Den Wilderern in der Nationalpark-Region auf der Spur

Klassische Wilderei kommt in der Schweiz kaum mehr vor. Dafür werden immer mehr unerwünschte Grossraubtiere illegal geschossen. Das bereite ihm Sorgen, sagt Nationalpark-Direktor Heinrich Haller. Er hat seine Recherchen über die Wilderei im rätischen Dreiländereck nun in einem Buch veröffentlicht.

Ein Rothirsch liegt auf dem Boden.

Bildlegende: Ein Rothirsch, der in der Nationalpark-Region illegal abgeschossen wurde. ZVG, Heinrich Haller

Immer wieder werden in der Schweiz illegale Abschüsse von Wildtieren entdeckt. Wie verbreitet die Wilderei hier tatsächlich sei, lasse sich wegen der Dunkelziffer allerdings nur schwer sagen, erklärt Heinrich Haller, Direktor des Schweizerischen Nationalparks. Er hat sich 15 Jahre lang mit Wilderern in der Nationalpark-Region beschäftigt. Seine Recherchen erscheinen nun in einem Buch.

In flagranti entdeckt

Haller war über 1000 Tage und Nächte im Grenzgebiet zwischen der Schweiz, Italien und Österreich unterwegs. Frühmorgens zog er los und machte sich auf die Suche nach Wilderer-Spuren. Er konnte gar Wilderer bei ihrem Treiben beobachten. «Während einer Observierung hörte ich einen speziellen Knall. Ich wusste sofort, dass ein Schalldämpfer im Spiel war. Ich folgte dem Geräusch und entdeckte zwei Wilderer, die im offenen alpinen Gelände eine Gämse geschossen haben.» Die Wilderer konnten unerkannt fliehen.

Früher seien es italienische Frevler gewesen, die aus den benachbarten Tälern über die Grenze gekommen seien, um im Nationalpark reiche Beute zu machen, sagt Haller. Heute gebe es die klassische Wilderei vor allem noch südlich des Nationalparks in Italien. Drei bis vier Wilderer flögen jedes Jahr im Dreiländereck auf. «Im Raum Bormio – Valfurfa werden jedes Jahr zwischen fünf und zehn Wilderei-Fälle gefunden.» In diesen Fällen stösst die Wildhut nur noch auf die Überreste von geschossenen Tieren.

Wärmebildkameras gegen Wilderer

Auch im streng geschützten Nationalpark hat es in der Vergangenheit Fälle von Wilderei gegeben, erinnert sich Haller. «Ich habe selber im November 2004 einen ganz krassen Vorfall entdeckt: einen geschossenen Steinadler, zwei Gämsböcke und ein Rothirschtier am selben Ort. Das war ein klares Signal, um mit neuen Methoden dagegen vorzugehen.»

Die Arbeitsgruppe Wilderei wurde ins Leben gerufen. Mit dabei sind Leute des Nationalparks, der Polizei und des Grenzwachtkorps. «In Zusammenarbeit mit solchen Korps ist es möglich, schwerere Mittel einzusetzen und die Helikopter damit aufzurüsten, selbst mit Wärmebildkameras. Da müssen sich die Wilderer sehr warm anziehen, wenn sie entrinnen wollen.» Seit zehn Jahren wurde im Schweizerischen Nationalpark laut Haller nun kein Fall von Wilderei mehr entdeckt.

Die klassische Wilderei sei in der Schweiz zwar kein grosses Thema, sorgen bereiten dem Nationalparkdirektor aber illegal abgeschossene Grossraubtiere wie Luchse und Wölfe – Tiere also, die nur gewildert werden, weil sie hier unerwünscht sind.

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