Kosten im Gesundheitswesen «Das System muss finanzierbar bleiben»

Immer häufiger werden Medikamente limitiert, bestätigt das Bundesamt für Gesundheit – zum Nachteil der Patienten?

SRF News: Gibt es eine Obergrenze bei der Menge an Hepatitis-C- Medikamenten, die vergütet werden?

Daniel Bach, Kommunikationschef des BAG: Nein. Es geht effektiv um den Gesundheitszustand der Patienten. Das heisst, jeder Patient, der Symptome von Hepatitis C zeigt und eine Therapie braucht, bekommt die Medikamente. Da gibt es nach oben keine Limite.

Wie hoch ist das Risiko, dass ein Patient, der noch im frühen Stadium der Krankheit ist, das Medikament nicht bekommt – und später umso kränker und damit umso teurer wird?

Das Risiko besteht nicht. Wenn der Patient in einem frühen Stadium der Krankheit ist und effektiv Symptome zeigt, bekommt er diese Medikamente auch. Es geht effektiv um Patienten, die faktisch noch keine sind – weil sie noch keine Symptome zeigen. Sie haben zwar eine Hepatitis-C-Infektion. Aber sie sind kerngesund und werden vielleicht auch gar nie krank.

Es gibt verschiedene Formen der Limitierung: Es gibt auch Medikamente, die aufgrund des Nutzens oder der Nebenwirkungen limitiert sind. Ist beim Beispiel des Hepatitis-C-Medikamentes vor allem der hohe Preis der Grund für die Limitierung?

Absolut, er ist einer der Gründe. Wenn die Pharma-Unternehmen uns massiv mit dem Preis entgegenkommen würden, würde sich das BAG überlegen, diese «limitatio» ganz aufzuheben. Mit der momentanen Preispolitik macht das aber keinen Sinn – weil es medizinisch gesehen nicht unbedingt nötig ist, diesen Menschen das Medikament schon abzugeben, wenn sie noch keine Symptome der Krankheit zeigen.

«  Wir müssen schauen, dass uns die Kosten nicht vollends aus dem Ruder laufen. »

Wie hat sich die Zahl dieser «limitatio» in den letzten Jahren entwickelt, wie viele Medikamente sind dazu gekommen?

Tendenziell nimmt die Zahl leicht zu. Das hat auch damit zu tun, dass immer mehr Medikamente auf den Markt kommen, und das immer schneller. Dazu gehören auch hochwirksame und hochpreisige Medikamente. Wir müssen schauen, dass uns die Kosten nicht vollends aus dem Ruder laufen.

In welchen Bereichen sind solche Limitierungen besonders sinnvoll? Etwa in der Onkologie, in der auch personalisierte Medizin im Vormarsch sind?

In der Tat. Gerade in der Krebstherapie gibt es im Moment sehr viele neue Medikamente – auch zum Wohl der Patienten. Es gibt Bereiche, in denen es neue hochwirksame Medikamente gibt, wo es vorher gar keine gab. Aber es gibt auch sehr viele Medikamente, die mit anderen kombiniert werden müssen. Entsprechend steigen auch die Kosten. Gerade im Krebsbereich sind die Kosten im Moment sehr hoch, auch aufgrund des medizinischen Fortschritts. Dieser ist sehr erfreulich für die Patienten. Aber wir müssen schauen, dass dieses System finanzierbar bleibt.

Das Gespräch führte Rahel Walser.