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Schweiz Das Wallis verliert seine Gletscher

Jetzt ist es offiziell: Die Schweizer Gletscher schmelzen ungebremst. Bis ins Jahr 2050 verschwinden kleine und mittlere Gletscher. Ein Gletscherexperte des Bundes diagnostiziert auch für unsere grossen Gletscher wenig Erfreuliches. Der Kanton Wallis will nun handeln.

Legende: Video Massiver Gletscherschwund im Wallis abspielen. Laufzeit 9:37 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 26.08.2015.

Das Wallis ist das Wasserschloss der Schweiz. 80 Prozent des Schweizer Gletschereises liegen dort. Untersuchungen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zeigen nun jedoch, dass der rekordverdächtig warme Sommer das «ewige Eis» in hohem Masse schmelzen liess. David Volken, Gletscher- und Klimaexperte des Bafu, sieht in einigen Jahrzehnten das Walliser Hochgebirge auf nur noch wenige kleine Gletscher reduziert.

Die Messstange, die das Pro Natura-Zentrum Aletsch Anfang Sommer ins Eis gebohrt hatte, lag bereits Mitte August mehrheitlich frei neben der Gletschermoräne. «Seit Anfang Juni hat der Gletscher hier rund sechs Meter Eisdicke verloren. Wir müssen davon ausgehen, dass wir bis Ende der Schmelzzeit im Oktober einen Gletscherrückgang von zehn Metern erreichen werden. Damit erreichen wir wohl den traurigen Rekord des extremen Hitzesommers 2003», sagt Volken gegenüber «Schweiz aktuell».

Hitzesommer wird zum Standard

Auch in den nächsten Tagen werden 10-12 Zentimeter wegschmelzen – pro Tag. Denn bis Montag sind wieder heisse Temperaturen gemeldet. Laut MeteoSchweiz wird die Nullgradgrenze am Samstag auf 4800m steigen. Tagsüber sind also auch die höchsten Schweizer Gipfel nicht mehr gefroren. «Die Nullgradgrenze ist so hoch wie anfangs Juli oder anfangs August 2015 und anfangs August 2003 – also wie im Höhepunkt von Hitzesommern. Für Ende August ist das extrem hoch», sagt David Volken.

In den nächsten Jahrzehnten sollen solche Ereignisse aber nicht mehr Ausnahmen sein, meint der Gletscher- und Klimaexperte des Bundes. «Wir erwarten für alle Jahreszeiten eine Temperaturzunahme von 3-4 Grad. Bis Ende Jahrhundert werden Hitzesommer wie heuer zum Standard werden.»

Aletschgletscher bleibt noch bis Ende Jahrhundert

Auch wenn das Klima in den nächsten Jahrzehnten konstant bliebe, würden die Gletscher schmelzen. Die weitere Erwärmung beschleunigt den Prozess aber. «Kleine Gletscher verschwinden in den nächsten Jahren, mittelgrosse bis Mitte Jahrhundert. Ende Jahrhundert wird es noch wenige Gletscher geben – zum Beispiel der jetzt stolze Aletschgletscher; er wird bis Ende Jahrhundert auf 10 Prozent des Volumens schrumpfen», sagt Volken.

Auf das Wallis werden in den kommenden Jahrzehnten grosse Probleme zukommen. Wasser wird wegen der Schmelze vorerst zwar reichlich verfügbar sein, danach jedoch wird der «ewige Firn», der grosse Wasserspeicher der Alpen, grösstenteils verschwunden sein. «Wir sind uns dieser problematischen Entwicklung bewusst und haben bereits 2013 eine kantonale Wasser-Strategie entwickelt», sagt der Walliser Volkswirtschaftsdirektor, CVP-Staatsrat Jean-Michel Cina zum Bericht von SRF. «Der sparsame Umgang mit Wasser und neue Konzepte zur flächendeckenden Versorgung werden uns in Zukunft intensiv beschäftigen.»

17 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Die liebe Sonne ist zum Beispiel ein Faktor die dem Szenario ein Schnippchen Schlägen könnte. Die Sonnenzyklen und große Vulkanausbrüche können dem ganzen eine andere Richtung geben. Da ist noch vieles unklar. sicher ist eher, dass bis 2050 mehr Mensch auf der Erde leben und der eine oder andere sein Haus am falschenOrt baut.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    DasWasser wird auch in anderen Regionen weniger, es wird weniger Schneien, weniger Regnen und der Verbrauch wird rassant zunehmen.. je mehr Mensche je mehr Wasser.. darum waere eine Bevoelkerungsstagnation eigentlich erstrebenswert.. sollte auch fuer die sozialDenkenden so sein!
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  • Kommentar von Hans Müller, Zürich
    Jean-Michel Cina möchte die Unterstützung der "Üssrschwiiz", vor allem wenn es um die CO2-Problematik geht. Ja, warum setzt er dann die Zweitwohnungsinitiative nicht um?
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