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Der Bund sucht IT-Cracks Zum VBS oder doch lieber zu Google?

Das Militärdepartement will die Cyber-Abwehr stärken und sucht fieberhaft nach IT-Talenten. Das tun auch andere.

Legende: Audio Grosser Bedarf an Informatik-Spezialisten abspielen. Laufzeit 04:05 Minuten.
04:05 min, aus Echo der Zeit vom 03.11.2017.
  • Das Militärdepartement VBS will die Cyber-Abwehr verstärken: Bis in drei Jahren sollen hundert zusätzliche Spezialisten angestellt werden.
  • Diese Spezialisten zu finden, ist aber gar nicht so einfach: Das Angebot an geeignetem Personal ist überschaubar.
  • Zudem suchen auch Grosskonzerne nach IT-Spezialisten, die die eigenen Systeme schützen.

Alle wollen Informatiker, die sich mit Cyber-Angriffen auf Firmennetzwerke auskennen und in der Lage sind, allfällige Schlupflöcher rechtzeitig zu erkennen und zu stopfen. Antonio Barresi ist ein solcher Spezialist. Er hat vor einigen Jahren den Master in Computerwissenschaften an der ETH Zürich gemacht.

Er habe einige Jobangebote gehabt, sagt Barresi:

Im Vergleich zu meinen Kollegen, die zum Beispiel etwas Sozialwissenschaftliches studiert haben, waren es Welten. Ich hätte innerhalb einer Woche einen Job haben können. Die anderen machen Praktikum auf Praktikum und finden dann trotzdem nichts.

Barresi ging zunächst in die Privatwirtschaft. Vor zwei Jahren gründete er ein Startup, das Sicherheitssysteme für Firmennetzwerke entwickelt. Als Geschäftsführer ist er nun selber auf der Suche nach Fachleuten: «Es ist definitiv ziemlich schwierig. Im IT-Bereich generell. Bei der IT-Sicherheit ist die Auswahl noch weit eingeschränkter.»

Rekrutierungsprobleme bei der Migros

Nicht nur Barresi sucht diese Spezialisten. Gefragt sind sie auch in KMU, Verwaltungen und Grosskonzernen. Sicherheit im Netz geht längst viel weiter als etwa «nur» der Schutz der eigenen Daten auf einem Server.

Willi Breitenmoser leitet die Informatikabteilung der Migros Genossenschaft Zürich. Jeder Sensor produziere Daten, die sicher abgelegt werden müssten, sagt Breitenmoser: «Diese Kommunikation muss man im Griff haben. Es kann um banale Anlagen wie Lifte oder Rolltreppen gehen; wenn so etwas in einem Einkaufszentrum von aussen fremdgesteuert werden kann, ist das keine gute Idee.»

Kleines Angebot, grosse Nachfrage

Dass auch Breitenmoser kaum Sicherheitsspezialisten findet, liegt zum einen daran, dass es nur wenige Studienabgänger gibt: An der ETH Zürich etwa schliessen nur gut 120 Personen pro Jahr ein Informatikstudium mit einem Master ab, und nur ein kleiner Teil davon hat sich im Bereich Sicherheit spezialisiert.

Zum anderen gibt es auf dem Platz Zürich einen attraktiven Arbeitgeber, nämlich Google. Google könne jeden holen, den es möchte, heisst es – auch Bundesrat Guy Parmelin hat in einem Zeitungsinterview dem US-Unternehmen unterstellt, es ziehe einen Grossteil der ETH-Absolventen ab.

Für Personalvermittler Michael Agoras von PermServ greift diese Erklärung zu kurz: «Bei Google ist klar: Dort habe ich Abenteuer, der Arbeitsplatz gefällt mir und ich bekomme von Anfang an die ‹goldenen Fesseln› montiert.» Der Bund habe dagegen in der Kommunikation, der Schaffung eines anziehenden Images, «sehr viel Nachholbedarf».

Unternehmen müssten sich zudem fragen, ob für alle Jobs wirklich nur ETH-Absolventen in Frage kommen. Man könnte ja auch eigene Leute weiterbilden, ergänzt der Personalfachmann.

Die IT-Elite selber produzieren?

In den eigenen Nachwuchs investieren ist auch für die Migros Zürich eine der Lösungen, die sie verfolgt. Nicht so für Startup-Gründer und Cyber Security-Spezialist Barresi: Um seine Firma voranzubringen, sei er auf sehr spezialisiertes Know-how angewiesen und müsse dafür gute Löhne zahlen können.

Möchte der Bund im Kampf um die besten Informatiktalente mithalten können, sei der Lohn eine Sache, vor allem müsse er eine interessante Aufgabe bieten: «Geht es nur darum, ein System zu überwachen, zu schauen, ob etwas ausfällt?»

Das sei kaum interessant und kreativ, sagt Barresi. Es gebe Jobprofile, die weit attraktiver seien: «In der IT-Sicherheit gibt es das Konzept des ‹Red Teaming›: Das sind Leute, die Systeme kontinuierlich angreifen, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen. Das sind Jobs, bei denen man sich austoben kann.»

Auch wenn alle Faktoren stimmen: Bei dem riesigen Bedarf nach Informatik-Spezialisten bleibt die Suche nach geeignetem Personal schwierig.

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