Der Weg in die Selbständigkeit wird teu(r)er

Das geplante Verbot des Erwerbs von Wohneigentum mit Pensionskassengeldern wirft Wellen. Aber auch für die Gründung von Unternehmen dürfte die Pensionskasse nicht mehr angezapft werden. «10vor10» hat sich angeschaut, was das am Beispiel eines Catering-Unternehmens bedeutet.

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Firmen-Neugründungen sind gefährdet

3:20 min, aus 10vor10 vom 26.6.2014

Die Pläne des Bundesrats, den Erwerb von Wohneigentum mit Pensionskassengeldern zu verbieten, sorgen landesweit für Diskussionen. Aber der Vorschlag der Regierung birgt noch mehr Brisanz: Auch für die Gründung von Unternehmen dürften keine Mittel mehr aus der Pensionskasse eingesetzt werden.

In der Schweiz wird jede vierte Neugründung einer Personengesellschaft mit Pensionskassengeldern finanziert. So auch der Verpflegungs-Unternehmer Daniel Kolbe aus Zürich, der Kunden seit zehn Jahren ein Event Catering anbietet.

Der Unternehmer brauchte für den Start 50‘000 Franken, vor allem für Küchengeräte, um das Essen vorzubereiten und es bis zur Auslieferung aufzubewahren. Seit der Gründung vor zehn Jahren hat Daniel Kolbe das Unternehmen Schritt für Schritt ausgebaut. Er beschäftigt heute zehn Mitarbeiter.

«Dieses Geld ist damals sehr wichtig gewesen. Ohne das wäre es nicht gegangen», sagt Kolbe. Gewisse Anschaffungen musste er zu Beginn tätigen, als die Kunden noch nicht bezahlt hatten und darum keine Mittel vorhanden waren.

Grafik mit Firmensymbolen.

Bildlegende: Ein Viertel von rund 12'000 Personengesellschaften konnten nur mit Geldern aus Pensionskassen gegründet werden. SRF

Sein Catering-Unternehmen ist eine von rund 12'000 Personengesellschaften, die in der Schweiz jährlich gegründet werden. Viele können nur mit dem Einsatz von Pensionskassengeldern finanziert werden. 2012 flossen so rund 600 Millionen Franken in die Gründung von neuen Unternehmen.

Jordi Monserrat vom Institut für Jungunternehmen hilft seit vielen Jahren Jungunternehmern beim Schritt in die Selbständigkeit.

Seine Meinung zu den Plänen des Bundesrates, keine Pensionskassengelder mehr für Firmengründungen zuzulassen, ist dezidiert: «Das ist sehr schlimm, denn die Leute sollen ihr eigenes Geld für eigene Projekte einsetzen können. Schliesslich werden diese neuen Unternehmen Steuern bezahlen und neue Arbeitsplätze schaffen.»

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Amman trägt den Entscheid des Bundesrats natürlich mit. Aber im Wissen um die Bedeutung von Firmen-Neugründungen schlagen wohl zwei Herzen in seiner Brust:

«Die Zukunftssicherung für die jetzige Generation liegt darin, dass man Innovationen tatsächlich treibt. Andererseits muss man aber davon ausgehen können, dass Vorsorgegelder auch in Zukunft zur Verfügung stehen.»

Was passiert beim Scheitern?

Das Zürcher Catering-Unternehmen hat es nach der Gründung geschafft. Doch das trifft längst nicht auf alle Jungunternehmen zu. Etliche würden scheitern, sagt Andreas Dummermuth, Präsident der Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen. «Sehr viele Firmen werden mit Pensionskassengeldern gegründet und am Schluss ist das Geld weg und der Steuerzahler muss in die Bresche springen. Das macht doch keinen Sinn.»

Wie viele Personen ihre Pensionskassengelder bei einem Firmen-Konkurs tatsächlich verlieren und dann Hilfe beim Staat holen, weiss niemand so genau. Ein kluger Unternehmer sorgt aber selber vor. «Mit Familie, Kindern und einer Wohnung ist Vorsorge ein wichtiges Thema. Mit jährlichen Zahlungen stopfe ich die Löcher, damit Mittel da sind, falls mir etwas zustösst», sagt Daniel Kolbe.

So wie er setzt auch die Wirtschaft auf Eigenverantwortung und fordert, dass Jungunternehmer ihre Pensionskassengelder auch weiterhin einsetzen können.