Der SVP-Mann von der arabischen Halbinsel

Gabriel Lüchinger hat diesen Sommer sein Amt als Generalsekretär der SVP angetreten. Er blickt auf eine internationale Laufbahn zurück, war Verteidigungsattaché. Wer ist dieser Mann, der von Abu Dhabi in die Parteispitze der SVP gewechselt hat?

Lüchinger-Porträt

Bildlegende: Zieht die Strippen lieber im Hintergrund: SVP-Generalsekretär Gabriel Lüchinger. svp.ch

Bern, Bundesplatz. Da steht Gabriel Lüchinger, im grauen Anzug. Gross, glattrasiert, gut frisiert. Er zeigt auf das Wasserspiel auf dem Platz. «Der Brunnen und die Kinder, die im Wasser spielen, währenddem drinnen die National- und Ständeräte tagen, sind doch ein schönes Symbol dafür, wie nah die direkte Demokratie in der Schweiz ist und welche Bedeutung sie hat. Im Nahen Osten wäre das nicht möglich.»

Bis vor kurzem lebte Lüchinger im arabischen Raum – in Ägypten und im Emirat Abu Dhabi – als Verteidigungsattaché. Ein diplomatischer Brückenkopf der Schweiz für Militär, Nachrichtendienst und Rüstungsindustrie. Er war mittendrin im arabischen Frühling in Kairo, beeindruckt von den Jungen auf dem Tahrir-Platz. Er erlebte den Fall von Libyens Herrscher Gaddafi. Seine Partnerin stammt aus Jordanien. Lüchinger kennt die Region.

Der Netzwerker in seinem Element

Beim Eingang des Bundeshauses fängt ein Nationalrat Lüchinger ab. Es geht um Organisatorisches, um die Fraktionssitzung und den SVP-Jasscup. Als Generalsekretär ist Lüchinger das Herz der SVP. Er steht nicht im Rampenlicht, sondern organisiert und koordiniert. Die inhaltlichen Stossrichtungen geben andere vor. Doch oft nimmt der Generalsekretär Entwicklungen in der Partei als erster wahr. Er pflegt Kontakte zu Kantonalparteien, zur Parteibasis und zur Verwaltung.

Das Netzwerken, den Kontakt zu Menschen hat Lüchinger auch im Ausland geliebt: «Sei das in den Strassen von Kairo, bei den Beduinen in der Wüste, bei allen unterschiedlichen Nationen, mit denen ich arbeiten und die ich kennenlernen konnte. Die Araber sind sehr fröhliche Menschen, sehr menschlich. Diese persönlichen Kontakte waren immer ein riesiges Erlebnis. Und das hat mich auch irgendwie geprägt.»

Schweiz soll ein freies Land bleiben

Da kommt also ein weltgewandter Mann zurück in die Schweiz. Ausgerechnet zur SVP, zur Abschottungspartei, wie sie manchmal genannt wird. «Ich empfinde es gar nicht so, dass die SVP die Schweiz abschotten will.» Doch Lüchinger will sich mit dafür einsetzen, «dass die Schweiz ein freies Land bleibt, das auch mit der ganzen Welt im Kontakt stehen und handeln kann, und so ausserhalb einer EU bleibt, die am Ende unsere Souveränität einschränken würde».

Die EU sei in einer Welt von Nationalstaaten gescheitert, ist Lüchinger überzeugt. Darum findet er Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wichtiger denn je, auch wenn das die Kündigung der Europäischen Menschenrechtskonvention bedeuten könnte. Und der Kenner der arabischen Welt unterstützt ein Burkaverbot. Lüchinger ist voll und ganz auf Parteilinie.

Gleich ist Sitzung der Parteileitung, im Fraktionsbüro im dritten Stock. Mit dem Lift fährt er nach oben. Politisiert wurde der 39-Jährige bereits mit 15 Jahren, 1992, bei der EWR-Abstimmung. Seither ist ihm die Unabhängigkeit der Schweiz ein Anliegen. Lüchinger wurde Mitglied der jungen SVP. Es folgten Jus-Studium und Militärkarriere. Arbeit auf dem Parteisekretariat.

Rückkehr in ein doppeltes Zuhause

Dann stiess er zum Verteidigungsdepartement – als Vorbereitung auf die Aufgabe im Ausland. Noch während er in Abu Dhabi arbeitete, wurde klar: Die SVP-Führung will den Lüchinger als künftigen Generalsekretär. Den Lüchinger, der jung und intelligent ist, analytisch und diplomatisch. Er sagte zu.

«Ja, ich kam sehr gerne zurück. Die Schweiz ist für mich immer meine Heimat geblieben, auch wenn ich sechs Jahre in arabischen Ländern unterwegs war», sagt er. «Und so wie die Schweiz immer meine Heimat war, so war auch die SVP immer meine politische Heimat. Also bin ich gleich zweifach nachhause gekommen.»

Das Telefon vibriert. Parteipräsident Albert Rösti ist dran. Als Generalsekretär sei es seine wichtigste Aufgabe, den Präsidenten, die Parteileitung zu unterstützen. Er selbst will im Hintergrund darüber wachen, dass die Partei ihrem Kurs treu bleibt.

Diplomat sagt Ja zu Rösti und Couscous

Präsident und Generalsekretär sind umgängliche Menschen. Das ist die SVP heute: freundlich im Ton, hart in der Sache. Dass in seinem Umfeld nicht alle begeistert sind von seiner neuen Tätigkeit, kann Lüchinger verschmerzen. «Ich habe noch nie ein Problem gehabt, mit Andersdenkenden zu diskutieren. Es gehört zur Demokratie, dass man andere Positionen akzeptiert, einen Kampf der Argumente führt und am Ende Lösungen findet, die für unser Land gut sind.»

Lüchinger ist eben ganz Diplomat. Rösti oder Couscous? Er möge beides, sagt er. Nun ist Zeit für die Parteileitungssitzung. Lüchinger und Rösti verschwinden im Fraktionsbüro. Die Telefonkonferenz findet, wie die Diplomatie, hinter verschlossenen Türen statt.