Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz «Die Menschen in der Schweiz sind hilfsbereit und gut»

Die Zahl der Asylbewerber aus Afghanistan steigt stark an. Die meisten von ihnen waren zuvor in Deutschland. Wie wählen sie ihr Ziel aus und was zieht sie nun in die Schweiz? Eine Reportage aus einer Zivilschutzanlage in Schaffhausen.

Fünf Personen stehen auf einer Wiese und blicken in die Kamera, im Hintergrund hängt Wäsche zum trocknen.
Legende: Eine der afghanischen Familie in Schaffhausen die hoffen, in der Schweiz bleiben zu können. SRF

Kinder rennen durch den Bunker, vorbei an den Tischen mit gespendeten Kleidern und Schuhen. Zivilschützer in orange-braunen Uniformen verteilen Medikamente. Mittendrin sitzt an einem langen Tisch Naquibulla Ashurie. Der Afghane spricht perfekt Englisch. In seiner Heimat hat er für die Amerikaner als Übersetzer gearbeitet.

«Taliban wollen mich töten»

Doch für die Taliban ist er ein Verräter. «Sie wollen mich töten. Das ist der Hauptgrund für meine Flucht», sagt Ashurie. Niemand verlasse seine Familie und seine Heimatstadt einfach so. Bevor er aufbrach, besorgte er sich Geld und klärte ab, wohin die Reise gehen soll.

Wie alle anderen Flüchtlinge habe auch er versucht, sich ständig übers Handy und per Internet zu informieren. Wo ist es gut? Welches Land nimmt Flüchtlinge auf?

Von UNO-Soldaten und anderen Helfern habe er erfahren, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufnehme. Deshalb sei er dorthin, sagt Ashurie und hält den Arm vor den Mund, weil er husten muss. Viele der knapp 100 Männer, Frauen und Kinder husten hier unten, in der Zivilschutzanlage. Es ist feucht – auch wegen der vielen Wäsche, die zum Trocknen hängt.

Diskussion um Rückschaffungen in Deutschland

Nach Ashuries Einschätzung waren nicht alle Geflüchteten in Afghanistan so unmittelbar an Leib und Leben bedroht wie er. Doch alle seien sie verzweifelt wegen der fehlenden Zukunftsperspektive in ihrem Land. In Deutschland, sagt der Übersetzer, seien die Flüchtlinge gut behandelt worden. Doch dann habe sich die Nachricht verbreitet, dass Angela Merkel mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani telefoniert habe. Woraufhin die afghanischen Flüchtlinge Angst bekamen, zurückgeschafft zu werden.

Abgesehen vom feuchten Bunker ist es wunderbar hier.
Autor: Marzieh NooriAfghanin auf der Flucht

Zwischen dem Antritt seiner Flucht in Afghanistan und der Ankunft in der Schweiz liegen zwei Monate. Die Reise habe viel Geld gekostet, sagt Ashurie. Andere Flüchtlinge bestätigen das. Marzieh Noori zum Beispiel: Sie ist 24 Jahre alt und trägt ein elegantes Kopftuch. Sie möchte lieber draussen am Tageslicht zwischen Sportplätzen und Schrebergärten reden.

«Wir haben gehört, dass Deutschland die Afghanen wieder zurückschaffen will. Das ist der Hauptgrund, warum Afghaninnen und Afghanen jetzt in die Schweiz und in andere Länder ausweichen», sagt sie. Noori ist die Tochter eines schiitischen Klerikers. Sie floh zusammen mit Mann, Schwester, Bruder, Schwägerin, Schwager und Kindern hierher – eine Gruppe von insgesamt zwölf Leuten. Bereits vor sechs Jahren waren sie in den Iran geflüchtet. Dort aber hätten sie keine Zukunft gehabt und vor einem Monat seien sie weitergezogen.

«Die Schweiz bietet Sicherheit»

Für sie habe von Beginn an die Schweiz als Ziel festgestanden. «Die Sicherheit, die die Schweiz bietet, ist der Hauptgrund», sagt sie. Freunde, die schon hier wohnten, rieten ihnen hierherzukommen. Und jetzt stünden sie selber in telefonischem Kontakt mit ihren Onkeln, die nachkommen wollten. Doch: «Wir sagen ihnen: Kommt nicht, es ist zu gefährlich!», ergänzt ihr Mann, Ali Mohammadi.

Ein Teil der Flüchtlinge ertrinke im Meer, andere würden in den iranischen Bergen erfrieren. Hinzu komme das viele Geld, das man den Schmugglern bezahlen müsse: «Zehn bis zwölftausend Dollar pro Kopf verlangen sie», sagt Mohammadi. Sie hätten alles verkaufen müssen: Das Haus, das Land, die Möbel, den Schmuck. Und weil das nicht reichte, hätten sie zusätzlich Freunde und Verwandte um Kredit gebeten.

Seine Frau schaut den Männern zu, die vom Fussballspielen zurückkommen. Es wird langsam dunkel vor der Zivilschutzanlage. Sie hoffe, dass sie alle sich bald in der Schweiz registrieren lassen könnten, sagt sie. Denn: Abgesehen vom feuchten Bunker sei es wunderbar hier. Es bewahrheite sich: «Die Menschen in der Schweiz sind hilfsbereit und gut.»

Die Frauen nehmen die halbtrockene Wäsche vom Zaun – und steigen wieder hinab in den Bunker.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peach Meier (Peach Meier)
    Nicht an die Schweiz gewöhnen! Schnell raus! Problem wird sonst immer grösser!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Et voilà ihr Gutmenschen, die Ereignisse in Paris sind die Früchte der masslosen Einwanderungen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis solche Anschläge über ganz Europa inkl. CH hinziehen. Unter den heutigen Einwanderern hat es auch ein kleiner Teil gut ausgebildeter Terroristen. Wollen wir für die Zukunft solche Anschläge verhindern, sind alle Muslime ohne "Wenn" und "Aber" auszuschaffen. Seit Jahren warne ich überall vor solchen Auswirkungen u. die Linken und Grünen haben ein Brett vor dem Kopf.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Wie bitte?? Unerhöhrt Ihr Kommentar. Wie können Sie so gegen eine Religion hetzen weil einige wenige Vertreter dieser Religion radikal sind? Wenn also ein katholischer Pfarrer ein Kind sexuell missbraucht dürfen sämtliche Katholiken nicht mehr mit Kindern arbeiten? Ihre angebliche Lösung ist unbrauchbar.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans König (Hans König)
      Baltensperger: Leider führen ihre Zuckerwasserlösungen nur zu Ereignissen, wie sie letzte Nacht in Paris passiert sind. Die freien Völker mussten bereits in der Vergangenheit die Freiheit selber erkämpfen; auswandern ist eine Art Feigheit. Wollen sie in Europa Zustände wie Bagdad?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, in Zeiten wie heute haben die Rechtsnationalen hochkonjunktur. Aber mehr als Abschotten können solche Kreise auch nicht anbieten. Aus Kriegsgebieten und Staaten mit Unrechtregimes fliehen halt viele Leute. Wären viele dieser rechtsnationalen Herrschaften mit einer solchen Situation konfrontiert würden sie genau gleich handeln.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klara Steinlin (rosi)
    Diese Leute wissen genau, dass sie nicht allzu lange im Bunker wohnen müssen. Wir werden sie dann die nächsten Jahrzehnte in den Sozialämtern begrüssen dürfen. Wenn die Deutschen sie nicht wollen, kommen sie einfach in die Schweiz. Unsere gutherzige Klavierlehrerin nimmt alle.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Haben Sie den Artiel gelesen? Der Herr spricht perfekt englisch, das ist sein Beruf. Natürlich findet er Arbeit und ernährt sich und seine Familie selber. Fragen Sie Sich doch einmal, warum Sie so schlecht denken über solche Menschen allgemein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      J. Baltensperger, ich sehe, Sie haben schon den nächsten Asylgrund kreiert: Englischkenntnisse. Ob die Verwandtschaft auch so perfekt parliert wissen wir nicht und sonst ist ja das Sozialamt zur Stelle. Sollten seine eindringlichen Warnungen Onkel und Verwandtschaft doch nicht von der Reise abschrecken, haben wir weitere fünf bis zehn Asylanten. Schön wenn einer von denen auch so gut englisch spricht, dann ist ja alles in Butter.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen