Der untere Mittelstand kann sich kein Haus mehr leisten

Die schnellere Amortisation der Hypotheken ist beschlossene Sache. Nun kommt auch noch der Bundesrat: Er will den Vorbezug des Pensionskassengeldes verbieten. Kommen die Vorschläge durch, wirds eng für Häuslebauer in der Schweiz. Das Vermögenszentrum (VZ) hat für SRF News Online gerechnet.

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Beschränkung der Pensionskassen wird kommen

1:53 min, aus Tagesschau vom 26.6.2014

Wie viel darf es kosten? Wer ein Haus anvisiert, muss rechnen. Jetzt erst recht. Einerseits müssen neu ausgestellte Hypotheken bereits nach 15 statt wie bisher 20 Jahren auf zwei Drittel amortisiert sein. Andererseits will der Bundesrat sämtliche Vorbezüge aus dem obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge verbieten. Kommt der Vorschlag durch, wird’s selbst für gut Verdiende eng beim Kauf von Wohneigentum.

Ein Beispiel: Hans Muster ist 40 Jahre alt, ist verheiratet, hat zwei Kinder. Seine Frau und er bringen zusammen pro Monat 10'630 Franken nach Hause, ihre Pensionskassenguthaben betragen 115'000 Franken. Das Paar hat auch sonst etwas auf der hohen Kante: Das freie Vermögen beträgt 125'000 Franken.

Im Visier hat Hans Muster ein Einfamilienhaus im Wert von 800'000 Franken. Er hat gerechnet: Mit den heutigen Bedingungen müsste er monatlich 3540 Franken für die Amortisation zahlen (siehe Tabelle). Mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 10'630 wirds zwar sehr knapp, aber die Bedingungen der Bank sind erfüllt.

Kämen nun die neuen Richtlinien der Banken und des Bundes hinzu, müsste die Familie Muster neu mindestens 12'000 Franken im Monat verdienen statt wie bisher 10'630 Franken. Ausserdem müsste das Paar sein ganzes Vermögen einschiessen. Oder die andere Variante: Die Familie könnte sich nur noch ein Haus im Wert von 730'000 Franken leisten. Oder sie verzichtet ganz auf den Hauskauf.

So rechnet Hans Muster

Die Rechnung für den Hauskauf
Stand heuteAmortisation neu 15 JahreAmortisation neu 15 Jahre, kein PK-Bezug möglich
Kaufpreis der Liegenschaft800'000 (100%)800'000 (100%)800'000 (100%)
Eigenmittel (Wertschriften, Kontoguthaben, Säule 3a80'000 (10%)80'000 (10%)125'000 (16%)
Pensionskassenguthaben obligatorisch80'000 (10%)80'000 (10%)-
Pensionskassenguthaben überobligatorisch35'000 (4%)35'000 (4%)35'000 (4%)
1. Hypothek (bis 65% des Kaufpreises)520'000 (65%)520'000 (65%)520'000 (65%)
2. Hypothek (max. 15% des Kaufpreises)85'000 (11%)85'000 (11%)120'000 (15%)
Kosten auf Jahresbasis
Zinskosten für die Hypothek (5.000%)*30'25030'25032'000
Nebenkosten (1% des Liegenschaftenwertes)800080008000
Amortisation der zweiten Hypothek42505'6678000
Total Belastung pro Jahr42'50043'91748'000
Total Belastung pro Monat354036604000
.
Mindestbruttoeinkommen pro Jahr**127'500131'750144'000
Mindestbruttoeinkommen pro Monat10'63010'98012'000

* Die 5 Prozent entsprechen einem langfristigen Durchschnittszinssatz. Effektiv kosten Hypotheken heute weniger als 2 Prozent.

** Die Total-Belastung pro Jahr wird mal 3 gerechnet. Das ergibt das Mindestbruttoeinkommen pro Jahr.

Quelle: VZ Vermögenszentrum, Lorenz Heim

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Künftig dürfen keine Gelder mehr aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge für den Kauf von Wohneigentum verwendet werden. Damit will der Bundesrat verhindern, dass Menschen im Alter zu wenig Geld haben und auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind.

    Kürzlich erst haben die Banken strengere Regeln für Hypotheken beschlossen. Bleiben wir ein Volk von Mietern?

    Géraldine Eicher, Dominik Meier und Jan Baumann