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Schweiz Das Zentrum als Zankapfel – der Streit in Freiburg hält an

Nach der Initiative der SVP und der Stellungnahme der Universitätsleitung geht der Zwist um das Zentrum für Islam und Gesellschaft in die nächste Runde. Sowohl die Partei wie auch die muslimischen Verbände zeigen sich kämpferisch. SRF News hat Stimmen eingefangen.

Eine Frau betrachtet eine Bibel und einen Koran.
Legende: Bibel und Koran Das Zentrum will die christlichen und islamischen Schriften in ein Verhältnis setzen. Keystone

Die Initiative der Freiburger SVP, mit der sie das Zentrum für Islam und Gesellschaft verhindern möchte, hat die Gegenseite mitnichten kalt gelassen. Zum einen sind gestern die Verantwortlichen der Universität von Medienschaffenden bestürmt worden. Zum anderen haben gleichentags die Moslems in der Schweiz eine Ernüchterung erfahren.

Der Imam und Präsident des Albanisch Islamischen Verbands Schweiz Mustafa Memeti sagte auf Anfrage von SRF, dass die Massnahme der SVP «sehr schade» sei. «Ein harter Schlag» sei es aber nicht für die Radikalen, wie von den Initianten behauptet würde, sondern für die gemässigten und progressiven Muslime.

«Das Zentrum wäre der Gesellschaft dienlich»

Memeti beklagte auch die falsche Bewertung des Zentrums in Freiburg: Wenn Imame hierzulande ausgebildet würden, wäre das in erster Linie der Gesellschaft dienlich und erst sekundär den Muslimen.

Ein Buch über islamische Kunst und Kultur steht in einem Regal.
Legende: Austausch Das Zentrum will Interessierte in die islamische Kultur einführen. Keystone

Ähnlich verstimmt über die Initiative der SVP äussert sich der Mediensprecher von der Schweizerischen Islamischen Gemeinschaft (SIG). Er schreibt, dass es ihn traurig stimme, dass dieses Institut mit «einer vollen Breitseite beschossen» würde.

Verärgert zeigt er sich derweil über das widersprüchliche Verhalten der Partei. «Auf der einen Seite spricht man von Hinterhofmoscheen mit vermeintlich zweifelhaftem Lehrinhalt. Auf der anderen Seite aber quittiert man eine transparente Einrichtung, die im Einklang mit dem Schweizer Rechtswesen steht.»

Kampfgeist auf beiden Seiten

Ungeachtet der Kritik gibt sich Imam Mustafa Memeti kämpferisch. Er sagt voraus, dass die Bemühungen und Bestrebungen der aufgeschlossenen Muslime weitergehen werden. «Wir sind uns bewusst, wohin wir gegen wollen.»

Dieses Selbstbewusstsein lässt sich allerdings auch auf der Gegenseite, namentlich vom Vizedirektor der Freiburger SVP, Markus Zosso, vernehmen. Nach der Stellungnahme der Universitätsleitung will die Partei weiterhin ihr «Unbehagen» äussern, «dass die extreme Seite des Islams eingeschleust wird und rasch Fuss fassen kann.»

Der Uni nicht den Mund verbieten

Der Vorwurf, dass sie sich doch eine transparente muslimisch-religiöse Praxis gewünscht hätten, kann Zosso nicht aus der Ruhe bringen. Er entgegnet: «Es soll keine Imam-Ausbildung geben. Für das Angebot der Fort- und Weiterbildung sind aus unserer Sicht mit den bereits bestehenden Fakultäten die Möglichkeiten vorhanden.»

Ein Moslem steht vor einem Gestell voller islamischer Bücher.
Legende: Islam Das Zentrum ermöglicht die Erforschung islamischer Texte. imago

Auch die in der Verfassung verankerte «Lehr- und Forschungsfreiheit» erachtet die SVP nicht als gefährdet. «Wir verbieten der Universität Freiburg nicht den Mund», sagt Zosso. Sie seien bloss dagegen, «dass ein Zentrum für Islam und Gesellschaft entsteht und auf der anderen Seite mit den beschlossenen Sparmassnahmen des Staates an anderen wichtigen Fakultäten wie beispielsweise der Medizin Abstriche gemacht werden müssen.»

Chance für einen «differenzierten und distanzierten Umgang mit dem Islam»

Jürgen Mohn, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Basel, sieht eine massgebliche Chance «in einem differenzierten und distanzierten Umgang mit dem Islam», der durch das Zentrum in der Öffentlichkeit bewirkt werden könne. Dass ein entsprechendes Ausbildungsangebot «radikale Kräfte» anziehen könne, glaubt er nicht. Allerdings schätzt er die Möglichkeiten des Zentrums zur Vorantreibung der Integration als eher gering ein. Die entsprechenden Probleme könnten einerseits nicht akademisch gelöst werden. Andererseits sei zu bezweifeln, dass durch das Zentrum alle Muslime angesprochen würden. «Man wird nur diejenigen erreichen, die sich erreichen lassen wollen.» Schliesslich gibt er zu bedenken, dass die christliche Theologie anders als eine mögliche islamische «in Jahrhunderten in ihre heutige Rolle hineingewachsen» sei. Dabei hätte sie «viel homogenere Voraussetzungen als heute die verschiedenen muslimischen Richtungen» gehabt.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Naivität in der CH ist äusserst erstaunlich. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass man hierzulande immer noch glaubt, der Grossteil der Muslime liesse sich integrieren. Einen feuchten Kehrricht werden diese Menschen tun. Dazu braucht es nur einen kurzen Blick in die Aussenbezirke von Strassburg, London, Marsaille, Berlin oder Paris.
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    1. Antwort von m.miitulla, wil
      @B.Kerzenmacher. In der Schweiz sind sehr viele Muslime in unseren Alltag integriert - ohne Probleme, wie übrigens auch in den USA. Trotzdem bin ich der Ansicht, die Schweiz sollte den Forderungen nach Anerkennung der Religion erst stattgeben, wenn der politischer und religiöser Islam getrennt sind. Der politische Teil mit Scharia ist absolut abzulehnen. Da könnte die Schweiz eine Pionierarbeit leisten.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    "gemässigten+progressiven Muslime"Bitte erst Einhaltung der Gesetze! "Laizistisch u.gleichzeitig Moslem zu sein,unmöglich",sagte Erdogan wiederholt,ebenso uva Politologe Abdel-Samad"es gibt keine moderaten Muslime,man ist Muslim oder nicht."Sie missachten die Religionsfreiheit,fordern Geschlechtertrennung an öffentl.Institutionen,hebeln mit Halalimport das Schächtverbot aus,zu viele verhindern im Namen Allahs ihre Integration durch optische Abgrenzung,wollen selbst im Tod nicht neben uns liegen.
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @B.Hermann. Das Ziel eines Islamischen Zentrums muss u.a. auch sein, den politischen Islam (Gesetztessammlungen in der Sharia) vom religiösen zu trennen. Anders ist ein Zusammenleben der Religionen innerhalb unserer Bundesverfassung gar nicht möglich.
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    2. Antwort von Amira Salem, Zürich
      @mitulla, und wo gibt es bitte schön das politische Islam in der Alltag für Muslime in der Schweiz?
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    3. Antwort von m.mitulla, wil
      @A.Salem. Die meisten Muslime in der Schweiz sind gut integriert und beharren nicht auf die Einhaltung der politischen Forderungen des Islam. Solche Forderungen wären beispielsweise die Vormachtsstellung des Mannes gegenüber der Frau, Zwangsehen, Bekleidungsvorschriften, Strafnormen (Blasphemie, Konvertierung, Fatwa), Erbrecht (Mädchen werden benachteiligt), Familienrecht (z.B.Eherecht) Recht auf Schächtung, Recht auf nationale Einhaltung musl. Feiertage, usw. usw. Fragen Sie im IZRS nach.
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    4. Antwort von m.mitulla, wil
      ... und noch ein kleiner Nachtrag: Der EGMR) urteilte in mehreren Verfahren die Scharia sei „inkompatibel mit den fundamentalen Prinzipien in der Demokratie“ Weil aber die Scharia im Koran begründet ist und Islamisten sich weigern ihre Religion zu reformieren, also Politik und Recht von Religion zu trennen, sollten wir die Islamwissenschaft, begründet auf europäischen Prinzipien, unterstützen. Ich kenne viele freiheitsliebende Muslime, die sich so eine Distanzierung von den Islamisten wünschen.
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    5. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      @mitulla, Ich glaube Sie verwechseln Apfel mit Birnen mit Ihrem Definition von Politische Rechte im Islam. Das sieht man Schon in den Beispiele, die Sie erwähnt haben. Im Islam gibt es übrigens kein Zwangsehen. Außerdem was meinen Sie mit "Fatwa" als politisches Recht. Und schließlich können Sie uns sagen welche EGMR Urteile, (Datum und Ref.Nr) die Sie erwähnt haben? der Rest was Sie erwähnt sind Vorurteile, die Sie von Ihren Medien erhalten.
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    6. Antwort von m.mitulla, wil
      ... und der Rest wie beispielsweise die Urteile des EGMR können sie selber nachlesen. Viele politische Forderungen wie "Fatwas" kommen aus islamisch regierten Ländern ebenso wie "arrangierte" (unfreiwillige) Ehen. Die Trennung von Politik und Religion ist der einzige gangbare Weg im Zusammenleben der verschiedenen Religionen. Diese Meinung vertrete ich nicht allein - viele Menschen in Europa, Muslime, Juden und Christen möchten in Freiheit zusammenleben, und zwar ohne Scharia.
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  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Der gesamte deutsche Bundestag fordert die sofortige Freilassung von Raif Badawi - siehe Link http://www.dw.de/bundestag-fordert-freilassung-badawis/a-18225051 Man lese genau, weshalb Badawi verurteilt wurde - er hat den Islam beleidigt mit der Aussage, dass alle Menschen gleich seien, Christen, Juden und Moslems - dies sagt wohl alles zur Doktrin des Islam gegenüber anderen Gesellschaften und Religionen. Daran wird auch ein Lehrstuhl an einer klerikalen Uni nichts ändern.
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @R.Michel. Doch - genau aus den von Ihnen genannten Gründen ist es wichtig in Europa die Möglichkeit für freiheitsliebende Muslime zu bieten, den Koran zu studieren und "den Islam" zu reformieren. Das Ziel ist eine Trennung von Politik und Religion. Nur so ist ein friedliches Zusammenleben der versch. Religionen möglich. Es besteht durchaus auch die Hoffnung, dass ein neues Glaubensverständnis auch auf andere Kontinente ausstrahlt. Das dürfte allerdings noch viele Jahrzehnte oder Jhte dauern...
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