Das sagt die Politik zur Zivildienst-Kritik des neuen Armeechefs

Der Zivildienst sei scheinbar zu attraktiv, sagte der neue Armeechef Philippe Rebord bei seiner Vorstellung am Freitag. Einen daraus resultierenden Personalmangel ortet der Romand als zentrales Problem der Armee. Diese Einschätzung wird nicht überall geteilt.

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Armeechef Rebord: «Die Armee ist kein Ferienlager»

0:39 min, vom 16.9.2016

Fast 3400 junge Männer hätten sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres für den Zivildienst entschieden, klagte der künftige Armeechef Philippe Rebord bei bei seiner Vorstellung am Freitag. Für die «WEA», die weiterentwickelte Armee, sei das ein Problem. Der Zivildienst scheinbar zu attraktiv.


Ist der Zivildienst zu attraktiv?

1:49 min, aus HeuteMorgen vom 17.09.2016

Unterstützung erhält Rebord von SVP-Nationalrat Werner Salzmann. Auch der Vizepräsident der Sicherheitspolitischen Kommission fürchtet, «dass wir den Bestand der ‹WEA› nicht alimentieren können.» Aus bürgerlichen Kreisen gab es deshalb bereits vor der Debatte um die Aussagen des neuen Armeechefs Forderungen, den Zivildienst zu verlängern. «Das wäre ein Ansatz, die Attraktivität des Zivildienstes etwas herunterzuschrauben», meint CVP-Militärpolitiker Jakob Büchler.

Zivildienstverband widerspricht Rebords Analyse

Gegen solche Überlegungen gibt es freilich von Links und aus der Mitte grossen Widerstand. Auch der Präsident des Zivildienstverbandes, alt EVP-Nationalrat Heiner Studer, lehnt eine Verlängerug des Dienstes ab. Dem künftigen Armeechef legt er die Lektüre eines kürzlich publizierten Bundesratsberichts ans Herz. Dieser zeige auf, dass es trotz Zivildienst genügend Leute für die Armee gebe: «Die Sache ist nicht so tragisch, wie Rebord sie sieht.»

«  Die Sache ist nicht so tragisch, wie Rebord sie sieht. »

Heiner Studer
alt Nationalrat, EVP

Tatsächlich kam die vom Bundesrat eingesetzte Studiengruppe unter Leitung von alt Nationalrat Arthur Loepfe jüngst zum Schluss, der Zivildienst solle weiterhin «nur» 1,5 Mal länger dauern als der Militärdienst. Gleichzeitig empfiehlt die Studie, den Einsatz in Uniform mittels Anreizen wie zum Beispiel Steuererleichterungen attraktiver zu machen. Die Armee müsse sich künftig darauf ausrichten, die richtigen Spezialisten zu rekrutieren anstatt möglichst viele Dienstpflichtige.

Ob sich der künftige Armeechef Philippe Rebord dadurch beruhigen lässt, ist freilich fraglich. Auf jeden Fall wird er genau beobachten, wie sich die Zahl der Zivildienstleistenden weiterentwickelt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Weshalb Philipp Rebord als Armeechef einiges zu tun hat

    Aus 10vor10 vom 16.9.2016

    Philippe Rebord übernimmt im Januar die Aufgabe von Armeechef André Blattmann. Mit der Stabsübergabe erbt der neue starke Mann an der Spitze der Schweizer Armee aber auch einige Baustellen.

  • Neuer Armeechef stellt sich vor

    Aus Tagesschau vom 16.9.2016

    Der 59-jährige Walliser Philippe Rebord wird neuer Chef der Armee. Er tritt am 1. Januar 2017 die Nachfolge von André Blattmann an. Ob ein Romand für die Position geeignet ist, wurde im Vorfeld lebhaft diskutiert.