Zum Inhalt springen

Header

Video
«Herr Bundesrat, haben Sie gut geschlafen?»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 21.04.2021.
abspielen
Inhalt

Debatte um Covid-Zertifikate Erwartet uns eine versteckte Impfpflicht, Herr Berset?

Alain Berset hat die Strategie für die nächsten Monate vorgestellt. Dabei wurde auch bekannt, dass es für nicht geimpfte Personen zu grösseren Einschränkungen kommen könnte, als für geimpfte. Doch für den Bundesrat ist klar: Eine versteckte Impfpflicht sei das nicht.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der 49-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er für den Kanton Freiburg im Ständerat und übte dort 2008/2009 das Amt des Ständeratspräsidenten aus.

SRF News: Herr Bundesrat, haben Sie gut geschlafen die letzten Tage?

Alain Berset: Ja. Wieso?

Sie haben letzte Woche gesagt, wenn sich die Leute bei den Lockerungen ab Montag nicht an die Regeln halten, dann gäbe es eine Katastrophe.

Ich habe gut geschlafen. Und ich weiss auch, dass die Menschen in der Schweiz in den letzten 14 Monaten sehr gut mitgemacht haben. Das ist sehr wichtig, weil es uns erlaubt, trotz steigenden Zahlen gewisse Öffnungen zu machen – im Wissen, dass die Leute mit viel Eigenverantwortung handeln.

Die wissenschaftliche Taskforce hat gestern ziemlich erschreckende Szenarien präsentiert; es könnte bis zu 10'000 Fälle pro Tag geben, trotz intensiver Impfkampagne.

Die Situation ist tatsächlich sehr fragil. Wir können jetzt nicht einfach sagen: Die Terrassen sind offen, jetzt nehmen wir es locker. Wichtig ist, eine gute Mischung zwischen Öffnungsschritten und Aufpassen zu finden. Die Taskforce hat einmal mehr gezeigt: Die Situation bleibt fragil.

Sie haben heute das Drei-Phasen-Modell vorgestellt. Ab August sollten wir in die Normalisierungsphase kommen. Dann gibt es keine Einschränkungen mehr, dann sollte normales Leben herrschen, richtig?

Ja, das Ziel ist, dass wir all die Restriktionen aufheben können. Vielleicht bleiben gewisse Empfehlungen wie in gewissen Situationen eine Maske zu tragen. Aber wir müssen, gerade jetzt, sehr vorsichtig bleiben. Denn wenn wir jetzt die Kontrolle verlieren, dann verlängert sich die Krise.

Das alles funktioniert nur, wenn die Impfungen funktionieren. Es gab verschiedene Lieferengpässe, viele Leute bezweifeln, dass das Impfziel eingehalten werden kann. Intervenieren Sie eigentlich, wenn wieder eine solche Lieferverzögerung passiert?

Aber natürlich. Ich bin mit dem Bundesamt für Gesundheit seit 14 Monaten in ständigem Kontakt. Und natürlich haben wir auch sehr enge Kontakte mit den Herstellern. Um konkret zu sein: Ich hatte gestern ein Gespräch mit den Herstellern, ich habe heute ein Gespräch, und morgen werde ich wieder ein Gespräch haben.

Unser einziges Ziel ist, die Wahlmöglichkeit zu geben.

Und da mahnen Sie dann auch die fehlenden Lieferungen an?

Klar, und die Verträge müssen ja auch respektiert werden, was bis jetzt immer der Fall war, trotz kleinen Verschiebungen. Eine Krise bekämpfen heisst immer auch, mit Knappheit umzugehen. Jetzt ist es die Knappheit bei den Impfstoffen. Aber es bleibt dabei: Wir sind sehr gut aufgestellt mit den besten Impfstoffen, die es gibt, und mit grossen Mengen, die jetzt im Mai und Juni kommen werden.

Wenn es ab August keine Beschränkungen geben wird und es trotzdem wieder zu einer schwierigen epidemiologischen Lage kommen würde, dann könnte es auch wieder Maskentragpflicht, Abstandsregeln und andere Einschränkungen geben, aber nur für Menschen, die nicht geimpft sind. Viele sagen jetzt, das sei eigentlich eine versteckte Impfpflicht!

Das ist falsch. Unser einziges Ziel ist, die Wahlmöglichkeit zu geben: Wer sich impfen lassen will, muss einen Zugang zur Impfung haben. Wer ein Covid-Zertifikat haben will, muss einen Zugang dazu haben. Wer das nicht will, der muss vielleicht in bestimmten Situationen einen Test nachweisen. Aber schauen Sie: Wer heute in ein Flugzeug steigen will, braucht einen Test. Wer nach Deutschland oder Frankreich reisen will, muss einen Test machen. Das funktioniert ja jetzt schon. Und hoffentlich brauchen wir das dann irgendwann mal gar nicht mehr.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau, 21. April 2021, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

281 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Morgenroth  (ThM)
    Zum x-ten Male bei den Kommentaren zum Thema „Impfpflicht“:
    Diese Diskussion kann doch wirklich erst dann sinnvoll geführt werden, wenn alle Sicherheitsbedenken bezüglich der Impfung verlässlich ausgeräumt sind - inkl. der Gefahren von Spätschäden. Und dies wird frühestens in einigen Jahren der Fall sein.
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      spätfolgen von impfungen treten in der geschichte der impfungen gemäss experten innerhalb weniger monate nach der impfung auf.
    2. Antwort von Thomas Morgenroth  (ThM)
      ... hoffentlich haben Sie recht.
      Ich höre auch anderes ...
  • Kommentar von Delfina Rebel  (Delfina)
    @Martin Vischer: die Impfpflicht stellt gemäß Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte in einer Pandemie keine Verletzung der Menschenrechte dar. Ist in der NZZ von Anfang dieser Woche nachzulesen.
  • Kommentar von Marion Boos  (marionboos)
    Mir macht es Sorgen (Impfprivilegien) und wenn die Maskenpflicht zu früh aufgehoben werden würde bei geimpften, denn diese können das Virus trotzdem übertragen. Personen die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht Impfen lassen können/dürfen, würden somit einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt und an diese Personen die so oder so schon damit bestraft und in ihrer Freiheit eingeschränkt sind, denkt leider niemand.
    1. Antwort von Peter Buess  (Pebs)
      Mit welcher Studie ist das belegt, dass Immunisierte, ob geimpft oder durchgemachte Erkrankung, noch das Virus weitergeben können?