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Bergsturz in Bondo Deshalb hilft die Armee (noch) nicht im Bergell

Legende: Video Aufräum-Wettlauf in Bondo abspielen. Laufzeit 02:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.08.2017.
  • Bundesrat Guy Parmelin habe Hilfe zugesagt. Aber der Einsatz sei im Moment zu gefährlich, betonte der Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb.
  • Armeeangehörige müssten sich während der Arbeit im überschwemmten Auffangbecken vor dem Dorf Bondo im Notfall innert vier Minuten in Sicherheit bringen können.
  • Das sei nicht möglich, weil das abgebrochene Material in Bewegung sei.

Mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind zivile Personen – und das unter ständiger aufmerksamer Beobachtung. Diese Leute sind laut Rathgeb in einer Minute aus dem Auffangbecken raus, sollte erneut Material aus dem Val Bondasca heraus geschwemmt werden.

Rathgeb erinnerte daran, dass am Grenzberg zu Italien, dem Piz Cengalo, eine weitere Million Kubikmeter Gestein in Bewegung ist, die jederzeit abbrechen könnte. Vier Millionen Kubikmeter waren am Mittwoch letzter Woche abgestürzt. Teile davon wurde via Val Bondasca ins Haupttal Bergell bis vor Bondo geschoben.

Material bleibt liegen

Vom Berg sprengen, damit alles unten am Talboden liegt, lässt sich das restliche Felspaket nicht. Sprengbare Felsmassen lägen üblicherweise in der Grössenordnung von höchstens ein paar tausend Kubikmetern, heisst es bei den Spezialisten des Bündner Amtes für Wald und Naturgefahren.

Das Material, das seit Mitte letzter Woche vom Piz Cengalo ins Bergeller-Seitental abgestürzt ist, wird im Val Bondasco liegen gelassen. Abgesehen vom Dorf Bondo, das im Auslauf des Val Bondascas liegt, wären bei einem Absturz des restlichen Materials laut Behördenangaben grundsätzlich keine Infrastrukturen gefährdet.

Glückskette will Soforthilfe leisten

Bereit zum Helfen im Bergell ist die Glückskette Schweiz. Mediensprecherin Daniela Toupane zufolge verfügt die Hilfsorganisation über einen Unwetter-Fonds, in dem sich drei Millionen Franken befinden. Die Mittel in diesem Fonds seien der Grund dafür, dass kein spezieller Spendenaufruf für Bondo erlassen worden sei.

Die Glückskette könnte gemäss ihrer Mediensprecherin Soforthilfe im Bergell leisten, Überbrückungshilfe oder Hilfe bei der Begleichung von Restkosten. Die Hilfsorganisation warte auf konkrete Gesuche der Gemeinde Bregaglia oder von Privaten in Bondo. Mandatsträgerin der Glückskette vor Ort im Bündner Südtal ist die Hilfsorganisation Caritas.

Einer der grössten Bergstürze der letzten 100 Jahre

Bei einem der grössten Bergstürze in der Schweiz seit über 100 Jahren waren am letzten Mittwochvormittag schätzungsweise vier Millionen Kubikmeter vom Piz Cengalo abgebrochen. Eine Kombination von auftauendem Permafrost und Wasserdruck wird als Ursache vermutet.

Wahrscheinlich acht Menschen wurden verschüttet und verloren ihr Leben: vier Deutsche, zwei Österreicher und zwei Schweizer aus dem Kanton Solothurn. Die Suche nach den Vermissten wurde inzwischen eingestellt.

Im Rahmen der Abklärungen zum Unglück wird unter anderem der Frage nachgegangen, ob im Gebiet seitens der Gemeinden ausreichend auf die Naturgefahr eines Bergsturzes hingewiesen wurde. Der Piz Cengalo stand unter Beobachtung seit dem Absturz von Ende 2011, als am gleichen Ort 1,5 Millionen Kubikmeter Fels wegbrachen. Dieser Bergsturz hatte sich damals weitgehend unbemerkt ereignet.

Unwetter Schweiz

Logo und Schriftzug der Glückskette

Die Glückskette bietet vom Bergsturz Betroffenen Hilfe an. Spenden können auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Unwetter Schweiz» überwiesen werden. Auf www.glueckskette.ch oder mittels Swiss-Solidarity-App sind ebenfalls Spenden möglich.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Oppliger (Ber(li)ner)
    Vergessen wir nicht, es gibt auch noch den Zivilschutz. Lokal, Rasch einsetzbar, Ortskundig...
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Was für ein teurer, unfähiger Bundesrat, was für teure, unfähige zuständige Verantwortliche im "Bevölkerungs-Schutz"!!
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Hier geht es ja nicht mehr um "Bevölkerungs-Schutz", sondern um Aufräumarbeiten. Und wenn die Zuständigen vor Ort finden, die Gefahr wäre noch zu gross, damit nicht noch mehr Menschenleben gefährdet werden, werden sie schon wissen, was zu tun ist. Also gibt es überhaupt keinen Grund, jetzt schon wieder über Bundesrat Parmelin & unsere Armee herzuziehen. Sehr unangebracht.
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    2. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      Hallo Frau Casagrande wer ist für Sie überhaupt noch fähig im Bundesrat?Warum begreifen Sie nicht,dass es auch um den Schutz der Menschen die helfen wollen geht.Jedoch stecken diese in der gleichen Situation wie die Dorfbewohner, BEDROHUNG DURCH NOCH MEHR BERGBEWEGUNGEN DIE DAS TAL UNSICHER machen. Bewohner dürfen ja auch nicht in ihre Häuser zurück.Die Armee ist ja für die Hilfe bei den Aufräumarbeiten zuständig.Der Zivilschutz ist für die Bevölkerung da,die sich vor Ort um Menschen kümmern.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Fragwürdige Haltung von Bundesrat Parmelin - wann kommt Unterstützung der Armee, wenn nicht jetzt? Da fragt man sich schon als BürgerIn, wie das wohl bei einer Katastrophe mit Radioaktivität, oder Chemie, mit der Hilfe der Armee aussehen würde? Müssten sich die tausenden von betroffenen Menschen, selber irgendwie in Sicherheit - welche Sicherheit (?) - bringen, oder abwarten, bis es "weniger gefährlich für die Armeeangehörigen" wäre....?? Ein "Schrecken-Szenario"!!
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