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Kosten im Gesundheitswesen «Das System muss finanzierbar bleiben»

Immer häufiger werden Medikamente limitiert, bestätigt das Bundesamt für Gesundheit – zum Nachteil der Patienten?

Legende: Audio Bach: «Das System muss finanzierbar bleiben» abspielen. Laufzeit 3:55 Minuten.
3:55 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.02.2017.

SRF News: Gibt es eine Obergrenze bei der Menge an Hepatitis-C- Medikamenten, die vergütet werden?

Daniel Bach, Kommunikationschef des BAG: Nein. Es geht effektiv um den Gesundheitszustand der Patienten. Das heisst, jeder Patient, der Symptome von Hepatitis C zeigt und eine Therapie braucht, bekommt die Medikamente. Da gibt es nach oben keine Limite.

Wie hoch ist das Risiko, dass ein Patient, der noch im frühen Stadium der Krankheit ist, das Medikament nicht bekommt – und später umso kränker und damit umso teurer wird?

Das Risiko besteht nicht. Wenn der Patient in einem frühen Stadium der Krankheit ist und effektiv Symptome zeigt, bekommt er diese Medikamente auch. Es geht effektiv um Patienten, die faktisch noch keine sind – weil sie noch keine Symptome zeigen. Sie haben zwar eine Hepatitis-C-Infektion. Aber sie sind kerngesund und werden vielleicht auch gar nie krank.

Es gibt verschiedene Formen der Limitierung: Es gibt auch Medikamente, die aufgrund des Nutzens oder der Nebenwirkungen limitiert sind. Ist beim Beispiel des Hepatitis-C-Medikamentes vor allem der hohe Preis der Grund für die Limitierung?

Absolut, er ist einer der Gründe. Wenn die Pharma-Unternehmen uns massiv mit dem Preis entgegenkommen würden, würde sich das BAG überlegen, diese «limitatio» ganz aufzuheben. Mit der momentanen Preispolitik macht das aber keinen Sinn – weil es medizinisch gesehen nicht unbedingt nötig ist, diesen Menschen das Medikament schon abzugeben, wenn sie noch keine Symptome der Krankheit zeigen.

Wir müssen schauen, dass uns die Kosten nicht vollends aus dem Ruder laufen.

Wie hat sich die Zahl dieser «limitatio» in den letzten Jahren entwickelt, wie viele Medikamente sind dazu gekommen?

Tendenziell nimmt die Zahl leicht zu. Das hat auch damit zu tun, dass immer mehr Medikamente auf den Markt kommen, und das immer schneller. Dazu gehören auch hochwirksame und hochpreisige Medikamente. Wir müssen schauen, dass uns die Kosten nicht vollends aus dem Ruder laufen.

In welchen Bereichen sind solche Limitierungen besonders sinnvoll? Etwa in der Onkologie, in der auch personalisierte Medizin im Vormarsch sind?

In der Tat. Gerade in der Krebstherapie gibt es im Moment sehr viele neue Medikamente – auch zum Wohl der Patienten. Es gibt Bereiche, in denen es neue hochwirksame Medikamente gibt, wo es vorher gar keine gab. Aber es gibt auch sehr viele Medikamente, die mit anderen kombiniert werden müssen. Entsprechend steigen auch die Kosten. Gerade im Krebsbereich sind die Kosten im Moment sehr hoch, auch aufgrund des medizinischen Fortschritts. Dieser ist sehr erfreulich für die Patienten. Aber wir müssen schauen, dass dieses System finanzierbar bleibt.

Das Gespräch führte Rahel Walser.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Seiler (D. Seiler)
    Dieses sozialistische KVG setzt falsche Anreize. Die Arbeitende Bevölkerung bezahlt für alle bobochen der Drückeberger. Dringend notwendig ist eine Diskussion über den Leistungskatalog und eine Zweiklassenmedizin. Ist es wirklich notwendig, dass wir alle Personen die selbstverschuldet gesundheitliche Probleme haben finanzieren? Mehr Eigenverantwortung ist dringend notwendig und dafür tiefere Prämien garantiert.
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  • Kommentar von nathalie wernz (Frau Wer)
    Hierbei handelt es sich ja 'nur' um ein Beispiel von vielen - eines, das uns, die Schweiz betrifft.. Vor paar Jahren gab es die 'Diskussion' wegen der Aids-Medikamente, die sich Patienten in Afrika nicht leisten konnten (....!), oder andere Medikamente, die wegen des Patentschutzes (..) für einen Grossteil der Weltbefölkerung nicht erschwinglich, oder dass sich Forschung 'für' seltene Krankheiten nicht lohnt = dafür kaum Gelder vorhanden...usw: könnte 'care democracy' die Antwort sein?
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Was für ein "System" denn? Dieses kranke, das CH Volk-ausbeuterische/abzockende, Vetternwirtschaft und Lobbyismus betreibende, profitgierige, skrupellose "Gesundheits-Unwesen" der Schweiz, bei welchem auch viele - von den Volks-Steuergeldern sehr gut enntlöhnte - PolitikerInnen "mitmischen", mittels lukrativer VR-Mandate....Der einzige, welche sich seit Beginn der Amtszeit, für das Volk einsetzt, ist Bundesrat Berset - der steht aber allein da, da die Mehrheit mit der Pharmalobby mitmischt!!
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      Womit verdient z.B. ein KK Direktor ehrlich 900,000 Fr. Wie rechtfertigt ein Psychologe einen Stundenlohn ( 50 Min.) von 180.-Fr. Warum nicht einmal die Kosten von dieser Seite beleuchten? Warum braucht eine KK Lobbyisten im Bundeshaus?
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