Del Ponte: Keine politische Einflussnahme im Fall Würenlingen

Nach dem Terroranschlag auf eine Swissair-Maschine in Würenlingen 1970 soll der Bundesrat laut jüngsten Enthüllungen Ermittlungen verhindert haben – wegen eines Geheimabkommens mit den Palästinensern. Dem widerspricht die frühere Bundesanwältin Carla Del Ponte nun.

Porträt von Del Ponte

Bildlegende: Carla Del Ponte war von 1994 bis 1998 Bundesanwältin. Keystone

Der Bundesrat soll die Ermittlungen zum Terroranschlag auf die Swissair-Maschine in Würenlingen, bei dem 1970 47 Menschen getötet worden waren, wegen eines Geheimabkommens mit der Palästinenserorganisation PLO gestoppt haben. Das deckte Journalist Marcel Gyr kürzlich auf.

«Stimmt nicht!», sagt nun die frühere Bundesanwältin Carla Del Ponte gegenüber Radio SRF. Ihre Motivation sei stets Gerechtigkeit für die Opfer gewesen. Deshalb habe sie 25 Jahre nach dem Attentat die Akte Würenlingen wieder hervorgeholt. «Ich sagte meinen Leuten, ‹da müssen wir weiter ermitteln›.»

Keine Hinweise auf Eingriffe der Regierung

Del Ponte schaute 1995 auch die Akten zu den bisherigen Ermittlungen durch. Darin habe sie «überhaupt» keinen Entscheid der Schweizer Regierung gesehen, die Ermittlungen zum Terroranschlag zu verhindern. Formell gab es also offenbar keine Weisung des Bundesrats an die Bundesanwaltschaft.

Ein Geheimabkommen mit der PLO sei auch bei der Wiederaufnahme der Ermittlungen nie Thema gewesen, so Del Ponte weiter. «Wir wussten nichts von der angeblichen Zusammenarbeit. Wir konnten weiter ermitteln, und haben es auch gemacht.»

Ermittlungen wurden 2000 eingestellt

Trotzdem führten auch Del Pontes Ermittlungen nicht zum Prozess. Im Jahr 2000 wurde der Fall eingestellt. Über die Gründe könne sie nichts sagen, stellt die frühere Bundesanwältin fest.

Sie war damals bereits an das Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien berufen worden. «Ich musste schnell nach Den Haag gehen. Daher habe ich nicht gesehen, wieso er so schnell eingestellt worden ist.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Opfer-Angehörige fordern Antworten

    Aus Schweiz aktuell vom 25.1.2016

    René Spahr hat beim Flugzeugabsturz in Würenlingen AG seine Tante verloren. In der Maschine war eine Bombe explodiert. Wie nun bekannt wurde, soll 1970 ein Stillhalteabkommen zwischen der Schweiz und der PLO eine Verfolgung der Attentäter verhindert haben. Die Kontakte für das geheime Abkommen geknüpft hatte der frühere SP-Nationalrat Jean Ziegler. René Spahr hat ihn getroffen und wollte von ihm Antworten.

  • Die Absturzstelle liegt nur ein paar hundert Meter neben dem Atomforschungsreaktor von Würenlingen. Die Ermittlungen zeigen :  Im Frachtraum der Swissair-Maschine ist eine Paketbombe explodiert, ausgelöst durch einen Höhenmesser.

    Terror in der Schweiz - Swissair-Absturz von Würenlingen 1970

    Aus Rendez-vous vom 20.1.2016

    Der grösste Anschlag ereignete sich am 21. Februar 1970 in der Nähe von Würenlingen. Im Gepäckraum einer Swissair-Maschine explodierte eine Bombe, 47 Menschen starben dabei.

    Ein Blick zurück und ein Gespräch mit Marcel Gyr, Autor des Buches «Schweizer Terror-Jahre – das geheime Abkommen mit der PLO».

    Peter Maurer und Ivana Pribakovic