«Der Schweizer Pavillon kommt gut weg»

Der Schweizer Pavillon an der Mailänder Expo zieht keine Massen an, überzeugt aber mit mit seinem durchdachten Konzept. SRF-Korrespondent Alexander Grass ortet die Probleme beim Missmanagement der Expo-Leitung.

SRF News: Herr Grass: Gemäss Mediensprecher vom Schweizer Pavillon kommen nur 8000 Besucher in den Schweizer Pavillon. Im Vergleich zu den Prognosen ist das dürftig.

Alexander Grass, SRF-Korrespondent aus dem Tessin.

Bildlegende: Alexander Grass, SRF-Korrespondent aus dem Tessin. SRF

Alexander Grass: Sie sprechen die Zahl 16‘000 an, die vor Beginn der Expo prognostiziert wurde. Diese Zahl war schon damals illusorisch. 16'000 Besucher würde der Schweizer Pavillon vielleicht dann erreichen, wenn sie jeden Tag ein Auto verlosen würden.

Sie haben bereits früher einmal die italienische Expo-Leitung kritisiert. Welche Erfahrungen haben Sie da gemacht?

Die Organisation der Weltausstellung war ein Desaster und ist ein Desaster. Ich habe gut ein Dutzend E-Mails an die Medienstelle gesandt und nur drei mal eine Antwort erhalten. Die Telefonnummern wurden grösstenteils nicht bedient. Meine Kollegen von tvsvizzera.it wollten jeden Tag über die Expo berichten. Sie fanden keine Ansprechpartner, wussten nicht einmal, wie sie ihre Technik ins Gelände bringen könnten. Am Ende verzichtete tvsvizzera.it. Jeder Fussballverein betreut die Medienvertreter besser.

Sie schildern jetzt Medienprobleme. Die haben doch nichts mit den normalen Expo-Besuchern zu tun.

Doch, haben sie. Durch das Missmanagement der Expo geht eine qualitative Berichterstattung verloren. Weniger Medien-Berichterstattung bedeutet weniger Sichtbarkeit, bedeutet weniger Besucher. So wie das hier aber gehandhabt wird, verlaufen sich die Menschen eher zufällig in die Pavillons. Ich vermisse vor allem gezielte Besucher, die sich Wochen vor dem Besuch in den Medien schlau gemacht haben, welche Diskussionen an welchen Tagen stattfinden.

Dazu kommt, dass der Pavillon von aussen keine architektonische Schönheit ist. Wie bewerten Sie diesen Aspekt?

Von aussen hat der Pavillon tatsächlich den Charakter eines Silo-Gebäudes. Was mir am Schweizer Auftritt aber doch gefallen hat, sind die Diskussionen, die im Inneren entstehen können. Und wenn ich die anderen Pavillons anschaue, dann fällt das Schweizer Resultat eigentlich ziemlich gut aus. Andere Länder haben sich eher lustlos mit dem Expo-Thema auseinandergesetzt. Im irischen Pavillon hängen zum Beispiel einfach Video-Installationen herum. Da entstehen keine Gedankenkicks bei den Besuchern!

Sie haben die Expo-Auftritte der Zürcher und Walliser miterlebt. Wie fällt da Ihr Urteil aus?

Bei den Wallisern bin ich mit dem Zählen nicht mehr nachgekommen. Da waren über 100 Mitglieder des Grossen Rats, drei Regierungsvertreter und etliche Behördenvertreter. Aus Zürich kamen Regierungsratspräsident Ernst Stocker und Stadtpräsidentin Corinne Mauch. Die Walliser benutzten ihren Auftritt als Produktwerbung und Treffen mit Geschäftspartnern. Mit der Idee der Expo hatten sie wenig am Hut. Beim Zürcher Auftritt wurde hingegen sehr auf das Thema eingegangen. Die Glas-Installation ist bei den Besuchern sehr gut angekommen.