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Schweiz Die lange Diskussion um die Gurtentragpflicht in Bussen

Gurtentragpflicht in sogenannten Bussen? Nach Unfällen wie im aargauischen Endingen kommt dieses Thema immer wieder aufs Tapet.

Legende: Video Gurtenobligatorium für Linienbusse? abspielen. Laufzeit 3:32 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.11.2014.

Fahrzeuge im konzessionierten, öffentlichen Linienverkehr müssen nicht mit Gurten ausgerüstet sein. So steht es im Strassenverkehrsgesetz. Demnach gibt es für Passagiere von Postautos oder Linienbussen auch keine Gurtentragpflicht.

Anders bei Reisecars: Seit 2006 gilt dort die Tragepflicht von Sicherheitsgurten. Ob die Passagiere sich dessen bewusst sind und sich auch tatsächlich alle anschnallen, ist allerdings fraglich. Aber: Wer es unterlässt, kann gebüsst werden.

Folgenschwere Unfälle im Linienverkehr selten

Der Gesetzgeber sei sich der Problematik bewusst, erklärt Astag-Sprecher Thomas Rohrbach. Da aber kaum Unfälle geschähen, sei man diesen Kompromiss für die Leistungsfähigkeit dieser Transportmittel eingegangen.

Tatsächlich sind Unfälle mit Verletzten, bei denen Gesellschaftswagen involviert sind, äusserst selten. Ausnahme bildete das schwere Busunglück mit Schülern im Wallis von 2012. In jenem Jahr starben bei Unfällen in Gesellschaftswagen auf Schweizer Strassen 31 Menschen.

2010 wurden zwei und 2011 ein Toter bei Unfällen mit Gesellschaftswagen im Strassenverkehr verzeichnet. Verletzte gab es pro Jahr durchschnittlich drei. Ausreisser waren wiederum das Jahr 2012 wegen des Busunglücks im Wallis sowie 2010 mit elf Verletzten.

Gurtenpflicht seit 1999

Sicherheitsgurten sind nach Einschätzung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) eines der effektivsten und zentralsten Mittel zur Verminderung von Verletzungen bei Verkehrsunfällen. Deshalb sollten sie auch getragen werden, wenn sie in einem Fahrzeug vorhanden sind, sagt bfu-Sprecher Daniel Menna.

Die Gurtentragpflicht im Strassenverkehr gilt seit 15 Jahren. 1999 wurden die technischen Vorschriften für Fahrzeuge dahingehend geändert, dass Sicherheitsgurten auf Rücksitzen von Lieferwagen sowie auf Sitzen von Lastwagen und Gesellschaftswagen vorhanden sein müssen.

2001 wurde diese Vorschrift auf Rücksitze von Kleinbussen ausgedehnt und 2006 auch auf Längsbänke, welche wiederum zwei Jahre später bei Neuzulassungen von Fahrzeugen verboten wurden. 2010 wurde auch eine Nachrüstpflicht von Sicherheitsgurten bei bestehenden Längsbänken und Plätzen für Kinder angeordnet.

Aufprall mit 50 km/h = Sturz aus 10 Metern

Wie sehr sich das Tragen der Sicherheitsgurte lohnt, zeigen auch die physikalischen Auswirkungen, die das Astra in einer Broschüre zur Sicherheit im Strassenverkehr zusammengefasst hat. Bei einem Aufprall wird ein nicht angegurteter Autofahrer ungebremst in die Scheibe oder gegen das Armaturenbrett geschleudert.

Jeder bewegte Körper besitzt Bewegungsenergie, die mit zunehmender Geschwindigkeit quadratisch ansteigt. Doppelte Geschwindigkeit bedeutet demnach vierfache Energie. Ein Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde (km/h) ist gleichbedeutend wie ein Sturz aus zehn Metern Höhe, schreibt das Astra.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Liebermann, Zürich
    Morgens, 07h05 im Postauto. Da bekommen viele Fahrgäste keinen Sitzplatz, sondern nur einen Stehplatz. Zu Berufsverkehrszeiten einen Sitzplatz im Postauto zu bekommen, entspricht der 'heilen Welt', die noch einige von der CH haben. Die Realität sieht anders aus ... und für Stehplätze schützen keine Gurte.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    ACHT Erdumdrehungen, pro Tag, machen CH-Postbusse. Und sollten es auch nur FÜNF sein, es wäre immer noch eine gewaltige Menge an unfallfreien Kilometern pro Jahr. Trotzdem, ein schwerer Unfall, und bereits schreien sie wieder von allen Seiten nach neuen Gesetzen. Das ist unser Land, das sind unsere Politiker|innen, das sind wir. Nichts, aber auch gar nichts kann mehr passieren, ohne immer sofort nach Gesetzen zu rufen. Nur, um auch das hier anzumerken. Bei allem Respekt mit den Betroffenen.
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  • Kommentar von Stefan Brammertz, Uster
    Es wird Zeit, dass die Gurtenpflicht auch in Oldtimern eingeführt wird! Wenn reiche Snobs einfach fahren dürfen, wie sie wollen, sind sie ein sehr schlechtes Vorbild. Zudem scheint man solche Autos bei den Crashtests systematisch zu vergessen, als ob dort keinerlei Gefahr bestünde.
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    1. Antwort von h. anni, zürich
      @Brammertz Was haben Oldtimer mit reichen Snobs zu tun? Ich fahre ein Fiat Cabrio, Jg. 1961, hat mich genau 3'500 gekostet. Das kann sich also wirklich in der CH fast jeder leisten wenn er will. Ausserdem haben Oldtimer eben Klasse was das Aussehen anbelangt. Da kam es nicht so sehr auf Aerodynamik etc. an. Vielleicht sammeln Sie Antiquitäten, oder haben eine teure Eisenbahnanlage zu Hause. Deswegen nenne ich Sie noch lange keinen reichen Snob. Und nein, Gurten gehören nicht in einen Oldtimer!!
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    2. Antwort von Barnabas POETSCH, Köniz
      Auch ich bin KEIN reicher Snob, aber in meinem über 40 Jährigen Mercedes Coupé habe vorne und hinten Gurten montiert, sowie auch Feuerlöscher usw sind vorhanden...... Snobs fahren eher NEUERE Wagen !!
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    3. Antwort von Stefan Brammertz, Uster
      Falsch! Alle Oldtimer sofort mit Gurten, Kopfstützen und Airbags ausstatten! Sicherheit geht vor.
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