Neue Fernbus-Konkurrenz Deutsche Bahn schickt IC-Busse nach Chur

Neben Flixbus mischt nun auch die Deutsche Bahn im Schweizer Fernbus-Markt mit. Und zwar ohne Beteiligung der SBB. Der Kanton Graubünden wird den IC-Bus sogar ins Tarifsystem einbinden.

Ein Bus der deutschen Bahn im Busbahnhof in Chur.

Bildlegende: Bei der SBB rollt neue Konkurrenz an: Die Deutsche Bahn bietet neu Fernbusse von und nach Chur an. SRF

  • Die Deutsche Bahn, eigentlich Partner der SBB, bietet neu Fernbusse von und nach Chur an.
  • Damit mischt nach dem populären Anbieter Flixbus ein weiteres Unternehmen mit im lukrativen Fernbus-Business mit.
  • Im Kanton Graubünden freut man sich über das neue Angebot und Touristiker frohlocken.

Ab April wird die Deutsche Bahn (DB) ihre IC-Busse nach Chur schicken. In rund dreieinhalb Stunden sind sie in München oder Mailand, rund eine Stunde schneller als die Bahn. Und das zu Preisen, die fast viermal tiefer ausfallen können als bei den SBB.

«Was man da auf der Fahrplanauskunft von der Deutschen Bahn findet, ist schon ziemlich heftig», stellt Eisenbahnsystem-Experte Werner Stohler in «10vor10» fest. Mit den IC-Bussen erreichen die Churer Fahrgäste München und Mailand ohne Umsteigen und mit freiem WLAN, ab 19 Euro. Das Bahnticket kostet 86 Franken.

«Eindeutig Konkurrenz»

«Im Moment sieht es eindeutig nach Konkurrenz aus», so Werner Stohler weiter. Im Informationssystem der DB sei der Bus angegeben, im Fahrplan der SBB hingegen nicht. Die SBB bestätigt, dass sie – anders als bei der Strecke Zürich-München – am IC-Bus von und nach Chur nicht beteiligt sind. Doch von Konkurrenz will SBB-Konzernchef Andreas Meyer nicht sprechen:

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FOKUS: Die DB macht den SBB mit Bussen Konkurrenz

4:39 min, aus 10vor10 vom 21.3.2017

«Die bieten ein Angebot an. Das ist jetzt eine Verbindung, die wir in unserem bestehenden Eisenbahnnetz nicht fahren können.» Es sei eine unternehmerische Entscheidung, welche Angebote man neben den eigenen in den Fahrplan aufnehme, so Meyer.

Die deutsche Bahn will ebenfalls nicht offiziell von Konkurrenz sprechen. Man fahre die Strecke München Mailand bereits seit April 2016. «Da hat es sich angeboten, auch in Chur mit seinem wunderbaren Umland einen Halt einzulegen», so Knut Rothmann, Projektmanager der DB Fernverkehr.

IC-Bus ins Bündner Tarifsystem integriert

Der Kanton Graubünden freut sich über das zusätzliche Verkehrsangebot. Es diene dem Tourismus, so Erich Büsser, Vorsteher Amt für Energie und Verkehr Graubünden. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn wird enger sein als mit Flixbus, welcher ebenfalls in Chur die Strecken nach München und Mailand anbietet.

Der IC-Bus werde ins Bündner Tarifsystem integriert, so Büsser weiter: «Vom Startort München beispielsweise bis zum Zielort St. Moritz, das ist eine Reise, ein Ticket.» Man könne so vom IC-Bus in Chur ohne zusätzliches Ticket umsteigen in die Rhätische Bahn.