Dichtestress auf Wanderwegen wegen Mountainbike-Boom

Die Schweiz ist eine Nation von Mountainbike-Fahrern: Doch der Boom befeuert auch Konflikte. Wanderer klagen, dass sie zunehmend unter die Räder kommen. Und Naturschützer kritisieren, dass auf zu vielen Bergen Bike-Pisten gebaut werden.

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Stress auf Wanderwegen wegen Mountainbikern

10 min, aus Rundschau vom 24.8.2016

«Mountainbiken ist im Sommer für uns das wichtigste Geschäft», sagt Bruno Fläcklin. Der Tourismusdirektor der Ferienregion Lenzerheide setzt voll auf das Geschäft mit den Mountainbikern. Sie sind die neue grosse Hoffnung für den Tourismus in der Schweiz. Die Biker sollen auch im Sommer die Seilbahngondeln füllen.

Biker überrollen Wanderwege

Die Touristiker jubeln – doch Wanderer befürchten, vom Boom überrollt zu werden: «Es ist nicht sehr entspannt. Wir müssen andauernd ausweichen und zur Seite gehen», sagt der Wanderer Michael Sell. Er fühlt sich zu Fuss auf dem Wanderweg nicht mehr wohl. «Es ist massiv, es gibt einfach zu viele Biker», klagt er der «Rundschau».

Im Wallis und in Graubünden werden die Wanderwege an den Wochenenden teilweise regelrecht zur Kampfzone. «Scheissbiker und Arschloch», solche Flüche müssten sie sich anhören, entgegnen Mountainbiker zum Dichtestress am Berg. Immer wieder würden Wanderer auch extra Äste auf die Wege legen, um Biker zu stoppen.

Umweltschützer kritisieren Bauboom

Die Lenzerheide hat am Parpaner Rothorn für rund 1,7 Millionen Franken einen Park mit speziellen Bike-Pisten gebaut. Diese Strecken mit spektakulären Sprüngen und Brücken sind nur für Biker reserviert. Konflikte mit Wanderern gibt es dort keine mehr.

Doch Umweltschützer kritisieren, dass die Bike-Strecken ein massiver Eingriff in die Natur seien. Jacqueline von Arx von Pro Natura Graubünden sagt, dass es zurzeit einen regelrechten Bauboom gebe. Überall in der Schweiz seien neue Strecken geplant.