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Frühfranzösisch im Thurgau «Der Entscheid steht auf der Kippe»

Der Thurgauer Grosse Rat entscheidet heute über das Frühfranzösisch. SRF-Regionalkorrespondent Philipp Gemperle erwartet eine knappe Abstimmung.

Junger Mann im Radiostudio mit Kopfhörer vor dem Mikrofon.
Legende: Philipp Gemperle ist Redaktor des SRF-Regionaljournals Ostschweiz. srf

Wie stehen die Chancen, dass der Thurgauer Kantonsrat bei der Abschaffung des Frühfranzösisch bleibt?

Philipp Gemperle: Das ist sehr schwierig zu sagen. Sicher ist, dass es sehr knapp wird. Nur acht Parlamentarier müssen ihre Meinung seit der letzten Debatte geändert haben, um den Entscheid zu kippen. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass einige diesmal anders stimmen werden als beim letzten Mal. Spricht sich der Rat doch noch fürs Frühfranzösisch aus, bleibt alles beim Alten und die Aufregung war umsonst. Schafft er es ab, dürfte es im Kanton Thurgau zu der Frage eine Volksabstimmung geben.

Wieso ein Urnenentscheid? Der Kantonsrat hat doch die Kompetenz, den Frühfranzösisch-Entscheid selber zu fällen?

Vor allem die Befürworter des Frühfranzösisch würden wohl eine Volksabstimmung fordern – in der Hoffnung, den Entscheid dabei zu kippen. Für eine Abstimmung braucht es bloss 30 der insgesamt 130 Parlamentarierstimmen. Hinzu kommt, dass sich das Volk 2006 für zwei Fremdsprachen in der Primarschule ausgesprochen hatte. Sollte dieser Entscheid nun gekippt werden, sollte das wiederum durch das Volk geschehen, finden viele Kantonsräte.

Die Diskussion ums Frühfranzösisch läuft in Thurgau seit Monaten – gab es in den letzten Wochen überhaupt noch eine Debatte?

Ja. Sie lief intensiv weiter – in den Medien, aber auch unter den Parlamentariern. Die Thurgauer Regierung und die Frühfranzösisch-Befürworter haben in den letzten Wochen stark lobbyiert, das Bildungsdepartement hat Verbesserungen in der Primarschule präsentiert. So soll künftig etwa der Halbklassen-Unterricht möglich werden, ausserdem sollen einfache Dispensationsmöglichkeiten eingeführt werden. Das dürfte bei einigen Kantonsräten tatsächlich zu einem Umdenken geführt haben. Zudem haben auch die Lehrer ihre Meinung geändert. Während sie in einer ersten Umfrage für die Abschaffung des Frühfranzösisch waren, sind sie inzwischen dagegen.

Das Gespräch führte Lukas Mäder.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Den Möglichkeiten der Kinder und Jugendilchen entsprechend, den Schulstoff auswählen und zusammenstellen - enorme Entwicklungsphasen von Körper, Geist und Seele - und endlich mehrheitlich gesamtschweizerisch, ein Bildungswesen aufbauen, zur Vereinfachung, zur besseren Übersicht (bei Umzügen für Kinder, Eltern, Lehrpersonen) und kostengünstiger für die Mini-Schweiz!!
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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Als waschechter Thurgauer der schon lange in der Westschweiz lebt schäme ich mich vor diesem "Hinterwäldlertum". Französisch ist ein wichtiger Bestandteil unserer gemeinsamen Schweizer Kultur und jeder Deutschweizer sollte sich auf französisch verständigen können. Jedes normal intelligente Kind ist in der Lage 2 Fremdsprachen zu erlernen. Jene Pädagogen die Frühfranzösisch ablehnen wegen fremdsprachigen Ausländern sind unfähig oder zu bequem. Sie setzen unseren Zusammenhalt auf's Spiel.
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    1. Antwort von Dominik Niedermann (d_lowman)
      Ich denke, sie haben möglicherweise den Kern des Entscheids nicht erfasst. Es geht lediglich um den Zeitpunkt des Französischunterrichts. Die Thurgauer werden auf jeden Fall gleich viel Französisch lernen. Der Grosse Rat entscheidet lediglich darüber, ob das in der Primar- oder Sekundarschule geschieht. Nicht ob, sondern wann.
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  • Kommentar von Thomas Steiner (Tom Stone)
    Die Sprache wird an der Schule unterrichtet. Die armen Eltern sind also nicht sooo arm. Aber typisch Schweiz: Ein Entscheid ist noch lange kein Entscheid, das muss zuerst entschieden werden, um dann den Entscheid anzufechten, weil man gerne einen anderen Entscheid hätte, den man dann anfechten kann, weil man gerne ...
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