Revision des Jagdgesetzes «Der Wolf gehört zur einheimischen Fauna»

Reinhard Schnidrig kämpft als oberster Wildhüter des Bundes für einen Kompromiss: Im revidierten Jagdgesetz soll der Schutz des Wolfes in der Schweiz aufgeweicht werden. Die Wolfspopulation soll künftig mit Präventivabschüssen gesteuert werden können.

Beim Thema Wolf in der Schweiz sind Kompromisse schwierig: Entweder ist man für den Wolf oder gegen ihn. Die einen wollen das Tier zum Abschuss freigeben, andere wollen seinen totalen Schutz.

Reinhard Schnidrig kämpft als oberster Wildhüter des Bundes für einen solchen Kompromiss: Mit der Revision des Jagdgesetzes soll der Schutz des Wolfes nämlich aufgeweicht werden. So soll die Wolfspopulation in der Schweiz künftig mit präventiven Abschüssen gesteuert werden können.

«  Den Wölfen in der Schweiz geht es gut. Wenn ich ein Wolf wäre, hätte ich nicht unbedingt Bedenken, hier zu leben. »

So fasst Schnidrig die Situation zusammen. Dies hören Wolfsfreunde und Tierschützer zwar gerne, aber können es nicht so ganz glauben. Auch die Wolfsgegner sind mit Schnidrig nicht zufrieden, wenn er sagt:

«  Es ist zuerst einmal festzuhalten, dass der Wolf zur einheimischen Fauna gehört. »

Diese Aussage mag manchen Schaf-und Ziegen-Halter zur Weissglut treiben, denn jedes Jahr reissen Wölfe in der Schweiz im Schnitt etwa 160 Nutztiere.

Vernachlässigter Herdenschutz

Tatsache sei aber, sagt der Chef der Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität im Bundesamt für Umwelt (Bafu), dass der Herdenschutz jahrelang vernachlässigt worden sei. Es sei aber nötig, dass die Halter von Schafen und Ziegen ihre Herden schützten, auch wenn es keinen hundertprozentigen Schutz gebe:

«  Der Herdenschutz ist eine Minimierungsstrategie. »
Der Problemwolf M75 wurde im Mai gesetzeskonform zum Abschuss freigegeben.

Bildlegende: Der Wolf M75 hat seit Anfang Jahr mindestens 55 Schafe in verschiedenen Kantonen gerissen. Keystone Archiv

Es werde nie null Risiko mit Wildtieren geben. Auch Wölfe könnten lernen, Zäune oder sogar Schutzhunde zu umgehen, erklärt Schnidrig.

Ein Beispiel dafür ist etwa M75. Das Tier gilt als Problemwolf und hat in diesem Frühling für Schlagzeilen gesorgt. M75 hat alleine mindestens 50 Schafe gerissen – trotz Herdenschutz.

Dazu hat Schnidrig eine klare Meinung: «Dieses Tier sollte man unbedingt wegnehmen, um nicht noch mehr Probleme zu schaffen, auch politische.»

«  Solche Tiere sollten wir schiessen dürfen. »

Lockerung des Jagdschutzes

Trotz einzelner Abschüsse gibt es hierzulande bereits gegen 60 Wölfe. Mittlerweile entstehen gar erste Rudel, wie beispielsweise im Bündnerland. Die Revision des Jagdgesetzes, mit der sich der Bundesrat nach den Sommerferien befassen wird, sieht deshalb eine Lockerung des Jagdschutzes vor.

So sollen künftig nicht nur Wölfe geschossen werden dürfen, die wie M75 grossen Schaden anrichten, sondern auch Abschüsse erlaubt werden, um den Bestand zu regulieren, zum Beispiel, wenn die Wölfe Rudel bilden.

Deshalb brauche die Schweiz eine Wolfsstrategie, so wie sie im revidierten Jagdgesetz vorgesehen sei, sagt Schnidrig. Denn für ihn ist klar: Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben.

Das Gespräch führte Géraldine Eicher.