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Schweiz «Die alte Garde hält Vaterschaftsurlaub für unnötig»

Die Schweiz ist in Sachen Vaterschaftsurlaub ein Entwicklungsland. Das will die Volksinitiative «Vaterschaftsurlaub jetzt!» ändern. Sie fordert 20 Tage Vaterschaftsurlaub. Seit einigen Monaten läuft die Unterschriftensammlung – nach «10vor10»-Recherchen sind nun knapp 30'000 Unterschriften zusammen.

Legende: Video «Initiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub per Gesetz» abspielen. Laufzeit 3:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 09.09.2016.

«Die jungen Männer sind offener für unser Anliegen, als die älteren.» Das sagt Adrian Wüthrich, Präsident des Arbeitnehmenden-Dachverbands Travailsuisse und Präsident des Vereins «Vaterschaftsinitiative jetzt!». Travailsuisse – zusammen mit über einhundert weiteren Organisationen – sammelt derzeit Unterschriften für einen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub in der Schweiz.

20 Tage – flexibel beziehbar

Die Initianten wollen einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen, respektive vier Wochen. Der Vaterschaftsurlaub müsste nicht an einem Stück bezogen werden, sondern könnte auf mehrere Wochen verteilt werden. Innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes.

Finanziert würde dieser über Lohnbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Initianten rechnen mit Kosten von schätzungsweise 380 Millionen Franken jährlich.

Adrian Wüthrich sagt gegenüber «10vor10», in der Schweiz seien Vaterschaftsurlaube in vielen Gesamtarbeitsverträgen (GAV) bereits geregelt. Doch nur rund die Hälfte der Arbeitnehmenden profitierte von einem GAV. Daher sei es an der Zeit, den Vaterschaftsurlab gesetzlich zu verankern.

Schweiz ist Entwicklungsland

In den letzten Jahren gab es immer wieder politische Vorstösse, die einen Vaterschaftsurlaub forderten. Doch politisches Gehör fanden sie nicht. So sagt auch die Zürcher FDP-Nationalrätin Regine Sauter, es brauche keinen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub. Familie sei Privatsache. «Wir können nicht allen Unternehmen, insbesondere den kleinen, einen teuren Vaterschaftsurlaub aufs Auge drücken, den sie sich nicht leisten können.»

Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich hinter her. Die Länder der OECD-Staaten haben im Schnitt acht Wochen Vaterschaftsurlaub. Nachbar Frankreich 28 Wochen, in Deutschland sind es 9. Die Schweiz liegt mit null gesetzlich geregelten Tagen gleich auf wie die Türkei.

Konservatives Rollenbild

Die Schweiz sei konservativ, das traditionelle Rollenbild von Mann und Frau noch stark verankert. Gesellschaftlich sei jedoch ein Wandel in Gang, sagt Historikerin und Geschlechterforscherin Fabienne Amlinger vom Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern. Die öffentliche Hand stelle Väter etwa grundsätzlich besser als private Unternehmen. Dies zeige, dass in diesem Bereich ein Bedürfnis nach einem Vaterschaftsurlab bestehe und ein Umdenken im Gang sei.

Die eidgenössische Initiative für einen Vaterschaftsurlaub wurde im Mai des laufenden Jahres lanciert. Rund 30‘000 Unterschriften wurden bisher gesammelt.

Die Ausnahmen

Die Schweiz ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Was allerdings den bezahlten Vater- und Mutterschaftsurlaub angeht, ist man alles andere als Spitze – vom unbezahltem Elternurlaub ganz zu schweigen. Insbesondere die Privatwirtschaft tut sich schwer. Etwas besser haben es städtische Angestellte. Mehr.

39 Kommentare

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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Ist alles nur noch eine Frage der Zeit, bis @Hr.Wüthrich von Travail Suisse auch noch einen Scheidungsurlaub aus der Kiste zaubert.Ach Hr.Wüthrich,was gewähren Sie den Männern,denen das Glück nicht hold war,eine Familie zu gründen?etwa einen bezahlten Single Urlaub auf den Phillippinen?
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  • Kommentar von Benjamin Thiel (BThiel)
    Weil die "alte Garde" von Misgunst und Neid getrieben wird. Demokratie hat halt den Nachteil, dass 51% Wölfe mit den 49% Lämmern über das Essen abstimmen. Ausgerechnet die Gereration die es versäumt hat genug Kinder in die Welt zu setzen damit für sie selbst genug Rente da ist, will es der nächsten noch schwerer machen die eigene Rente zu ermöglichen. Ca. 10 Milliarden aus Steuermitteln fliessen jetzt schon in die AHV aber 400Mio für uns Väter sind nicht da. Egoisten! Schämt euch!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Es gibt Männer und Frauen, die aus verschiedenen Gründen keine Kinder haben konnten oder können. Natur hat nichts mit Egoismus zu tun. Ihre pauschalisierende Beschimpfung und Unterstellung des Neids ist voll daneben. Schämen Sie sich doch einfach selber.
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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Warum soll ich Männern Ferienbezahlen mit meinem Lohn? Bei den Frauen ist das klar, weil die ja die Kinder auf dei Welt stellen und zum Gesundheitsschutz nachher gar nicht arbeiten dürfen. Da sollen sie wenigstens den Ausfall kompensiert bekommen. Und das Geld kommt aus dem gleichen Topf wie der Ersatz bei Militätdienst. Aber die Männer brauchen keinen Gesundheitsschutz und die Gelder bekommen sie schon für den Militärdienst.
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