Die Königsmacherin

Bei der Wiederwahl von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf spielt die CVP das Zünglein an der Waage. Laut Parteipräsident Christophe Darbellay wird sich die grosse Mehrheit für die Finanzministerin aussprechen. Andere Parteimitglieder sehen dies aber nicht so.

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Wirbel um Wiederwahl von Widmer-Schlumpf

1:49 min, aus Tagesschau vom 9.8.2015

Ob Eveline Widmer-Schlumpf auch nächstes Jahr noch im Bundesrat sitzt, entscheidet sich im Dezember nach den eidgenössischen Wahlen. Wenige Stimmen dürften den Ausschlag geben. Vor allem braucht Widmer-Schlumpf die volle Unterstützung der CVP.

Doch wird sie diese erhalten? Zweifel daran lässt Filippo Lombardi aufkommen. Der CVP-Fraktionschef hatte sich jüngst in einer Tessiner Zeitung für einen zweiten SVP-Bundesrat auf Kosten der BDP-Bundesrätin ausgesprochen – und damit einen Wirbel in der Partei ausgelöst.

«  Die grosse Mehrheit der Partei tickt wie ich. »

Christophe Darbellay
CVP-Präsident

Lombardi steht mit seiner Haltung offenbar nicht alleine da. Der Tessiner CVP-Nationalrat Fabio Regazzi schätzt in der «Schweiz am Sonntag», dass «bis zu einem Drittel der CVP-Fraktion eine SVP-Kandidatur unterstützen könnte». Die CVP sei «bürgerlicher» geworden. Laut Angaben der Zeitung sind auch weitere CVP-Parlamentarier dieser Meinung.

Und was sagt der Parteichef? Christophe Darbellay wiegelt ab. Er spricht von einer Einzelaktion Lombardis: «Das ist eine persönliche Meinung von Lombardi im Tessiner Kontext – keine Meinung der Fraktion. Ich habe sehr viel telefoniert gestern und kann sagen, es ist eine handvoll Leute, welche diese Meinung vertreten, die grosse Mehrheit tickt wie ich, wie die Fraktion eigentlich.»

Lombardi bestätigt der «Tagesschau» via SMS, dass es sich um eine persönliche Meinung im Tessiner Kontext gehandelt habe. Es sei keine Position im Namen der Fraktion.

Eveline Widmer-Schlumpf nimmt den Wirbel um ihre Person gelassen – zumindest äusserlich: «Die Wiederwahl ist keine Frage, die ich mir jetzt stelle. Ich mache meine Arbeit bis Ende Jahr, und was dann ist, werden wir sehen.»