Der Souverän entscheidet über die zweite Gotthardröhre

Der Bau eines zweiten Strassentunnels durch den Gotthard wird das Stimmvolk beschäftigen. Die Gegner der zweiten Gotthardröhre haben die Unterschriften zum Referendum eingereicht. Mehr als das Doppelte an Unterschriften wurde gesammelt. Die Argumente der Gegner sind vielfältig.

Ein Wohnwagen fährt aus dem Gotthard-Tunnel raus.

Bildlegende: Geht es nach den Gegner, soll der Gotthard-Strassentunnel nicht mit Hilfe einer zweiten Röhre saniert werden Keystone/archiv

Das Volk kann erneut über den Bau einer zweiten Röhre am Gotthard entscheiden. Die Gegnerinnen und Gegner haben die Unterschriften zum Referendum eingereicht, manche als Gämsen, Steinböcke oder Murmeltiere maskiert.

Der Verein «Nein zur zweiten Gotthardröhre» sammelte nach eigenen Angaben über 125'000 Unterschriften. Davon liess er 75'731 beglaubigen. Nötig sind 50'000 Unterschriften. Das ausgezeichnete Sammelergebnis zeige, dass der Gedanke des Alpenschutzes in der Schweiz bestens verankert sei, sagten die Vertreter des Vereins bei der Übergabe der Unterschriften.

Aus Sicht von Bundesrat und Parlament ist ein neuer Strassentunnel nötig, um den ersten, 1980 eröffneten zu sanieren. Der neue Tunnel soll ab etwa 2020 in sieben Jahren gebaut werden. Anschliessend würde der bestehende gesperrt und saniert. Ab etwa 2030 sollen dann beide Tunnels je einspurig betrieben werden.

Verdoppelung der Lastwagen befürchtet

Gegen diese Pläne stellen sich über 50 nationale, regionale und lokale Organisationen und Parteien, darunter die Alpeninitiative, der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) und die Parteien SP, Grüne und GLP. Sie glauben nicht daran, dass die Tunnels längerfristig tatsächlich einspurig betrieben würden.

Die Verdoppelung der Röhren am Gotthard werde über kurz oder lang zu einer Verdoppelung der Fahrspuren und einer Verdoppelung der Lastwagen führen, sagte Caroline Beglinger, Co-Präsidentin des Vereins «Nein zur zweiten Gotthardröhre». Die Beschränkung der Kapazitäten im Gesetz sei keine Versicherung gegen die Lastwagenflut.

Tausende Unterschriften aus dem Tessin

Am meisten Unterschriften wurden im Kanton Uri gesammelt. Die Gegner betonen indes, dass es auch im Tessin Widerstand gegen den Bau eines zweiten Strassentunnels gibt. Mehr als 10 Prozent der beglaubigten Unterschriften stammten aus dem Südkanton. Dies sei ein deutliches Signal, sagte Jon Pult, Co-Präsident des Nein-Vereins und Präsident der Alpen-Initiative. «Glauben Sie nicht, dass das Tessin geschlossen für den Tunnel ist.»

Die Tessiner Regierung und die bürgerliche Tessiner Vertretung im Bundeshaus, welche die zweite Röhre befürworten, gäben die Stimmung im Volk in keiner Weise wieder. Insbesondere im Südtessin litten die Menschen seit Jahren unter miserabler Luftqualität und chaotischen Zuständen auf den Strassen.

Güterverkehr auf die Schiene

Aus Sicht der Gegnerinnen und Gegner ist der Bau eines zweiten Strassentunnels unnötig. Dank des Gotthard-Basis-Eisenbahntunnels, der im nächsten Jahr eröffnet werden soll, stünden auf der Schiene genug Kapazitäten zur Verfügung, um den Güterverkehr konsequent von der Strasse auf die Schiene zu verlagern und die Sanierung des bestehenden Strassentunnels ohne zweite Röhre effizient und kostengünstig zu bewältigen.

Der Bau eines zweiten Tunnels ist mit 2,8 Milliarden Franken zwar teurer, als wenn der Tunnel zur Sanierung geschlossen würde, doch bliebe die Route bleibt durchgehend befahrbar. Damit soll insbesondere dem Anliegen des Tessins Rechnung getragen werden, während der Sanierung über eine gute Strassenverbindung an den Norden angeschlossen zu sein.

Es ist das dritte Mal nach 1994 (Alpenschutzinitiative) und 2004 (Gegenvorschlag zur Avanti-Initiative), dass das Volk direkt oder indirekt über den Bau eines zweiten Strassentunnels durch den Gotthard entscheiden kann. Bisher sagte es Nein.

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