Der Kampf um Transplantationen ist lanciert

Noch dieses Jahr soll der Entscheid fallen, wo in der Schweiz künftig Herzen transplantiert werden. Lausanne gilt als gesetzt, Bern und Zürich kämpfen noch um den zweiten Standort. Nun geht Bern in die Offensive und kündigt den Bau eines Schweizerischen Herz- und Gefässzentrums an.

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Konkurrenzkampf in der Herz-Medizin

1:44 min, aus Tagesschau am Mittag vom 5.3.2013

Herzinfarkt, Lungenembolie, Thrombose: Die Behandlungen für solche Herz- und Gefässkrankheiten will das Berner Inselspital unter einem Dach zusammenfassen. 440 Millionen Franken wirft die Berner Universitätsklinik dafür auf, 2020 soll der Neubau stehen.

Das Inselspital stellt die Pläne just jetzt vor, kurz bevor der Entscheid zu den Herz-Transplantationen fallen soll. Denn künftig sollen Herzen nur noch in zwei Zentren in der Schweiz transplantiert werden, wobei Lausanne als gesetzt gilt. Um das zweite Zentrum streiten sich Bern und Zürich.

Thierry Carrel: «Kein Zusammenhang»

Bringt sich Bern mit den Plänen nun in Stellung? «Einen direkten Zusammenhang sehe ich bei bestem Wissen nicht», sagt Thierry Carrel. Er leitet die Berner Uniklinik für Herz- und Gefäss-Chirurgie. Es gehe bei dem Zentrum in erster Linie um die Betreuung der 29'000 Herz- und Gefässpatienten, nicht um die 15 Herz-Transplantationen pro Jahr.

Porträt-Bild von Thierry Carrel.

Bildlegende: Thierry Carrel, Leiter der Berner Uniklinik für Herz- und Gefäss-Chirurgie. Keystone

Trotzdem möchte der Herzspezialist nicht auf die Herz-Verpflanzungen in Bern verzichten. Sparen werde man mit einer Konzentration auf nur zwei Standorte nichts: Es sei nie nachgewiesen worden, ob mit einem, zwei oder drei Zentren unterschiedliche Kosten anfallen würden, führt Carrel aus. Denn für Herz-Transplantationen werde dieselbe Infrastruktur gebraucht, die für tausende andere Herz- und Gefäss-Patienten nötig sei.

Carrel plädiert darum dafür, den «unethischen Wettbewerb» zu beenden und Herz-Transplantationen an den drei Zentren Lausanne, Zürich und Bern beizubehalten.

Gleiche Argumente aus Zürich

Das ist ganz im Sinn des Zürcher Gesundheitsdirektors Thomas Heiniger. Die Ausbaupläne in Bern sorgen bei ihm denn auch nicht für Herzrasen: «Es ist nach wie vor meine Überzeugung, dass es nicht sinnvoll ist, Herz-Transplantationen gesondert zu behandeln», ist er wie Herzspezialist Carrel überzeugt. Denn diese würden mit der ganzen Herzchirurgie zusammenhängen.

Auch Zürich hat seine Kräfte Anfang Jahr gebündelt: Universitätsspital und Stadtspital Triemli arbeiten bei der Herz-Chirurgie nun zusammen. Zürich und Bern geben also nicht auf. Sie setzen darauf, dass das zuständige Gremium die Konzentration auf zwei Standorte nochmals überdenkt.

Bildung von Zentren unumgänglich?

Für Gesundheitsökonom Willy Oggier aber wäre ein solcher Entscheid ein Armutszeugnis für die Politik. Man müsse in der Schweiz endlich den Mut zur Zentren-Bildung haben, sagt er. Denn der Wettbewerb werde nicht zwischen Bern, Zürich und Basel ausgetragen. «Der spielt sich ab zwischen den einzelnen Ländern», so Oggier. Wenn sich die Schweiz auch international positionieren wolle, brauche es Mut zur Grösse und auch Mut zur Lücke.

Doch auch Williy Oggier kann nachvollziehen, wenn Bern jetzt mit der grossen Kelle anrichtet und Zürich sich neu positioniert. Denn schlussendlich gehe es darum, wer das grösste schweizerische Herzzentrum werde: «Weil man mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zukunft mit der neuen Spitalfinanzierung auch Geld verdienen kann.»

Das Seilziehen um die Herz-Spitzenmedizin dürfte jetzt so richtig lanciert sein. Ein Entscheid wird noch in diesem Jahr erwartet.

(snep;basn)