Demo in Bern gegen «Meuchelmord an Griechenland»

Auch in der Schweiz wird über die Abstimmung in Griechenland heftig diskutiert. Linke und Grüne, die sonst fast immer pro-europäisch sind, sie haben gestern in Bern gegen die Politik der europäischen Institutionen protestiert. Sie wünschen sich ein Nein bei der Volksabstimmung in Griechenland.

Cédric Wermuth

Bildlegende: SP-Mann Cédric Wermuth: Frau Merkel und die Eurogruppe zerstören das Vertrauen in dieses Europa. Keystone

Etwa 150 Menschen stehen in Bern vor der EU-Botschaft in der Hitze und machen ihrem Ärger über das europäische Gebaren gegenüber den Griechen Luft.

«Das ist im besten Falle aktive Sterbehilfe»

Was die Eurogruppe mit Griechenland mache, das sei keine sinnvolle Therapie, ruft SP-Mann Cédric Wermuth ins Mikrophon: «Das ist im besten Falle aktive Sterbehilfe. Faktisch aber eher Beihilfe zum Meuchelmord. Und das dürfen wir nicht mehr zulassen. Dagegen muss Europa aufstehen.»

Meuchelmord an Griechenland – ein harter Vorwurf an die EU und das wohlgemerkt von einem, der sich für den EU-Beitritt der Schweiz einsetzt. Cédric Wermuth hat kein Problem mit diesem Widerspruch. Er hat auch kein Problem jetzt den Stellvertreter des EU-Botschafters zum Buhmann zu machen und ihm vor den anderen Demonstranten einen Abfallsack auf die Schultern zu laden. Einen Abfallsack mit den Schulden Griechenlands.

«Merkel und Eurogruppe zerstören Vertrauen»

Kritik brauche es, sagt Wermuth, gerade weil ihm die EU am Herzen liege: «Ich fühle mich als Europäer. Ich möchte am europäischen Gedanken festhalten. Ich glaube daran, aber die Frau Merkel und die Eurogruppe, sie zerstören das Vertrauen in dieses Europa.»

Die Demonstration der Linken ist natürlich nicht in erster Linie gegen die EU-Institutionen gerichtet, sondern vor allem als Unterstützung für die linke Regierung in Athen gedacht. Auch in der SP und bei den Grünen gibt es zwar viele, die am Sinn des extrem kurzfristig organisierten Referendums in Griechenland zweifeln.

«Respektlos gegenüber Demokratie»

Aber sie wollen ein Zeichen setzen, gegen die Macht der Geldgeber und für einen würdigen Umgang mit dem griechischen Volk. So sagt es Jo Lang, Vizepräsident der Grünen. Und auch er, ein überzeugter Pro-Europäer hat derzeit kein Lob übrig für die EU: «Eine Vereinigung, die derart respektlos gegenüber Demokratie und gegenüber sozialen Errungenschaften, die gefährdet sich selber.»

Die Griechenlandfrage sorgt derzeit also für eine bemerkenswert grosse Distanz zwischen der Schweizer Linken und der EU.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Stillstand in Griechenland

    Aus Tagesschau vom 2.7.2015

    Abwarten ist angesagt: Bis zum Referendum am Sonntag machen die Eurogruppe und der Währungsfonds erst einmal gar nichts mehr. In Griechenland kämpfen derweil Gegner und Befürworter eines Sparkurses mit immer giftigeren Tönen um Stimmen für das Referendum.

  • Griechen mit Fragestellung auf Wahlzettel überfordert

    Aus Tagesschau vom 2.7.2015

    Die Formulierungen auf dem griechischen Referendums-Wahlzettel sind kompliziert und erfordern zusätzliches Wissen - Erläuterungen fehlen aber auf dem Zettel. Vielen Stimmberechtigten ist deshalb nicht klar, worüber sie eigentlich abstimmen.