimulator-Instruktor für Linienpiloten.

Deckblatt des Berichts des HSK.
Legende: Stellungnahme der HSK zur «Sicherheitslage der schweizerischen Kernkraftwerke bei einem vorsätzlichen Flugzeugabsturz». SRF

«Rein theoretisch und technisch gesehen ist es für einen Berufspiloten einfacher mit einer grossen Passagiermaschine in ein Gebäude hineinzufliegen, als eine Landung mit etwas Seitenwind auf einer kurzen Piste.»

Würde das Reaktorgebäude des Atomkraftwerks Mühleberg dem Aufprall eines grossen Flugzeuges standhalten? Die Kraftwerkbetreiberin BKW Energie AG betont gegenüber «10vor10»:

Die Terroranschläge mit Flugzeugen in den USA am 11. September 2001 lösten auch in der Schweiz Ängste aus. 2003 verfasst darum die damalige Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK), das heutige Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI), einen Bericht. Man untersuchte die «Sicherheitslage der schweizerischen Kernkraftwerke bei einem vorsätzlichen Flugzeugabsturz». Die Schlussfolgerungen in der Stellungnahme der HSK von 2003 sind:

  • «Die Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt sind gegen einen Aufprall bei allen untersuchten Geschwindigkeiten so gut geschützt, dass ein Durchstanzen der Reaktorgebäude nicht möglich ist.»
  • «die Wahrscheinlichkeit für eine Freisetzung von Radioaktivität aufgrund eines Flugzeugabsturzes [ist] sehr niedrig.»
  • «Bei Mühleberg und Beznau kann eine Beschädigung sicherheitstechnischer Einrichtungen innerhalb des Reaktorgebäudes durch eindringende Flugzeugteile nicht ganz ausgeschlossen werden.»

Containment und Notstandssysteme schützen

Seit 2003 fliegen aber grössere Flugzeuge, sagt Pilot Max Tobler: «Deren Massen sind natürlich grösser geworden. Bei einem Airbus A 380 sind allein die Fahrwerke 20 Tonnen schwer. Sie bestehen aus gehärtetem Stahl und teilweise nach vorne gerichtet wie eine Lanze.»

Horst-Michael Prasser ist Professor für Kernenergiesysteme an der ETH Zürich. Seiner Meinung nach kann eine Freisetzung von Radioaktivität durch mehrere Barrieren verhindert werden, selbst wenn ein Flugzeug die Aussenwand durchschlagen würde.

«Dann haben sie eine Beschädigung des Containments. Die Anlagen sind so gebaut, dass sie immer noch die Möglichkeit haben, eine Nachkühlung des Reaktorkerns zu bewirken und den Brennstoff zu schützen», sagt Prasser. Die Brennelementhüllen seien dann die entscheidende Barriere. Wenn die halten, gebe es keine grosse Freisetzung von radioaktiven Stoffen. Dafür gibt es gebunkerte Notstandssysteme, die beim Auftreffen auf das Containment nicht gleichzeitig getroffen werden.

ENSI arbeitet an aktualisiertem Bericht

Alle Schweizer Atomkraftwerkbetreiber wurden von «10vor10» zum Thema Flugzeug-Terrorangriffe angefragt. Alle betonen, dass die gesetzlichen Auflagen betreffend Flugzeugabstürze erfüllt werden.

Das ENSI arbeitet zurzeit an einem aktualisierten Bericht über vorsätzliche Flugzeugabstürze. Die Untersuchungen wurden 2012 eingeleitet. Das ENSI möchte aber erst nach Abschluss des Berichtes an die Öffentlichkeit treten.

Kernkraftwerk Gösgen aus der Luft.
Legende: Das Kernkraftwerk Gösgen ist aus der Luft mit dem Kühlturm und dem halbkugelförmigen Reaktorgebäude gut sichtbar. SRF

Nationalrat Beat Jans (SP/BS) hat dazu im Dezember eine Motion eingereicht. Er fordert, dass Atomkraftwerke alle fünf Jahre ihre Sicherheit gegen Terrorangriffe mit Flugzeuge nachweisen müssen. Der Bundesrat lehnte die Motion ab, auch mit Verweis auf die aktuell laufende Untersuchung des ENSI.

«Wir haben die ältesten Atomkraftwerke der Welt. Es gibt eine Studie, die inzwischen 15 Jahre alt ist», erklärt Jans. Seit drei Jahren habe die Aufsichtsbehörde bereits den Auftrag, das Risiko abzuklären, aber die Studie lasse immer noch auf sich warten.

Pilot Max Tobler sieht keinerlei Schwierigkeiten, Atomkraftwerke als Ziele für Terroranschläge zu orten: Man finde Koordinaten und Fotos der Anlagen im Internet. «Mit Google Map kann jeder selber herausfinden, aus welchem Sektor, mit welchen Hindernishöhen man ein solches Kraftwerk anfliegen könnte.»

Wie gut die Schweizer Atomkraftwerke gegen einen vorsätzlichen Flugzeugabsturz geschützt sind, soll im neuen ENSI-Bericht veröffentlicht werden. Wann dieser erscheint, ist noch unklar.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Ich würde noch das Risiko untersuchen lassen, was passiert, wenn ein Meteorit mit 500km Durchmesser direkt ein Kernkraftwerk trifft..... Die grösste Gefahr sind Greenpeace und andere Grüne Aktivisten wie der Grüne Genfer Politiker und Windparkbetreiber Chaim Nissim, der mit Panzerfäusten, welche er von belgischen Terroristen erhalten hat, auf Kernkraftwerke schoss. Was übrigens auch keine Schäden am Reaktor verursacht (aber mit Anzünden von Reifen von den Grünen tüchtig gefeiert wurde....).
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Ich weiss nicht, ob es geschickt ist, die Resultate zu veröffentlichen. Ich meine, es ist das eine, dass der Terrorpilot gem. Google.maps eine Route ganz genau erstellen kann. Doch das andere ist, wenn er auch noch öffentlich über die Verteidigungsstrategie eines Landes informiert wird...
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Während 9/11-Terroristen enorm viel Glück und Zufall benötigten, damit die 500m hohen Türme überhaupt getroffen werden konnten, sah man am Pentagon (ein Gebäude mit riesigen Ausmassen) dass es enorm schwierig ist, so ein "niedriges" Gebäude mit einem grossen Flugzeug zu treffen. Von einem Reaktorgebäude, welches mit einer meterdicken Stahlbetonkuppel versehen ist (nicht mit dem Kühlturm verwechseln), ganz zu schweigen. Selbst mit einer gezielten "Anti-Bunker-Rakete" wäre das enorm schwierig.
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  • Kommentar von Heinz imBoden (Berggeist)
    Löst etwa die Energiewende 2050 ohne KKW alle offenen Probleme? Über 35 Jahre hat man es technisch nicht geschafft eine Lösung zu finden um den Uran-Müll aus Industrie, Medizin und AKW`s zu entsorgen oder umzunutzen? Mit einer Energiesteuer will man die Zukunft der CH- Kernenergie zerstören? Wollen wir Abhängigkeit von int. KKW- und Gaskonzernen. Es braucht aber neben erneuerbaren Energieformen auch noch fundierte und technisch realisierbare sowie bezahlbare Lösungen für die Zukunft.
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Tatsächlich sind erneuerbare Energien wesentlich günstiger als AKW: Die Schweiz betreibt seit über 40 Jahren AKW. Trotzdem fehlen immer noch 16000 Mio Franken im Stillegungsfonds. Für die nie gebauten AKW Graben und Kaiseraugst sind die Steuerzahler sogar gezwungen worden 577 Mio Franken zu zahlen, obwohl damit keine einzige kWh produziert worden ist. Gemäss KEV-Geschäftsbericht hat Windenergie im Jahr 2014 für tatsächlich produzierten, unabhängigen Strom gerade mal 7 Mio Franken erhalten.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Jetzt kommt der Schmid aus Zürich wieder und erklärt mit irgendwelchen Fantastereien, die er als vom Lande abhängiger Stadtmensch irgendwo in der Propaganda der Grünen Partei abgeschaut hat (Bsp. hat der Grüne Badener Skandalstapi Geri Müller 2010 behauptet, es gäbe "in vier Jahren" kein Uran mehr). Übrigens Schmid: Jeder Rappen, den man in der Schweiz in die Windindustrie steckt ist ein Rappen zuviel. Ganz einfach, weil man ohne Wind keinen Strom produzieren kann.
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